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Medizin

Subduralhämatom: Risiko durch antithrombotische Medikamente variiert

Mittwoch, 1. März 2017

/fotolia

Odense – Mit der steigenden Verordnung von antithrombotischen Medikamenten hat auch die Zahl der Subduralhämatome zugenommen. Eine Studie aus Dänemark im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 317: 836-846) dokumentiert die Entwicklung der letzten Jahre. Sie zeigt auch, dass das Gefahrenpotenzial der einzelnen Wirkstoffe sich stark unterscheidet.

Seit den 1980er Jahren steigt in Europa und Nordamerika die Zahl der Menschen, die wegen eines Subduralhämatoms im Krankenhaus behandelt werden müssen. Als Auslöser wurde längst die zunehmende Verordnung von antithrombotischen Medika­menten ausgemacht. Zu ihnen gehören Antithrombzytenmedikamente wie ASS und Clopidogrel ebenso die Vitamin-K-Antagonisten Marcumar/Warfarin oder die in den letzten Jahren eingeführten direkten oralen Antikoagulanzien Dabigatran, Rivaroxaban oder Apixaban. Die Gefahr einer Subduralblutung spricht nicht gegen den Einsatz dieser Substanzen. Er macht jedoch in jedem Fall eine Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Dazu gehört auch der Vergleich zu den Risiken der einzelnen Substanzen.

Die notwendigen Zahlen lassen sich am leichtesten in Skandinavien erheben, wo jeder Einwohner eine zentrale Identifikationsnummer hat, die in unterschiedlichen Registern verwendet wird. Für die Studie hat David Gaist von der Universität von Süddänemark in Odense Daten aus dem Nationalen Patienten-Register, das die Behandlungsgründe im Krankenhaus speichert und das Nationale Register für Arzneimittelverordnungen analysiert. 

Der Neurologe stellte die Arzneimittelverordnungen von 10.010 erwachsenen Patienten, die zwischen 2000 und 2015 wegen eines Subduralhämatoms im Krankenhaus behandelt wurden, den Arzneimittelverordnungen von 400.380 Personen aus der allgemeinen Bevölkerung gegenüber, die keine subdurale Blutung erlitten hatten.

Erwartungsgemäß war das Risiko für Patienten, die niedrig dosiertes Aspirin einge­nommen hatten, nur leicht erhöht. Gaist ermittelte eine Odds Ratio von 1,24, die aber mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,15 bis 1,33 signifikant war. Bei Clopidogrel betrug die Odds Ratio bereits 1,87 (1,57-2,24).

Für orale Antikoagulanzien war das Risiko wesentlich höher. Für Vitamin-K-Antagonisten ermittelte Gaist eine Odds Ratio von 3,69 (3,38-4,03). Diese Patienten erlitten also fast vierfach häufiger als andere Menschen ein Subduralhämatom. Für die direkten oralen Antikoagulanzien, die immer häufiger als Ersatz für die Vitamin-K-Antagonisten eingesetzt werden, war das Risiko nur um den Faktor 1,73 (1,31-2,28) erhöht.

Besonders problematisch ist die Kombination von Vitamin-K-Antagonisten mit einem Antiplättchen-Wirkstoff. Gaist ermittelt eine Odds Ratio von 4,00 (3,40-4,70) bei der Kombination von Vitamin-K-Antagonisten mit Clopidogrel kam es sogar fast achtfach häufiger zur subduralen Blutung: Odds Ratio 7,93 (4,49-14,02). © rme/aerzteblatt.de

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stoppelmi
am Montag, 6. März 2017, 16:35

Subduralhämatom durch AK

Tolle Arbeit, mit der das Risikos eines SDH quantifizierbar ist. Dadurch steht für mich als Neurochirurgen auch endlich ein hartes Kriterium zur Verfügung, mit dessen Hilfe eine Risikoabwägung möglich ist und womit die Frage der Substanzwahl nach Therapie eines SDH eine Diskussionsgrundlage hat.
Übrigens auch für gutachterliche Fragestellungen äußerst interessant.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 2. März 2017, 16:02

Vorteile der DOAK/NOAKS!

Die JAMA-Publikation vom 28.2.2017 "Association of Antithrombotic Drug Use With Subdural Hematoma Risk" von David Gaist et al. beschreibt eine reine A s s o z i a t i o n und keine Kausalität!

Dies wird auch bei der Erläuterung der Bedeutung dieser Studienergebnisse wiederholt: "Meaning - The increased incidence of subdural hematoma was associated with increased use of antithrombotic drugs, especially use of a vitamin K antagonist."

Nichtsdestotrotz ist besonders bemerkenswert: Die Wahrscheinlichkeit eines Subduralhämatoms unter Vitamin-K-Antagonisten ist mit einer Odds Ratio von 3,69 (3,38-4,03) als gefährliche Risiken und Nebenwirkungen dieser Therapieform wesentlich höher als bei den "Neuen/Direkten Antikoagulantien" (NOAKS oder DOAKS) mit einer nur halb so hohen Odds Ratio von 1,73 (1,31-2,28).

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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