Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Standard-MRT für Patienten mit Herz­schrittmacher/ICD sicher

Sonntag, 26. Februar 2017

dpa

La Jolla – Kernspintomographien (MRT) sind unter bestimmten Voraussetzungen auch bei Patienten von nicht MRT-fähigen Herzschrittmachern und implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) sicher. Zu diesem Schluss kommt die Auswertung eines prospektiven Patientenregisters im New England Journal of Medicine (2017; 376: 755-764).

Herzschrittmacher und ICD sind elektronische Hightech-Produkte, die empfindlich auf äußere elektromagnetische Felder reagieren. Als ungeeignet gelten alle Geräte, die magnetische Bauteile enthalten. In den letzten Jahren wurden zwar MRT-fähige Geräte eingeführt. Die meisten heutigen Patienten haben jedoch Herzschrittmacher oder ICD, die als nicht geeignet gelten.

Wie groß die Risiken sind, wenn bei diesen Patienten dennoch eine MRT notwendig wird, hat das MagnaSafe Registry untersucht, an dem sich Radiologen aus 19 US-Zentren beteiligten. Das Register wurde von der FDA genehmigt und teils von der Hewitt Foundation for Medical Research, teils von den Herstellern finanziert.

Eingeschlossen waren nur Patienten mit einer MRT-Untersuchung, die den Thorax nicht einschloss. Dies sind häufig MRTs von Gelenken, Extremitäten, Gehirn, Becken, Lenden­­wirbelsäule oder Untersuchungen beim Zervixkarzinom. Die Untersuchungen wurden mit Standardgeräten mit einer Leistung von 1,5 Tesla durchgeführt. Vor der Untersuchung wurden die Geräte ausgelesen und alle therapeutischen Funktionen ausgeschaltet. Nach der MRT wurde die Funktion von Herzschrittmacher und ICD erneut überprüft.

Robert Russo vom Scripps Research Institute in La Jolla/Kalifornien und Mitarbeiter haben die Ergebnisse von 1.500 Untersuchungen ausgewertet. Darunter waren 1.000 Untersuchungen an Patienten mit einem nicht-MRT-fähigen Herzschrittmacher und 500 Untersuchungen bei Patienten mit ICD.

Bisher sind laut Russo keine Todesfälle, keine Ausfälle von Kabeln oder Störungen der Aufzeichnungsfunktion oder ventrikuläre Arrhythmien aufgetreten. Nur ein ICD konnte nach der MRT nicht mehr ausgelesen werden. Er wurde daraufhin ausgetauscht. Es stellte sich dann laut Russo heraus, dass das Gerät vor der MRT nicht entsprechend des Protokolls programmiert worden war. 

Bei vier Patienten kam es während oder kurz nach der Untersuchung zu einem Vorhofflimmern, bei zwei weiteren zu einem Vorhofflattern. Fünf dieser Patienten hatten ein paroxysmales Vorhofflimmern und wurden deshalb mit Warfarin behandelt. Bei drei der sechs Patienten kam es noch in der MRT-Abteilung wieder spontan zum Sinus­rhythmus, bei den anderen drei war dies innerhalb der nächsten 49 Stunden der Fall.

Bei sechs Patienten kam es während der Untersuchung zu einem partiellen elektrischen Reset des Geräts. Die im Gerät gespeicherten Daten gingen verloren. Diese Kompli­kation trat laut Russo ausschließlich bei älteren Geräten auf, die vor 5,7 bis 9,7 Jahren implantiert worden waren. 

Bei einigen Geräten kam es zu technischen Störungen in den Geräten, die die Funktion jedoch nicht unmittelbar beeinträchtigten. Dies waren Änderungen in der Leitungs­impedanz, der Aktivierungsschwelle, der Batteriespannung oder der P- oder R-Wellen­amplituden. Klinische Folgen für die Patienten hatte dies laut Russo nicht. 

Einige Patienten haben sich mehreren MRTs unterzogen (Träger von Herzschrittmacher bis zu elfmal, ICD-Träger bis zu siebenmal), ohne dass dies laut Russo zu einem Anstieg der technischen Störungen geführt hat.

Das Fazit fällt insgesamt positiv aus. Patienten mit einem nicht-MRT-fähigen Herz­schrittmacher könnten durchaus mit einem Gerät von 1,5 Tesla untersucht werden, wenn die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie in der Studie getroffen würden. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17.05.17
Ovar aus dem 3D-Drucker erhält Fertilität von Mäusen
Chicago – US-Forscher haben mit einem 3D-Drucker ein künstliches Ovar aus Gelatinefäden hergestellt, das nach der Besiedelung mitFollikeln und einer Implantation bei Mäusen die Hormonfunktion des......
15.05.17
Hamburg – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird die Anschaffung von fünf Kryo-Elektronenmikroskopen für das Centre for Structural Systems Biology (CSSB) in Hamburg mit 15,6 Millionen Euro......
10.05.17
Zeiss Meditec sucht Expansions­möglichkeiten
Jena – Laser und künstliche Linsen zur Behandlung von Sehfehlern haben dem Jenaer Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec im ersten Geschäftshalbjahr weiteres Wachstum beschert. Der Umsatz stieg,......
25.04.17
Künstliche Intelligenz unterstützt Ärzte bei  Auswertung von Röntgenbildern
Philadelphia – Computer könnten Radiologen in Zukunft bei der Auswertung von Röntgenbildern unterstützen. Ein künstliches neuronales Netzwerk, eine Variante des maschinellen Lernens, hat in einer......
13.04.17
New York – Apple arbeitet einem Medienbericht zufolge seit mehreren Jahren an einer neuen Technik zur Blutzuckermessung für Diabetespatienten. Wie der Sender CNBC heute unter Berufung auf drei nicht......
07.04.17
Berlin – Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat in einem Zehn-Punkte-Plan zur Bundestagswahl eine neue Innovationskultur, die sich stärker an den Patientenbedürfnissen orientiert, gefordert.......
06.04.17
Tuttlingen – Unter anderem der Preisdruck im Gesundheitswesen macht dem Medizingerätehersteller Aesculap weiter zu schaffen. Dieser sei vor allem bei Implantaten und Stents spürbar, sagte......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige