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Medizin

Telotristat lindert Diarrhö bei Karzinoidsyndrom

Donnerstag, 2. März 2017

Silver Spring/Maryland – Die Durchfälle, zu denen es beim Karzinoidsyndrom infolge der erhöhten Serotoninproduktion kommt, lassen sich durch die Einnahme des Tryptophan-Hydroxylase-Inhibitors Telotristat lindern. Die US-Arzneibehörde FDA hat das Mittel für Patienten zugelassen, die unter einer Behandlung mit Somatostatin-Analoga allein keine Besserung erzielen.

Neuroendokrine Tumore können bei einer Lokalisation im Darm ein Karzinoidsyndrom auslösen. Die erhöhte Produktion von Serotonin durch die Tumorzellen führt zu schmerz­haften Durchfällen, die die Lebensqualität der Patienten deutlich beeinträchti­gen. Weitere Symptome sind eine starke Rötung der Gesichtshaut (Flush) und als Spätkomplikation eine Schädigung der Herzklappen. 

Die Behandlung erfolgt zunächst mit Somatostatin-Analoga, die die Hormonaus­schüt­tung durch die Zellen vermindern. Der Angriffspunkt von Telotristat ist dagegen die Serotonin-Synthese. Das Mittel hemmt das Enzym Tryptophan-Hydroxylase, das Tryptophan in 5-Hydroxytryptophan überführt, aus dem wiederum 5-Hydroxytryptamin, sprich Serotonin entsteht. Die Idee eines Syntheseblockers ist nicht neu. Parachloro­phenylalanin, ein früherer Tryptophan-Hydroxylase-Blocker, drang jedoch in das Gehirn ein, wo die Hemmung der Serotonin-Synthese schwere Depressionen auslöst. Dieses Problem wird bei Telotristat vermieden, da das saure Molekül die Blut-Hirn-Schranke nicht überwindet.

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Die Wirkung von Telotristat wurde in einer Phase-3-Studie an 145 Patienten untersucht, die unter der Standardbehandlung mit einem Somatostatin-Analogon (Octreotid oder Lanreotid) keine ausreichende Reduktion der Stuhlfrequenz erzielten. Die Patienten nahmen zusätzlich zu dem Somatostatin-Analogon dreimal täglich eine Tablette ein, die 250 mg oder 500 mg Telotristat oder Placebo enthielt. Wie Matthew Kulke vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston und Mitarbeiter kürzlich im Journal of Clinical Oncolo­gy (2017; 35: 14-23) berichteten, erzielte Telotristat in der höheren Dosierung bei 42 Prozent und in der niedrigen Dosierung sogar bei 44 Prozent eine „Response“ gegen­über nur 20 Prozent in der Placebo-Gruppe. Die „Response“ war definiert als eine Abnahme der Stuhlfrequenz um mehr als 30 Prozent an mehr als der Hälfte der Tage in der 12-wöchigen Behandlungsphase.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Telotristat sind laut FDA Übelkeit, Kopfschmerzen, ein Anstieg des Leberenzyms Gamma-Glutamyltransferase, Depression, periphere Ödeme, Blähungen, ein verminderter Appetit und Fieber. Außerdem kann Telotristat eine schwere Verstopfung verursachen bis hin zur Darmperforation oder zum Darm­verschluss. © rme/aerzteblatt.de

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