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Lungenexperte mahnt: Zahl der Kranken durch schlechte Stadtluft steigt

Montag, 27. Februar 2017

/dpa

Berlin – Mit dem Rauchen kann man aufhören. Atmen muss man. Und wenn mit jedem Atemzug ultrafeine Staubpartikel oder Schadstoffteilchen in die Lunge dringen, sind Tau­sende Menschen bedroht. Ein Experte mahnt, dass die Zahl schwerer Lungen- und Herz­erkrankungen durch die schlechte Luft in den Städten immer weiter steigen wird. Bedroht von Feinstaub und Stickoxiden aus Autoabgasen seien vor allem Anwohner stark belas­teter Straßen, die ohnehin schon Gesundheitsprobleme haben.

„Die Schadstoffe lösen in erste Linie eine Entzündung aus – und verstärken bereits be­stehende Erkrankungen der Lunge oder des Herz-Kreislauf-Systems“, erklärte Christian Witt, Leiter des Arbeitsbereichs Ambulante Pneumologie der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité Berlin. 340.000 Deutsche lebten an belasteten Straßen, mehrere Studien gingen von rund 73.000 vorzeitigen Todesfällen durch Luftverschmutzung aus. Europaweit seien es eine halbe Million – Kinder, Ältere, Kranke.

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Allein schon dadurch, dass die Menschen weiter in die Städte ziehen, und dass sie heute vergleichsweise alt werden, seien immer mehr Städter von den Schadstoffen bedroht. „Wir haben immer mehr kranke Alte und ganz viele in der Stadt“, sagte Witt. „Der Anteil derer, denen das alles schadet, wird größer.“ Ob Feinstaub und Stickoxide auch Gesun­de krank machen können, sei noch nicht geklärt.

Die grün-schwarze Landesregierung hatte am Dienstag angekündigt, ab 2018 Fahrver­bo­te für viele Dieselautos anzuordnen, wenn die Luftwerte in Stuttgart nicht besser wer­den. Anlass waren Gerichtsentscheidungen verschiedener deutscher Gerichte, Strafzah­lun­gen an die EU drohen.

„Je kleiner die Partikel sind, umso tiefer können sie in die Lunge eindringen“, erklärte Witt. Die ganz kleinen Teilchen könnten auch im Blut auftauchen, was zu Gefäßver­en­gung führen könne. Nicht nur Asthma, sondern auch Allergien könnten so verstärkt wer­den. „In verschiedenen Studien gibt es auch Signale für mehr Lungenkrebs“, berichtete der Experte.

„Es sind nicht mehr vor allem die alten Raucher, die wir als Lungenkrebs­pa­tienten haben.“ Die Luftverschmutzung sei der weltweit viertgrößte Risikofaktor, gleich nach dem Rauchen. Tendenz: steigend. Hinzu komme der Klimawandel. „In den Städten wird es heißer und trockener, damit steigt die Belastung, und wir werden mehr Leute mit Symptomen haben.“ © dpa/aerzteblatt.de

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