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Diabetes: Zyklische Fasten-ähnliche Diät senkt Bluzuckerwerte bei Mäusen

Montag, 27. Februar 2017

Wöchentliches Fasten könnte sich positiv auf die Gesundheit auswirken. / Bild von Alexios Xirouhakis aus der Austellung "schere(s)los" der DAK-Gesundheit

Los Angeles – Diabetische Mäuse profitieren von einer speziellen Ernährung. Die Fasten-imitierende Diät (fasting mimicking diet, FMD) habe nicht nur die Blutzuckerwerte der Tiere bis zu 45 Tage gesenkt, berichten die Autoren um Valter Longo, der finanziell an L-Nutra beteiligt ist – ein Unternehmen das FMD-geeignete Produkte vertreibt. Die Ernährungsumstellung soll auch die Differenzierung zu neuen insulinproduzierenden Beta-Zellen zur Folge haben. Auf Menschen mit Diabetes könne man diese Ergebnisse nicht einfach übertragen, ist sich der Diabetologe Andreas Fritsche sicher. Die Studienergebnisse wurden in Cell publiziert (2017, DOI: 10.1016/j.cell.2017.01.040).

Seit langem ist bekannt, dass Menschen mit Diabetes-Typ-2 von einer Ernährungs­umstellung profitieren können. In der aktuellen Studie konnten die Forscher zeigen, dass Zyklen von mehrtägiger FMD in Abwechslung mit normaler Fütterung (etwa 10 Tage) in Diabetes-Typ-2- und Typ-1-Mäusen auch auf zellulärer Ebene wirkt. Ein­schränkend muss jedoch erwähnt werden, dass das hier gewählte Typ 1-Mausmodell, bei dem die Betazelle mit Streptozotocin-Gift chemisch zerstört werden, sich nur bedingt eignet, um die Pathophysiologie des Typ 1 Diabetes und Interventionen zu prüfen.

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An vier aufeinanderfolgenden Tagen erhielten die Tiere kaum Kalorien, Eiweiße und Zucker, dafür viel ungesättigte Fettsäuren. Die Diät vermochte die Diabetesentwicklung nicht nur zu verzögern. „Durch die FMD werden die Zellen anscheinend in einen Grundzustand versetzt. Bei normaler Fütterung können sich die Betazellen wieder zu insulinproduzierenden Zellen regenerieren“, fasst Susanne Klaus, Leiterin der Arbeitsgruppe Physiologie des Energiestoffwechsels am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), Potsdam-Rehbrücke die Ergebnisse zusammen.

FMD würde die Reprogrammierung der gestörten Betazellen im Pankreas von Typ 1 und Typ 2 Diabetes-Mäusen unterstützen, schreiben die Autoren um Longo. Ob sich dabei neue insulinproduzierende Zellen entwickeln oder ehemals zerstörte wieder regenerieren, kann aus den Versuchen nicht abgeleitet werden, sagte Longo dem Deutschen Ärzteblatt.

Betazellregeneration bei Menschen mit Typ 1 Diabetes?

In einer humanen Beta-Zellkultur von Typ-1-Diabetikern zeigte die vorliegende Studie ähnliche molekulare Regenerationsmechanismen wie bei den Mäusen. Dafür wurde Serum von diätierenden gesunden Menschen auf Betazellen von Typ-1-Diabetern gegeben. In dieser Zellkultur erhöhte sich unter anderem die Produktion des Transkriptionsfaktors Neurogenin-3 (Ngn3), der die Differenzierung aller endokrinen Zelltypen der Langerhans-Inseln aus den epithelialen Vorläuferzellen ankurbelt. Bei Menschen könnte ein solches Diätregime daher ebenfalls wirken, vermuten die Autoren der Studie.

Deutsche Forscher bleiben skeptisch

Diese Schlussfolgerung kann Fritsche vom Universitätsklinikum Tübingen nicht nach­vollziehen. Eine Betazellregeneration bei Menschen mit Typ 1 Diabetes sei sehr unwahrscheinlich. Beim Menschen begrenzt die Autoimmunreaktion jegliche Rege­neration. „Die Autoren hätten diese Tatsache viel klarer formulieren müssen“, kritisiert der Diabetologe.

Betazellen hätten eine nur geringe Replikationsrate bei Erwachsenen und auch die Neogenese aus Stammzellen sei selten. „Für Menschen mit Diabetes-Typ 1 bleibt daher eine Transplantation von Stammzellen, Inselzellen oder einer Bauchspeicheldrüse weiterhin die einzige Möglichkeit für funktionstüchtige Betazellen“, sagt der Experte der Deutschen Diabetes Gesellschaft dem .

Hans Hauner, Direktor des Lehrstuhls für Ernährung, Technische Universität München steht dem Studienfazit ebenfalls differenziert gegenüber: „Der Beleg, dass eine solche Kost auch bei Patienten mit Typ-1 oder Typ-2-Diabetes den Insulinmangel substanziell beseitigen oder zumindest lindern kann, steht noch aus.“ Es gebe ältere Studien, die schon gezeigt haben, dass Formula-Diäten bei Personen mit Typ-2-Diabetes die gestörte Betazellfunktion zumindest partiell und vorrübergehend deutlich verbessern könnten, ergänzt der Ernährungsmediziner.

„Da bei Typ-2-Diabetes und genauso bei Typ 1 genetische Defekte von zentraler Bedeutung sind, erwarte ich nicht, dass eine FMD, wie immer sie am Ende definiert wird, einen dauerhaften Schutz vor Diabetes geben kann oder als alleinige Diabetestherapie geeignet ist.“

Bereits im Februar zeigte das gleiche Forscherteam in einer Phase-II-Studie, dass FMD Gewicht, BMI, Körperfett, Hüftumfang und den insulinähnlichen Wachstumsfaktor IGF-1 vermindert.

Fünf Tage Fasten im Monat könnte Herz-Kreislauf-Erkran­kungen vorbeugen

Los Angeles – Eine „fasting-mimicking” Diät, die an fünf Tagen im Monat die Nahrungszufuhr auf ein Minimum beschränkt, hat in einer randomisierten kontrollierten Studie in Science Translational Medicine mehrere kardiovaskuläre Risikofaktoren vermindert. Am meisten profitierten Personen mit erhöhten Ausgangswerten.

© gie/aerzteblatt.de

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