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Medizin

Hörstörungen: Neue Wirkstoffe könnten Haarzellen im Innenohr erneuern

Donnerstag, 23. Februar 2017

Cambridge – Die Haarzellen im Corti-Organ, deren Untergang für die Innenohr­schwerhörigkeit im Alter verantwortlich ist, lassen sich möglicherweise durch benachbarte Stützzellen ersetzen. US-Forschern ist dies in Cell Reports (2017; 18: 1917–1929) an Zellkulturen und am Innenohr einer Maus gelungen.

Jeder Mensch verfügt bei der Geburt über etwa 15.000 Haarzellen im Innenohr. Die feinen Zilien und Stereovilli, die akustische Schwingungen der Membranen im Innenohr auffangen, sind anfällig für mechanische und chemische Beschädigungen und beim Menschen nicht zur Regeneration fähig. Lärm, aber auch Medikamente können durch die Zerstörung der Haarzellen eine lebenslange Innenohrschwerhörigkeit auslösen, an der mit zunehmendem Alter immer mehr Menschen leiden.

Die Haarzellen sind im Corti-Organ von anderen Zellen umgeben, die bisher als mecha­nische Stützzellen gedeutet wurden. Einige dieser Zellen verfügen jedoch über den molekularen Schalter Lgr5, über den sie zur Proliferation und zur Differenzierung in neue Haarzellen veranlasst werden können. Ein Team um Robert Langer vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge hatte den Schalter zuerst in Darmzellen entdeckt. Mit relativ einfachen Mitteln gelang es ihnen, Lgr5 zu aktivieren und ausgereifte Darmzellen zu züchten. 

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Jetzt zeigt das Team, dass die gleiche Methode in der Lage ist, Stützzellen im Corti-Organ in Haarzellen zu verwandeln. Im Reagenzglas gelang dies durch den kom­binierten Einsatz eines GSK3beta-Inhibitors und einen Histon-Deacetylase-Inhibitors. Die Zellen vermehrten sich zunächst und reiften dann zu Haarzellen. Die Forscher konnten die Vermehrung und Differenzierung in der Cochlea einer Maus wiederholen. Die Zahl der Haarzellen vermehrten sich dort von 200 auf 11.500. Ob diese Zellen dann tatsächlich die Funktion der zugrunde gegangenen Haarzellen zu übernehmen, ist nicht bekannt.

Die notwendigen Werkzeuge könnten jedoch schon bald zur Verfügung stehen, da GSK3beta-Inhibitoren und Histon-Deacetylase-Inhibitoren derzeit als Wirkstoffe für andere Erkrankungen klinisch getestet werden. Von da wäre es dann nur noch ein kleiner Schritt, um beispielsweise durch Injektion der Wirkstoffe in die Hörschnecke die Regeneration von Haarzellen anzustoßen.

Die Forscher haben bereits eine Firma, Frequency Therapeutics, gegründet, und sie hoffen, innerhalb der nächsten 18 Monate mit klinischen Studien beginnen zu können – sofern sie von der Arzneimittelbehörde FDA eine Genehmigung dafür erhalten.

© rme/aerzteblatt.de

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