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Ärzteschaft

Vergütung für Videosprechstunde festgelegt

Freitag, 24. Februar 2017

Berlin – Die Videosprechstunde kann ab April als Leistung der gesetzlichen Kranken­ver­si­cherung (GKV) abgerechnet werden. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband haben sich im Bewertungsausschuss auf die Vergütung verstän­digt. Beschlossen wurde auch, bei welchen Krankheitsbildern eine Videosprechstunde zur Verlaufskontrolle infrage kommt und welche Arztgruppen die Videosprechstunde ein­setzen dürfen.

Die Vergütung besteht künftig aus zwei Komponenten: Ab April gibt es für jede Video­sprechstunde einen Technikzuschlag von 4,21 Euro. Die Anzahl ist auf insgesamt 50 Mal im Quartal gedeckelt. Der Bewertungsausschuss geht nach Angaben der KBV davon aus, dass eine Kostendeckung bereits bei zwei Videosprechstunden pro Woche erreicht ist. Die Lizenzgebühren für Videodienste liegen aktuell bei etwa 100 Euro im Quartal.

Die KBV weist darauf hin, dass Videosprechstunden eine persönliche Vorstellung in der Praxis ersetzen sollen. Die Konsultation sei deshalb Inhalt der Versicherten- beziehungs­­weise Grundpauschale und somit nicht gesondert berechnungsfähig. Für Fälle, bei de­nen der Patient in einem Quartal nicht die Praxis aufsucht, wurde eine analoge Rege­lung zum telefonischen Arzt-Patienten-Kontakt vereinbart.

Ärzte können dafür einmal im Behand­lungsfall ab dem 1. April 9,27 Euro erhalten. Vo­raus­setzung ist, dass der Patient in den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens einmal in der Praxis per­sön­lich vor­stell­ig geworden ist und die Verlaufskontrolle durch die­selbe Praxis erfolgt wie die Erst­begutachtung. Diese Vorgabe ist laut KBV notwendig, weil Ärzte sonst gegen das Fern­be­handlungsverbot verstoßen könnten.

Außerdem wurde vereinbart, dass für eine Reihe von Gebührenordnungspositionen, die mindestens drei persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im Behandlungsfall voraussetzen, einer dieser Kontakte auch im Rahmen einer Videosprechstunde stattfinden kann. Dies gilt unter anderem für die Behandlung von Wunden, eines Dekubitus und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates.

Indikationen und Arztgruppen festgelegt

Für eine Videosprechstunde sind aus Sicht des Bewertungsausschusses nicht alle Krank­heitsbilder geeignet, weshalb die Leistung zunächst nur für bestimmte Indikationen vergütet wird. Dazu zählen die visuelle Verlaufskontrolle von Operationswunden, Bewe­gungseinschränkungen und -störungen des Stütz- und Bewegungsapparates sowie die Kontrolle von Dermatosen, einschließlich der diesbezüglichen Beratung. Daneben kann auch die Beurteilung der Stimme, des Sprechens oder der Sprache per Videosprech­stunde erfolgen. Eine Erweiterung des Leistungsspektrums ist vorgesehen.

Grundlage für die Festlegung der Krankheitsbilder waren laut KBV Erfahrungsberichte aus ver­schiedenen Pilotprojekten. Zudem schreibe der Gesetzgeber vor, dass Video­sprech­stun­den nur für Verlaufskontrollen bei bekannten Patienten gefördert werden sollen.

Festgelegt wurden auch die Arztgruppen, die Videosprechstunden einsetzen und ab­rech­nen können. Dies sind unter anderem Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte sowie bestimmte weitere Facharztgruppen wie Haut- und Augenärzte, Chirurgen und Orthopä­den.

Technische Rahmenbedingungen beachten

Ärzte, die Videosprechstunden anbieten wollen, müssen sich laut Vereinbarung eines Videodienstanbieters bedienen. Dieser muss über entsprechende Sicherheitsnachweise verfügen. So muss die Videosprechstunde während der gesamten Übertragung nach dem Stand der Tech­nik Ende-zu-Ende verschlüsselt sein. Festgelegt ist zudem, dass die apparative Ausstat­t­ung der Praxis und die elektronische Datenübertragung eine ange­messe­ne Kommuni­ka­­tion mit dem Patienten gewährleisten müssen.

