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Medizin

Ovarialkarzinom: Engmaschiger CA125-Test könnte Früherkennung bei genetischem Risiko ermöglichen

Dienstag, 28. Februar 2017

dpa

Boston/London – Eine engmaschige Kontrolle des Tumormarkers CA125 im Blut könnte für Frauen mit genetisch erhöhtem Risiko auf ein Ovarialkarzinom eine Alternative zur prophylaktischen Operation sein. Dies zeigen zwei Studien, die in Clinical Cancer Research (2017; doi: 10.1158/1078-0432.CCR-15-2750) und im Journal of Clinical Oncology (2017; doi: 10.1200/JCO.2016.69.9330) veröffentlicht wurden.

Der Tumormarker CA125 ist seit längerem als Screening-Instrument zur Früherkennung des Ovarialkarzinoms in der Diskussion. Doch ein Nutzen konnte weder in der japa­nischen SCSOCS-Studie, der US-amerikanischen PLCO-Studie und zuletzt auch nicht in der britischen UKCTOCS-Studie gezeigt werden.

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Besonders wichtig wäre die Früherkennung für Frauen, die aufgrund von BRCA1- oder BRCA2-Mutationen oder einem aus anderen Gründen deutlich erhöhten Lebens­zeitrisiko auf den Tumor haben. Da der Tumor im Frühstadium asymptomatisch ist und relativ früh metastasiert, wird diesen Frauen derzeit zur frühzeitigen Entfernung der Eierstöcke geraten. Die Operation ist zwar sicher, sie ist aber auch mit einer vorzeitigen Menopause verbunden. Es wäre deshalb wünschenswert, die Operation auf Frauen zu beschränken, die bereits an einem Krebs im Frühstadium erkrankt sind. 

Zwei Studien aus den USA und aus Großbritannien haben jetzt einen neuen Anlauf auf ein Screening unternommen. Kern ist der sogenannte ROCA-Test (Risk of Ovarian Cancer Algorithm), den Steven Skates vom Massachusetts General Hospital in Boston zusammen mit Ian Jacobs vom University College London entwickelt hat. Der Test beruht auf einer engmaschigen Kontrolle der CA125-Konzentration und bewertet die zeitliche Veränderung bei jeder Frau einzeln. Im Fall einer auffälligen Entwicklung des CA125-Wertes schloss sich in beiden Studien eine vaginale Ultraschalluntersuchung an, von derem Ergebnis dass die Entscheidung zur Operation abhängig gemacht wurde.

Skates hat in Clinical Cancer Research die Ergebnisse aus mehreren Studien ausgewertet. Darunter war die Studie des US-National Cancer Institutes (Cancer Genetics Network), die zwischen 2001 und 2011 an 25 US-Standorten 2.359 Frauen gescreent hatte. Weitere 1.459 wurden von der Gynecologic Oncology Group (GOG) zwischen 2003 und 2006 an 112 Standorten in den USA und Australien gescreent. Die Teilnehmerinnen der Studien hatten entweder BRCA1- oder BRCA2-Mutationen oder eine auffällige Familienanamnese. In beiden Studien wurde der CA125-Bluttest alle drei Monate wiederholt.

Unter den über 3.800 Teilnehmern in beiden Studien wurden 19 maligne Ovarialtumore entdeckt. Zehn Fälle wurden während des Screenings diagnostiziert, die anderen neun Erkrankungen wurden während einer präventiven Chirurgie entdeckt.

Von den zehn durch das Screening entdeckten Karzinomen, wurden vier schon bei der ersten Untersuchung entdeckt. Bei den anderen sechs Tumoren war der erste CA125-Wert unauffällig. Da der ROCA-Test einen unauffälligen ersten Test voraussetzt, flossen nur diese sechs Tumore in die Auswertung ein. Fünf der sechs Tumore wurden durch den ROCA-Test erkannt. Dies ergibt eine Sensitivität von über 80 Prozent für die Früherkennung. Jeder zweite Tumor wurde in einem Frühstadium entdeckt, in dem eine Operation zur Heilung führt.

Jacobs hat im Journal of Clinical Oncology noch einmal die Ergebnisse der UKCTOCS-Studie ausgewertet. An der Studie hatten in 42 Zentren 4.348 Frauen teilgenommen, deren Lebenszeitrisiko auf ein Ovarial- oder Eileiterkarzinom auf über 10 Prozent geschätzt wurde. In der UKCTOCS-Studie war der CA125-Wert alle vier Monate bestimmt worden.

In dieser Studie wurden 19 Karzinome entdeckt, davon 13 durch das Screening. Die anderen sechs Tumore wurden bei der präventiven Chirurgie identifiziert. Von den 13 beim Screening entdeckten Karzinomen waren fünf in den Stadien I oder II, in denen eine Operation gute Heilungschancen hat. Von den sechs „okkulten“ Tumoren waren fünfen in den beiden frühen Stadien. 

Jacobs gibt die Sensitivität mit 94,5 Prozent, den positiven Vorhersagewert mit 10,8 Prozent und den negativen Vorhersagewert mit 100 Prozent an. 

Obwohl in beiden Studien einige Ovarialkarzinome nicht rechtzeitig erkannt wurden, halten beide Autoren das engmaschige Screening für effektiv und empfehlen es für Frauen, die eine bilaterale Salpingo-Oophorektomie ablehnen oder auf einen Zeitpunkt nach der natürlichen Menopause verschieben wollen. 

Den Autoren ist dabei bewusst, dass die Studien nicht darauf angelegt waren, eine Senkung der Mortalität durch das Screening zu belegen. Die US-Arzneibehörde FDA hatte zuletzt im September 2016 das CA125-Screening mit dem ROCA-Test abgelehnt und die betroffenen Frauen daran erinnert, dass allein eine frühzeitige Operation sie vor einer tödlichen Krebserkrankung schützen könne. © rme/aerzteblatt.de

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