Politik

Marburger Bund wehrt sich gegen Aufweichung von Ruhezeitregelungen

Mittwoch, 1. März 2017

Berlin – Der Marburger Bund (MB) warnt vor neuen Vorstößen der Arbeitgeber­verbände, die gesetzlichen Ruhezeitregelungen aufzuweichen. „Die bestehenden Vorschriften und Öffnungsklauseln im Arbeitszeitgesetz sind flexibel genug, weitere Ausnahmen von der Regel brauchen wir nicht“, sagte der zweite Vorsitzende des Verbandes, Andreas Botzlar. Er reagierte damit auf Vorstöße von Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger und der Präsidentin des Chemie-Arbeitgeberverbandes, Margret Suckale.

„Wir benötigen dringend flexiblere Arbeitszeiten“, hatte Dulger gestern der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post mitgeteilt. Die größte Klippe seien starre gesetzliche Regelungen, etwa bei den Ruhezeiten, konkretisierte Suckale gegenüber der Zeitung. „Ist die E-Mail, die abends um elf Uhr noch schnell geschrieben wird, eine Unterbre­chung der Ruhezeit?“, fragte sie. Umgekehrt läsen doch Arbeitnehmer „auch mal wäh­rend der Arbeitszeit eine private E-Mail oder telefonierten rasch mit der Familie“, so die Präsidentin des Arbeitgeberverbandes.

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„Mindeststandards des Arbeits- und Gesundheitsschutzes müssen weiterhin gewahrt bleiben“, forderte dagegen Botzlar. Der bestehende Arbeitszeitbegriff trage diesem Schutzgedanken Rechnung und dürfe deshalb nicht ausgehöhlt werden. Besonders bedenklich sei eine Äußerung Suckales, nach der „Privates und Berufliches sich eben nicht immer strikt voneinander trennen lassen“.

„Wir befürchten, dass die Arbeitgeber die Digitalisierung als Vorwand nutzen, um Arbeits­zeitregelungen auszuhöhlen“, erklärte ein Sprecher des MB gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. „Wir halten dagegen, wenn Ruhezeiten infrage gestellt werden“, betonte er. © hil/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Freitag, 3. März 2017, 00:05

Die sozialen Grundrechte von Arbeitnehmern

wurden von der EU bereits 1989 formuliert:
http://www.europarl.europa.eu/brussels/website/media/modul_08/Zusatzthemen/Sozial/Pdf/Gemeinschaftscharta.pdf

Angesichts der Digitalisierung der Arbeitswelt sollte diese Liste um ein weiteres Grundrecht erweitert werden: das Recht auf Nichterreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit.
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 2. März 2017, 23:44

Der Sinn der Freizeit besteht ja gerade darin,

dass man Handy und Laptop beiseite legen kann ohne sich dafür entschuldigen zu müssen. Wenn der Arbeitgeber abends um elf Uhr eine Antwort auf eine dienstliche Mail erwartet, dann ist dies genau aus diesem Grund keine Freizeit mehr sondern eine Rufbereitschaft mit Aktivzeiten. Und wer schon einmal Rufbereitschaften mitgemacht hat, weiß daß der Erholungswert von Rufbereitschaften deutlich schlechter ist als der von Freizeit. Derartige Vorschläge können nur von Leuten kommen, die tagsüber ein Vorzimmer haben, welches lästige Anrufer vom Leibe hält und die noch nie nachts wegen einer Lappalie geweckt worden sind.
jpyeah
am Donnerstag, 2. März 2017, 06:59

Es geht doch nicht um die Email...

Es geht um die hohe Arbeitsbelastung im Schichtdienst und zu wenig Personal pro Patient oder pro Arbeit...

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