Im E-Health-Gesetz war vorgesehen, dass Videosprechstunden ab dem 1. Juli 2017 fi­nan­ziell gefördert werden. Durch den frühzeitigen Vertragsabschluss zur Vergütung kann das neue Angebot drei Monate eher an den Start gehen. © may/EB/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Donnerstag, 2. März 2017, 23:27

Offene Fragen

Wenn ich die technischen Anforderungen sehe, dürften private Handys mit Skype etc. nicht ausreichend sicher sein, somit müßten beide Geräte (Sender und Empfänger) von der Praxis gestellt werden, was die Kosten für Anschaffung und Konfiguration auf einen Schlag verdoppelt. Auch besteht dann die logistische Herausforderung das Gerät zum Patienten zu bringen. Solange entsprechend geschultes medizinisches Personal dabei ist, z.B. bei einer Kontrolle einer Op-Wunde und einem Verbandwechsel, ist dies handhabbar. ich frage mich aber, wie alte bzw. behinderte Patienten ein fremdes Gerät mit einer fremden Software ohne externe Hilfe bedienen sollen.

Wenn ein Arzt (oder ein MVZ) mit einem Pflegedienst bei Videosprechstunden kooperiert, wer vergütet dem Pflegedienst die Assistenz? Ist das schon ein Fall für das Antikorruptionsgesetz?

Die andere große Frage ist, wer soll davon profitieren. Aus meiner Sicht sollten dies die Patienten sein, deren Mobilität stark eingeschränkt ist. Deshalb kann ich auch die Kontrolle von Dermatosen als Indikation nicht nachvollziehen. Nach SGB V gilt das Wirtschaftlichkeitsgebot. Eine Zeitersparnis für den Patienten ist zwar schön, aber kein hinreichender Grund, die Allgemeinheit damit zu belasten. Dies wäre aus meiner Sicht ein klarer Fall für die GOÄ als IGEL-Leistung. Nur bei seltenen Erkrankungen, wenn es keinen regionalen Spezialisten gibt, ist eine Videosprechstunde für mobile Patienten sinnvoll.

Aus meiner Sicht bleiben als Hauptindikationen die assistierte virtuelle Visite und der virtuelle Hausbesuch bei Patienten, die aus eigener Kraft nicht mehr in die Sprechstunde kommen können, um deren Versorgung zu verbessern und um zusätzlich unnötige Kranken­haus­auf­enthalte zu verhindern.
w.baertl
am Dienstag, 28. Februar 2017, 21:23

Vereinbarungen zur Telemedizin lächerlich und kontraproduktiv!

lächerliche Vergütung jenseits jeder Wirtschaftlichkeit, eine kaum verständliche Regulierungsbürokratie und völlig unsachgemäße Anwendungsbeispiele wie. z.B. die Kontrolle und Diagnostik von Störungen des Bewegungsapparates lassen das Projekt sterben, ehe es begonnen hat. Bestimmt werden sich einige finden, die diesen Firlefanz mitmachen - der Telemedizin als sinnvoller Ergänzung in der medizinischen Versorgung erweist man mit damit allerdings einen Bärendienst.
W.Bärtl
www.bfav.de
www.bvnf.de
Staphylococcus rex
am Montag, 27. Februar 2017, 23:57

Für wen ist diese technische Spielerei gedacht?

Aus meiner Sicht ist die Videosprechstunde sinnvoll für Patienten, denen es Mühe macht, die Sprechstunde aufzusuchen. Das sind aber eher alte Leute auf dem flachen Lande ohne die Hardware und Netzwerkinstallation für eine Videokonferenz. Das bedeutet, ein Mitarbeiter der Praxis besucht mit der entsprechenden Technik diese alten Leute zu Hause. Der Mitarbeiter der Praxis ist der verlängerte Arm des Arztes und die Videosprechstunde ist das Äquivalent eines Hausbesuches und müßte entsprechend honoriert werden. Der Versorgungsvorteil wäre hier, daß in Gegenden mit geringer Arztdichte auch an normalen Praxistagen "virtuelle Hausbesuche" gemacht werden können.

Ein anderes Szenario wäre aus meiner Sicht die "virtuelle Visite" in einer stationären Pflegeeinrichtung, um z.B. genauer abzuschätzen, ob eine Krankenhauseinweisung notwendig ist. Auch hier steht die Zeitersparnis für den Arzt in einer unterversorgten Gegend im Vordergrund. Auch hier müßte sich die Bezahlung an einem Hausbesuch orientieren.

Weder die in dem o.g. Artikel genannten Indikationen noch die vorgeschlagene Vergütung sind aus meiner Sicht überzeugend und sehen für mich eher aus wie ein Feigenblatt, um sich die Peinlichkeit einer kompletten Ablehnung zu ersparen.

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