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Medizin

Adipositas: Liraglutid kann Typ 2-Dia­betes vorbeugen

Freitag, 24. Februar 2017

dpa

London – Das Inkretin-Mimetikum Liraglutid, das die Magenentleerung hemmt und im Gehirn das Sättigungsgefühl steigert, hat in einer randomisierten Studie nicht nur das Körpergewicht von Patienten mit Prädiabetes gesenkt. Eine Nachbeobachtung im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)30069-7) zeigt, dass die Patienten auch deutlich seltener am Vollbild des Typ 2-Diabetes erkranken.

Liraglutid wurde 2009 zunächst als Antidiabetikum zugelassen. Seit 2015 kann es auch adipösen Nichtdiabetikern zur Unterstützung einer Diät verordnet werden. Grundlage der Zulassung waren die Ergebnisse der „SCALE Obesity and Prediabetes“-Studie. Dort hatten sich 3.731 Teilnehmer mit einem Body Mass Index (BMI) über 30,0 kg/m2 (oder 27 kg/m2 bei weiteren Komponenten eines metabolischen Syndroms) über 56 Wochen täglich 3,0 mg Liraglutid oder Placebo subkutan injiziert. Eine frühere Untersuchung hatte gezeigt, dass Liraglutid die Diätbemühungen wirkungsvoll unterstützte. Die Studienteilnehmer verloren im Durchschnitt 8,4 kg ihrer 106 kg Körpergewicht, während die Placebogruppe nur 2,8 kg abnahm (NEJM 2015; 373: 11-22).

Ein Team um John Wilding von der Universität Liverpool hat 2.254 Teilnehmer nach dem Ende der Studie noch zwei weitere Jahre begleitet, um den Einfluss der Behandlung auf die Neuerkrankungsrate am Typ 2-Diabetes zu untersuchen. In der Liraglutid-Gruppe wurde die Diagnose bisher nur bei 26 von 1.472 Individuen (2 Prozent) gestellt. In der Placebogruppe waren es dagegen 46 von 738 Teilnehmern (6 Prozent). Wilding ermittelt eine Hazard Ratio von 0,21, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,13 bis 0,34 hochsignifikant war: Liraglutid hatte das Erkrankungsrisiko um 79 Prozent gesenkt.

Auch ein Unterschied im Körpergewicht war weiter nachweisbar, obwohl es den Teil­nehmern nach dem Ende der Studie freigestellt war, ob sie weiter Liraglutid injizieren möchten. Nach 160 Wochen wogen sie weiter 6,1 Prozent weniger als vor Beginn der Studie. In der ehemaligen Placebogruppe betrug der Gewichtsverlust 1,9 Prozent.

Liraglutid könnte deshalb bei Menschen mit einem Prädiabetes (neuerdings auch Borderline-Diabetes genannt) das Fortschreiten der Stoffwechselstörung hinauszögern. Die dafür notwendigen täglichen Injektionen setzen allerdings eine hohe Motivation bei den Betroffenen voraus. © rme/aerzteblatt.de

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