Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Hautärzte empört über Vergütung der Videosprechstunde

Dienstag, 28. Februar 2017

/dpa

Berlin – Ab April kann die Videosprechstunde zulasten der gesetzlichen Kranken­ver­si­cherung (GKV) abgerechnet werden. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spit­­­zen­ver­band hatten sich jüngst im Bewertungsausschuss auf die Vergütung ver­ständigt. Hef­ti­ge Kritik an dem Ergebnis kommt nun vom Berufsverband der Deutschen Der­ma­tologen (BVDD).

Der BVDD kritisierte heute, die neue Videosprechstunde werde „ohne ärztliche Vergü­tung“ Leistung der GKV und warnte „vor einem verheerenden Signal für die Nutzung von neuen Medien in der ambulanten Medizin“. Der Verband machte deutlich, dass die ge­plan­te Technikpauschale in Höhe von rund 200 Euro pro Arzt und Quartal viel zu gering ist. Zur Erinnerung: Ab April gibt es für jede Videosprechstunde, auch mehrmals im Be­hand­lungsfall, einen Technikzuschlag von 4,21 Euro. Die Anzahl ist auf 50 Mal im Quartal ge­deckelt.

Für Fälle, bei denen der Patient in einem Quartal nicht die Praxis aufsucht, wur­de eine analoge Regelung zum telefonischen Arzt-Patienten-Kontakt vereinbart. Ärzte können dann zusätzlich einmal im Behandlungsfall 9,27 Euro erhalten. Der Patient muss in den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens einmal in der Praxis persönlich vor­stellig geworden sein und die Verlaufskontrolle muss durch dieselbe Praxis erfolgen wie die Erstbegutachtung.

Der BVDD bemängelt, dass von den zusätzlich möglichen 200 Euro pro Quartal für eine Arztpraxis über den Technikzuschlag nicht nur der Dienstanbieter für die Videoplattform honoriert werden müsse. Notwendig seien auch Investitionen in die Technik der Praxis und ein enormer büro­krati­scher Aufwand wie Aufklärung der Patien­ten, Schulungen und Abstimmung auf Termin­kalender und Praxisabläufe. Nicht zuletzt müsse der Arzt für die im Rahmen der Video­sprechstunde erhobenen Befunde und die daraus resultierenden Empfehlungen die Haftung übernehmen, ohne dass es dafür bisher belastbare Grund­lagen gebe.

„Es gehört schon eine gehörige Portion Igno­ranz und Arroganz dazu, diejenigen im Sys­tem, die Versorgung mitgestalten wollen und Lösungen für die drängenden Probleme der Demografie und der Landarztflucht an­bie­ten, derart vor den Kopf zu stoßen“, schreibt der Berufsverband.

Die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen habe sich mit dieser Posse von einer zu­kunfts­orientierten Problem­lö­sung verabschiedet. „Man darf gespannt sein, wie lange sich der Gesetzgeber, der eine bessere Versorgung von gesetzlich Kran­kenversicherten durch Telemedizin fordert, die­se Farce weiter bieten lässt“, resümierten die Hautärzte.

© may/EB/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Emuel
am Donnerstag, 2. März 2017, 00:06

Telemedizin - Selber schuld, wer mitmacht

Telemedizin ist der Ausverkauf von qualifizierter Leistung, oder der Verkauf unqualifizierter Leistung. Wer mitmacht ist selber schuld und kleine Fächer, wie die HNO schaffen sich ab, bzw. werden vom Berufsverband, der zum Mitmachen einlädt, abgeschafft. Ein Beispiel: "in den Hals gucken" online: Tonsillitis, nehmen Sie ein Antibiotikum. Befund beim Facharzt: Tonsillen-Carcinom. Gratuliere, Politik der Geiz-ist-geil-Politiker und Berufspolitiker.
Wer nicht weitblickt, erlaubt seine Abschaffung und die Entwertung seines Fachwissens. Glaubt da wirklich jemand an Vergütung, Verbesserung der Versorgung, alles zum Wohl des Patienten. Blauäugigkeit der Mangelversorgung! Armes Deutschland.

Nachrichten zum Thema

19.10.17
Honorarumsätze der niedergelassenen Ärzte regional unterschiedlich
Berlin – Der durchschnittliche Honorarumsatz je niedergelassenen Arzt beziehungsweise Psychotherapeut ist im Jahr 2015 gegenüber 2014 um 1,2 Prozent oder 2.576 Euro auf 211.892 Euro gestiegen. Das......
19.10.17
Ärzte fordern intelligente Patientenakte und wollen bei Tests mitreden
Dortmund – Die vernetzte elektronische Patientenakte (ePA) ist derzeit als wesentliche Komponente der Digitalisierung des Gesundheitswesens ein viel diskutiertes Thema. Wesentliche Fragen zur......
18.10.17
Internetbasierte Akzeptanz- und Commitment-Therapie reduziert Schmerzen
Freiburg – Chronische Schmerzen akzeptieren – das lernen Patienten bei einer onlinebasierten Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Der Ansatz kann Schmerzen reduzieren und führt gleichzeitig zu......
16.10.17
Wissenschaftliche Nutzung von Gesundheitsdaten: Plädoyer für Bund-Länder-Staats­vertrag
Kiel – Die rasante Zunahme und Verbreitung digitaler Gesundheitsdaten bietet große Chancen, aber auch Risiken für die medizinische Forschung. In Deutschland fehlt unter anderem aufgrund der föderalen......
16.10.17
Ärger um Praxisausweis
Berlin – Damit Praxen ein Teil der neuen Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) werden können, benötigen Ärzte neben Konnektor, Kartenterminal und VPN-Zugangsdienst vor allem den Praxisausweis (SMC-B). Dieser......
13.10.17
Das „Wie“ der Telemedizin ist entscheidend
Berlin – Telemedizin soll den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt ergänzen und nicht ersetzen. Dies war ein Fazit des Symposiums „Selbstbestimmung, Sicherheit, Gerechtigkeit – Perspektiven einer Ethik......
13.10.17
Praxisinfo zum Versichertenstamm­datenmanagement
Berlin – Um Ärzte und Psychotherapeuten den Umgang mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) zu erleichtern, hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine neue Praxisinformation......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige