Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

USA: Anstieg der Darmkrebs­erkrankungen bei jungen Erwachsenen

Donnerstag, 2. März 2017

/Mikroskopische Aufnahme eines Adenokarzinoms

Atlanta – Während der Darmkrebs in den USA bei älteren Erwachsenen immer seltener wird, ist die Inzidenz bei jungen Erwachsenen dramatisch angestiegen. Die nach 1990 Geborenen haben laut einer Studie im Journal of the National Cancer Institute (2017; 109: djw322) ein doppelt so hohes Risiko auf ein Kolonkarzinom und ein vierfach erhöh­tes Risiko auf ein Rektumkarzinom wie ihre Eltern.

Die meisten Darmkrebserkrankungen treten im höheren Alter auf. Neun von zehn Pa­tien­ten sind bei der Diagnose 50 Jahre oder älter. Die American Cancer Society emp­fiehlt deshalb allen Erwachsenen ab dem 50. Lebensjahr, alle zehn Jahre eine Kolos­kopie durchführen zu lassen (in Deutschland ab dem 55. Lebensjahr als Kassenleis­tung). Das Screening wird in den USA gut angenommen. Die Koloskopie erzielt durch die Entfernung von Adenomen gleichzeitig eine vorbeugende Wirkung. Dies könnte erklären, warum die Zahl der Darmkrebserkrankungen bei älteren Erwachsenen in den letzten Jahren abgenommen hat.

Dies wird auch in einer Analyse des Krebsregisters SEER (Surveillance, Epidemiology, and End Results) klar erkennbar, die Rebecca Siegel von der American Cancer Society in Atlanta und Mitarbeiter jetzt vorstellen: Seit Mitte der 1980er-Jahre ist die Inzidenz bei den über 55-Jährigen rückläufig. Der Effekt nimmt mit dem Alter zu: Bei den über 85-Jährigen ist im Fünfjahres-Zeitraum 1999–2013 die Inzidenz des Kolonkarzinoms um 5,2 Prozent und des Rektumkarzinoms um 4,1 Prozent gesunken.

Ganz anders ist die Entwicklung bei den jüngeren US-Amerikanern. In der Altersgruppe 20 bis 39 Jahre steigt die Inzidenz des Kolonkarzinoms seit Mitte der 1980er-Jahre um ein bis zwei Prozent pro Jahr. Bei Erwachsenen im Alter von 40 bis 54 Jahren beträgt der Anstieg seit Mitte der 1990er-Jahre 0,5 bis ein Prozent pro Jahr.

Noch deutlicher ist der Anstieg beim Rektumkarzinom. Siegel ermittelte für die jüngste Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren einen stetigen Anstieg um drei Prozent pro Jahr. In der Altersgruppe zwischen 30 bis 39 Jahren setzte der gleiche Anstieg um drei Prozent pro Jahr etwa 1980 ein. Bei den 40- bis 54-Jährigen steigt die Inzidenz seit Mitte der 1990er-Jahre um zwei Prozent pro Jahr.

Das altersspezifische Erkrankungsrisiko auf ein Kolonkarzinom für den Jahrgang 1980 ist laut Siegel doppelt so hoch wie im Jahrgang 1950 (Inzidenzrate 2,12; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,91–2,36). Für das Rektumkarzinom ermittelte Siegel eine Verdrei­fachung (Inzidenzrate 3,06; 95-Prozent-Konfidenzintervall 2,71–3,47). In der jüngsten Gruppe der um 1990 Geborenen betragen die Inzidenzraten 2,40 (1,11–5,19) für das Kolonkarzinom und 4,32 (2,19–8,51) für das Rektumkarzinom. Die weiten Konfidenz­intervalle sind Folge der insgesamt sehr geringen Erkrankungszahlen.

Die Ursachen kann die rein deskriptive Studie nicht klären. Dazu wären Fall-Kontroll-Studien notwendig, die die Erkrankungen mit bestimmten Risikofaktoren in Verbindung setzen. Die bekannten Risikofaktoren für Darmkrebs sind eine Adipositas, eine Ernäh­rung mit wenig Ballaststoffen und häufigem Verzehr von verarbeitetem rotem Fleisch, hoher Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Tabakrauchen. Die meisten dieser Risikofaktoren sind in den letzten Jahren gerade bei jüngeren Menschen häufiger geworden. 

Der Darmkrebs jüngerer Menschen, der in der Vergangenheit vor allem genetische Ursachen hatte (deren Prävalenz in den letzten Jahrzehnten vermutlich gleich geblieben ist), dürfte deshalb vermehrt auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen sein. Da eine Veränderung des Lebensstils nicht erkennbar ist, überlegt die American Cancer Society, die Altersgrenze für die Koloskopie zu senken. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

06.02.18
Familiäre adenomatöse Polyposis: Bakterielles Duo fördert Darmkrebs
Baltimore – Zwei Darmbakterien, die bei vielen Menschen seit der Kindheit zur Darmflora gehören, können möglicherweise die Entwicklung von Darmkrebs fördern. Nach den in Science vorgestellten......
31.01.18
„Proinflamma­torische“ Nahrungsmittel könnten Darmkrebs fördern
Boston – Der häufige Verzehr von Nahrungsmitteln, die drei etablierte Entzündungsparameter im Blut erhöhen, war in 2 prospektiven Beobachtungsstudien in JAMA Oncology (2018; doi:......
20.12.17
Gastroenterologen stellen aktualisierte S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom“ vor
Berlin – Etwa 64.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an einem kolorektalen Karzinom, etwa 26.000 Menschen sterben daran. Eine neue Version der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung......
27.11.17
F. nucleatum: Parodontose-Erreger ist ständiger Begleiter von Darmkrebszellen
Boston – Fusobacterium nucleatum, ein im Mundraum beheimatetes Bakterium, das an der Entstehung der Parodontose beteiligt sein soll, lebt im Darm in enger Symbiose mit Darmkrebstumoren. Das Bakterium......
07.11.17
Darmkrebs: Ballaststoffreiche Ernährung verbessert Überlebenschance
Boston – Eine gesunde Ernährung könnte die Heilungschancen von Darmkrebspatienten unterstützen. In zwei prospektiven Beobachtungsstudien in JAMA Oncology (2017; doi: 10.1001/jamaoncol.2017.3684) war......
06.10.17
Darmkrebsvorsorge: Vergleichbare Ergebnisse bei neun immunologischen Stuhltests
Heidelberg – Seit diesem Jahr werden für das Darmkrebsscreening neue fäkale immunologische Tests (FIT) auf Blut im Stuhl eingesetzt. Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben......
31.07.17
Übergewichtige Teenager erkranken später häufiger an Darmkrebs
Tel Aviv – Israelische Rekruten beiderlei Geschlechts, die bei der Musterung im Teenageralter durch ein erhöhtes Körpergewicht auffielen, erkrankten im Alter häufiger an Darmkrebs, wie aus einer......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige