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Ausland

432 Millionen Euro für Soforthilfe in der Tschadseeregion

Freitag, 24. Februar 2017

Gespräche in Oslo (v.l.): UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien, Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der norwegische Außenminister Børge Brende und der nigerianische Außenminister Geoffrey Onyeama. /dpa

Oslo – Bei einer Geberkonferenz für Nigeria und die Länder um den Tschadsee sind heute 457 Millionen US-Dollar (432 Millionen Euro) für Soforthilfe zusammengekommen. Das ist ein Drittel dessen, was die Vereinten Nationen für nötig halten, um die huma­nitäre Krise in der Region in diesem Jahr zu bewältigen.

UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Bri­en sprach von einem großen Erfolg. Er erwartet, dass noch weitere Länder spenden wer­den, wenn sie ihren Haushalt beschlossen haben. Bislang haben 14 Länder zuge­sagt, über den Zeitraum von drei Jahren insgesamt 672 Millionen US-Dollar bereitstellen zu wollen. Die USA sind nicht dabei.

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Die Geberkonferenz wurde von Norwegen, der Bundesregierung, Nigeria und den Ver­ein­ten Nationen ausgetragen. Norwegens Außenminister Børge Brende sagte, der Kon­flikt mit der islamistischen Terrororganisation Boko Haram und der Klimawandel hätten zu großem Hunger in der Region geführt. „10,7 Millionen Menschen benötigen unmittelbar humanitäre Hilfe.“ Drei Millionen Kinder könnten nicht zur Schule gehen.

Deutschland verspricht 120 Millionen Euro

„Die Menschen brauchen unsere Hilfe, und sie brauchen sie jetzt“, sagte Bundesaußen­minister Sigmar Gabriel. Deutschland werde in den nächsten drei Jahren 120 Millionen Euro zur Verfügung stellen. 20 Millionen davon sollen für Maßnahmen eingesetzt werden, die zur Vorbeugung und Stabilisierung in der Region beitragen. Das könnte die Stärkung der lokalen Polizei und der Grenzkontrollen sein oder auch die Unterstützung der regio­na­len Regierungen. „Wir müssen Wege finden, um den Kreislauf von Terror, Vertreibung und Armut zu unterbrechen“, sagte Gabriel.

Wolfgang Tyderle von der Hilfsorganisation Care stimmte dem zu. „Die Menschen müss­en die Mittel bekommen, um sich selbst zu helfen.“ Damit man sie wieder in ihre Heimat zurückschicken könne, müssten Schulen, Wasserversorgung, Infrastruktur und Gesund­heitsversorgung gewährleistet sein. Die eingesammelte Summe hält Tyderle allerdings für zu gering.

Nigerias Außenminister Geoffrey Onyeama bedankte sich für die internationale Solida­rität. „Vor unseren Augen spielt sich eine enorme Tragödie ab“, sagte er. Es sei wichtig, dass sich die internationale Gemeinschaft des Ausmaßes bewusst werde. Auch er beton­te, wie wichtig es sei, die Bildung der Kinder im Blick zu haben. Kinder, die keine Ausbil­dung bekommen und damit keine Hoffnung haben, könnten für extremistische Ideologien empfänglicher sein.

In der Tschadsee-Region werde der Kampf gegen die Islamistengruppe Boko Haram „gegenüber allem anderen als prioritär angesehen“, sagte Natalie Roberts von der Or­ganisation Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation sieht die medizinische Lage in der Re­gion als „die schlimmste in der Welt“ an. Einige Regionen seien nur mit dem Hub­schrau­ber zu erreichen.

„Wenn wir mit dem Problem Boko Haram umgehen, sollten wir auch über das darun­ter­liegende Problem nachdenken – die Armut“, sagte Ahmed Shehu, ein Vertreter der Zivil­gesellschaft aus Nordost-Nigeria. Auch ein zweiter Aspekt werde unterschätzt, der Klima­wandel. Der Tschadsee sei innerhalb weniger Jahrzehnte zu 90 Prozent ausge­trocknet.

Die Veranstalter der Konferenz in Oslo setzten sich das Ziel, 1,4 Milliarden Euro an Hilfs­geldern zusammenzubekommen. Boko Haram kämpft im mehrheitlich muslimischen Nord­osten Nigerias seit Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats. Inzwi­schen ist die Miliz auch in den Nachbarländern Niger, Tschad und Kamerun aktiv.

Seit 2009 wurden mehr als 20.000 Menschen getötet und mehr als 2,6 Millionen weitere in die Flucht getrieben. Ausrichter der Geberkonferenz in Oslo sind neben Norwegen und Deutschland auch Nigeria und die Vereinten Nationen. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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