Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Uni Münster entzieht Medizinern Doktortitel

Montag, 27. Februar 2017

/dpa

Münster – Nach dem dem Bekanntwerden zahlreicher Plagiats-Verdachtsfälle an der Uni­versität Münster hat die Hochschule Konsequenzen gezogen. In acht Fällen sei Medizi­nern wegen Abschreibens ihr Doktortitel entzogen worden, sagte ein Universitäts­spre­cher. In 14 weiteren Fällen gab es eine Rüge für Mängel bei der wissenschaftlichen Ar­beit. Einem Betreuer von Doktorarbeiten wurden zudem nach dem Nachweis von zwei Pla­giatsfällen Finanz- und Personalmittel bis auf die Grundausstattung gestrichen. Die Universität wirft dem Doktorvater „schweres wissenschaftliches Fehlverhalten“ vor. Zuerst hatten die Westfälischen Nachrichten über die Konsequenzen berichtet.

Die Internetplattform Vroni-Plag hatte die Westfälische Wilhelms-Universität Münster vor knapp drei Jahren mit einer auffälligen Häufung von Verdachtsfällen konfrontiert. Jetzt sei die Aufarbeitung der Plagiatsfälle an der medizinischen Fakultät abgeschlossen, sagte der Sprecher. Die im Mai 2014 eingesetzte Untersuchungskommission habe alle Fälle un­tersucht und dem zuständigen Fachbereichsrat einen Vorschlag unterbreitet, sagte Spre­cher Norbert Robers. Die Untersuchungskommission war auch mit externen Exper­ten besetzt. Die Hochschule wollte mit diesem Schritt jeden Verdacht auf Befan­genheit ausschließen.

Nicht alle der untersuchten Fälle, die bis ins Jahr 2005 zurückreichen, sind rechtskräftig. Am Verwaltungsgericht Münster sind Klagen gegen den Entzug von Doktortiteln anhän­gig. Bei den anderen Fällen sollen in den Bibliotheken ausliegende Dissertationen mit einem Stempel über den Titelentzug gekennzeichnet werden. „Es wird auch konkret über­prüft, ob die Mediziner ihre Titel zum Beispiel am Praxisschild noch nutzen“, so die Auskunft der Uni Münster. Ein hartes Vorgehen gegen Plagiate liege im Interesse der ge­samten Wissenschaft und der ehrlichen Promovierenden, sagte Rektor Johannes Wess­els. An der Uni mit rund 44.000 Studenten werden in jedem Jahr rund 770 Doktor­ar­bei­ten geschrieben.

Als Lehre aus den Plagiatsfällen hat der Fachbereich Medizin beispielsweise die Bera­tung der Doktoranden intensiviert und eine neue Promotionsordnung verabschiedet, in der sich die Doktoranden und Doktorväter zu einer intensiven Zusammenarbeit ver­pflich­­ten. „Das sind wichtige Signale an die Kandidaten“, sagte Robers. Dissertationen müss­ten auch digital abgegeben werden, damit die Uni die Arbeiten besser auf kopierte Stell­en untersuchen könne. Außerdem sei die Hochschule ständig auf der Suche nach bes­se­rer Software, um die eingereichten Arbeiten auf Plagiate abklopfen zu können.

Nach einer Reihe von Titelentzügen bei Prominenten wie den Politikern Karl-Theoder zu Guttenberg (CSU, Uni Bayreuth) im Jahr 2011 und Annette Schavan (CDU, Uni Düssel­dorf) 2013 hatte Vroni-Plag die Uni Münster im Mai 2014 mit 23 Fällen aus der Medizin konfrontiert. Bereits im Mai 2013 entzog die Uni Münster zwei Juristen die Titel. © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Staphylococcus rex
am Montag, 27. Februar 2017, 23:33

Der Fisch fängt vom Kopf her an zu stinken

Die Qualität einer Doktorarbeit kann nur so gut sein wie die Betreuung durch den jeweiligen Doktorvater. Nicht umsonst erlauben die Promotionsordnungen zahlreicher Unis die Einreichung von Publikationen als Doktorarbeit unter der Annahme, daß bei einer Publikation in einem ordentlichen Journal die Anforderungen an eine Promotion automatisch mit erfüllt sind. Dies könnte man auch als Qualitätsindikator nutzen, bei einem guten Doktorvater werden (zumindest nachträglich) zahlreiche Doktorarbeiten publiziert, bei einem schlechten Doktorvater entsprechend nur sehr wenige. Und wenn bei einem wissenschaftlichen Mitarbeiter die Quote an betreuten und publizierten Promotionen über Jahre sehr gering ist, dann lohnt es sich dort genauer nachzusehen. Zu einem Plagiat oder auch zu einfach nur schlechten Doktorarbeit gehören immer zwei: einer, der sie kopiert oder geschrieben hat und einer, der sie durchgewunken hat.
Adolar
am Montag, 27. Februar 2017, 20:30

Viel Lärm um nicht viel

Wenn man sich die Thematik bei medizinischen Dissertationen so ansieht, erheben sich generelle Zweifel, ob diese Arbeiten die Wissenschaft und Forschung tatsächlich voranbringen. Und das sollten sie ja eigentlich. Es geht doch nur um die zwei Buchstaben, sonst eigentlich nichts. Diese Kompilots besagen über ärztliche Befähigungen meistens garnichts.

Nachrichten zum Thema

25. Mai 2018
Berlin – Die Hochschulen in Deutschland stehen „Open Science“ grundsätzlich offen gegenüber, entsprechende Konzepte sind jedoch noch nicht breit verankert. Das berichten der Stifterverband für die
„Open Science“ an deutschen Hochschulen noch nicht verankert
23. Mai 2018
Cambridge/Passau – Wer seine Studienresultate noch vor der Publikation der Öffentlichkeit präsentiert, riskiert damit, anderen konkurrierenden Forschern einen Vorteil zu verschaffen. Dennoch
Nicht alle Wissenschaftler teilen ihre Ergebnisse schon vor der Publikation
7. Mai 2018
Berlin – Fachartikel von Berliner Forschern sollen Interessierte zunehmend kostenfrei im Internet finden. Autoren fast jeder dritten Publikation wählten 2016 diesen Weg, wie die Berliner Senatskanzlei
Knapp jeder dritte wissenschaftliche Artikel frei zugänglich
20. April 2018
Freiburg – Die Betaversion der neuen Cochrane Library ist online. Darauf hat Gerd Antes von der Cochrane-Deutschland-Stiftung, Universitätsklinikum Freiburg, jetzt hingewiesen. Die Vorschau ermöglicht
Betaversion der neuen Cochrane Library verfügbar
9. März 2018
Mainz/Lübeck/Köln – Zwischen 2006 und 2016 ist die Zahl der publizierten clusterrandomisierten Studien (CRT) stetig gestiegen. Die Autoren einer Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt berichten über
Fehler bei clusterrandomisierten Studien vermeiden
24. Januar 2018
Köln – Eine neue digitale Sammlung zur Medizingeschichte hat die ZB Med – Informationszentrum Lebenswissenschaften vorgestellt. Die Sammlung enthält medizinhistorische Werke und weitere Quellen, die
ZB Med stellt digitale Sammlung zur Medizingeschichte vor
23. Januar 2018
Berlin/Köln – Ein Autorenteam des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) betont im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl 2018; 115(3): A-70) die besondere Bedeutung

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige