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Medizin

Darmkrebs: Einmalige Sigmoidoskopie senkt Darmkrebsrate über 17 Jahre

Donnerstag, 23. Februar 2017

dpa

London – Eine einmalige Sigmoidoskopie zwischen dem 55. und 64. Lebensjahr kann das Erkrankungsrisiko am Darmkrebs auch noch nach 17 Jahren senken. Dies zeigt die jüngste Auswertung einer randomisierten Vergleichsstudie aus Großbritannien im Lancet (2017; doi: /10.1016/S0140-6736(17)30396-3).

Anders als in Deutschland und den USA basiert die Darmkrebsvorsorge in Groß­britannien auf einer flexiblen Sigmoidoskopie mit jährlichen Stuhluntersuchungen auf okkultes Blut. Das UK National Screening Committee empfiehlt die Endoskopie seit 2011 als einmalige Untersuchung im Alter von 55 Jahren. Die Untersuchung wird inzwischen flächendeckend von (fast allen) 64 Screening-Zentren des Nationalen Gesundheits­dienstes angeboten. Zwischen dem 60. und 74. Lebensjahr werden kostenlose Stuhluntersuchungen auf okkultes Blut beim Hausarzt angeboten. 

Die Evidenz des Screenings basiert in erster Linie auf den Ergebnissen des UK Flexible Sigmoidoscopy Screening Trial, an dem zwischen 1994 und 1999 insgesamt 170.432 Männer und Frauen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren teilgenommen hatten. Die Ergebnisse der Studie waren zuvor im Lancet (2010; 375: 1624-1633) publiziert worden. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 11,2 Jahren waren in der Sigmoidoskopie-Gruppe 706 von 40.674 Personen an Darmkrebs erkrankt. 386 Karzinome befanden im distalen, 311 im proximalen Kolon. In der Vergleichsgruppe kam es zu 1.818 Darmkrebserkrankungen auf 112.939 Personen (1.192 im distalen und 628 im proximalen Kolon).

Wendy Atkin von Cancer Research UK hatte damals in der Per-Protokoll-Analyse (sie umfasst nur Personen, die auch an der Untersuchung teilnahmen) eine Reduktion der Krebsrate um 33 Prozent ermittelt. Die Zahl der Krebserkrankungen in Rektum und Sigmoid, die bei der Sigmoidoskopie eingesehen werden, sank sogar um 50 Prozent. Krebserkrankungen im proximalen Kolon wurden erwartungsgemäß nicht verhindert, da diese Regionen von der Sigmoidoskopie nicht erreicht werden.

Inzwischen sind im Mittel 17,1 Jahre seit der Sigmoidoskopie vergangen. Eine zweite Endoskopie, die in Deutschland oder den USA nach zehn Jahren empfohlen wird, ist im britischen Darmkrebs-Screening nicht vorgesehen. Die Zahl der Teilnehmer, die an Darmkrebs erkrankt sind, ist in der Sigmoidoskopie-Gruppe inzwischen auf 1.230 (592 distal und 612 proximal) und in der Kontrollgruppe auf 3.253 (1.987 distal und 1.255 proximal) gestiegen. Einige dieser Tumore hätten sicherlich durch eine zweite Unter­suchung verhindert werden können. Wie viele, ist wegen einer fehlenden Inter­ventionsgruppe nicht klar.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass das Screening nur in den ersten zehn Jahren effektiv ist. Im Gegenteil: Das Screening, bei dem Adenome entfernt werden, senkt auch in der Folgezeit noch die Zahl der Krebserkrankungen. Über die gesamte 17-jährige Untersuchungszeit ermittelt Atkin in der Per-Protokoll-Analyse eine Reduktion der Darmkrebsrate um insgesamt um 35 Prozent. Bei den distalen Tumoren betrug die Reduktion 56 Prozent.

Die Zahl der Personen, die gescreent werden müssen, um einen zusätzlichen Darm­krebs zu entdecken, hat sich sogar noch verbessert: Von 191 nach 11 Jahren auf 98 nach 17 Jahren. Dies steigert aus der Perspektive des Anbieters die Effizienz des Screenings: Es müssen deutlich weniger Personen untersucht werden, um einen Darmkrebs zu entdecken.

Aus der Perspektive der Bevölkerung steigt mit dem Verzicht auf die zweite Endoskopie natürlich das Risiko, trotz der Vorsorge an Darmkrebs zu erkranken. Auch die Nachteile, sie sich aus der Wahl der Sigmoidoskopie anstelle einer kompletten Koloskopie ergeben, könnten mit der Zeit ansteigen. Atkin weist darauf hin, dass der Anteil der Darmkrebserkrankungen im proximalen Darm mit zunehmendem Alter steigt von 29 Prozent im Alter von 55 Jahren auf 48 Prozent im Alter von 80-84 Jahren. © rme/aerzteblatt.de

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