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Politik

Depressionen: Merkel fordert Entstigmati­sie­rung

Mittwoch, 22. Februar 2017

/dpa

Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht großen Handlungsbedarf für die Aufklä­rung über Depressionen – und für Gespräche mit Arbeitgebern darüber. Viele Menschen trauten sich nicht, über Depressionen zu sprechen und kehrten eine Erkrankung unter den Teppich, sagte Merkel heute bei einer mit internationalen Experten besetzten Konfe­renz im Kanzleramt unter dem Titel „Was Menschen wichtig ist – Globale Gesundheit und Innovation“.

Merkel sagte, vom Kanzleramt bis zu Behörden und Unternehmen solle über Entstig­mati­sie­rung gesprochen werden. „Es ist in der Tat ein Thema, das uns alle zu Entwicklungs­ländern macht.“ Es leuchte jedem ein, wie eng physische und mentale Krankheiten zu­sammenhingen. „Gesundheit hat sehr viel mit der eigenen Würde zu tun“, sagte Merkel. Das Burnout-Problem, ein Erschöpfungssyndrom, nehme rapide zu. Die Veranstaltung im Kanzleramt, das sogenannte Internationale Deutschlandforum, ist eine Plattform für inter­disziplinären und interkulturellen Dialog zu weltweit relevanten Zukunftsfragen.

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Mehr über psychische Erkrankungen aufklären

Teilnehmer baten Merkel heute, „Reklame für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu machen“. Depressionen seien kein esoterisches Randthema. Ein „Führungsstil am Ar­beitsplatz“ könne zu psychischen Erkrankungen führen. Für Effizienz und Kosten bei Un­ternehmen und Behörden sei es wichtig, Risiken für psychische Belastungen zu senken. Hilfe könne etwa im Arbeitsschutzgesetz verankert werden. Die Prävention müsse drin­gend schon bei Kindern und Jugendlichen ansetzen. Über Gefahren von Drogen und Al­kohol würden sie früh aufgeklärt – nicht aber über seelische Erkrankungen.

Merkel versicherte, dass sich sowohl die großen Industrienationen (G7) – sie tagen das nächste Mal im Mai in Italien – als auch die Industrie- und Schwellenländer (G20) – sie kommen im Juli unter deutscher Präsidentschaft in Hamburg zusammen – um die Ge­sund­heitsfragen kümmern werden. Unter anderem geht es um das gemeinsame Vor­gehen bei länderübergreifender Ausbreitung von Infektionskrankheiten und um eine Einschränkung des Antibiotika-Einsatzes in der Landwirtschaft, um Resistenzen gegen Antibiotika bei Tieren und Menschen zu reduzieren.

Merkel sagte, wenn Hühner mehr Platz hätten, würde ihnen weniger Antibiotika gegeben werden müssen. Wenn dann von Kostensteigerungen für die Erweiterung von Ställen ge­sprochen werde, wolle sie gern berechnen lassen, wie viel Geld ausgegeben werden müs­s­e, um eine Antibiotika-Resistenz wieder zu überwinden – was außerdem Jahre dau­ere. „Das muss man dann ganz hart in ein Verhältnis setzen.“

Globale Gesundheit von „allergrößter Bedeutung“

Bereits in ihrem aktuellen aktuellen Video-Podcast hatte Merkel erklärt, die „globale Ge­sundheit“ sei „von allergrößter Bedeutung“. Die internationale Staatengemeinschaft ha­be sich mit der Agenda 2030 „das sehr anspruchsvolle Ziel gestellt, dass jeder Bürger der Welt – egal welchen Alters – ein Anrecht auf Gesundheitsversorgung hat“.

Während seiner G7-Präsidentschaft habe Deutschland eine Forschungsinitiative zur Entwicklung von Impfstoffen gegen Tropenkrankheiten auf den Weg gebracht. „Daran werden wir auch entschieden weiterarbeiten“, sagte die Kanzlerin. Zum Beispiel wolle sie im Rahmen des deutschen G20-Vorsitzes „schauen, ob wir noch mehr Mitstreiter auf die­sem Weg bekommen können“. Dazu werde es vor dem Treffen der Staats- und Regie­rungs­chefs eine Zusammenkunft der Ge­sund­heits­mi­nis­ter geben, kündigte Merkel an.

Das internationale Deutschlandforum bietet Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissen­schaft und Zivilgesellschaft eine Möglichkeit für den internationalen Austausch zu Zu­kunfts­fragen. Ziel des Forums ist es, ein Netzwerk für globales Lernen aufzubauen und gemeinsame Lösungen für Zukunftsfragen zu entwickeln.

Merkel: Globaler Gesundheitsschutz bekämpft auch Fluchtursachen

Berlin – Eine gute Gesundheitsversorgung für jedermann kann nach Einschätzung der Bundeskanzlerin zur Reduzierung von Fluchtbewegungen beitragen. „Wir Deutschen, das haben wir ja durch die Flüchtlinge gesehen, haben immer ein Interesse daran, dass Menschen anderswo vernünftig, gut leben können, um eben Fluchtursachen zu bekämpfen“, sagte Angela Merkel (CDU) in ihrem am Samstag veröffentlichten [...]

Die rund 120 Teilnehmer diskutieren auf dem dritten Forum neben dem Umgang mit An­tibiotika und mentaler Gesundheit auch, wie vernachlässigte Tropenkrankheiten besser bekämpft werden können.

Das Deutsche Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten begrüßte das Pro­gramm des Forums. Es lenke mehr Aufmerksamkeit auf die Frage, wie die internationa­len Ziele zur Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten zu erreichen seien. „Die UN-Nachhaltigkeitsziele erheben den Anspruch, niemanden zurückzulassen und beson­ders benachteiligte Bevölkerungsgruppen verstärkt zu fördern. Die Bundesregierung kann und sollte mehr tun, um dem gerecht zu werden“, sagte Jürgen May, Sprecher des Deutschen Netzwerks gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten und Leiter der Ar­beitsgruppe Infektionsepidemiologie beim Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Mehrere Gäste präsentierten auf dem Forum ihre innovativen Ansätze, um die medizini­sche Versorgung und die Vorsorge vor Krankheiten und Epidemien zu verbessern. Bright Simons aus Ghana hat beispielsweise das Netzwerk „mPedigree“ gegründet, das gegen gefälschte Medikamente kämpft. Das Unternehmen ist bereits in zwölf afrika­nischen Ländern aktiv und kennzeichnet Medikamentenverpackungen als „sicher“.

© dpa/hil/aerzteblatt.de

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