Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Methadon­substitution: Abhängige steigen zunehmend auf Alkohol um

Donnerstag, 2. März 2017

Ausgabe von Methadon aus einem Automaten /dpa

Zürich – Die Methadonprogramme im Schweizer Kanton Zürich haben sich auch lang­fristig als erfolgreich erwiesen. Der Anteil der Abhängigen, die zusätzlich Heroin oder Kokain konsumieren, ist laut einer Studie in Lancet Psychiatry (2017; doi: 10.1016/S2215-0366(17)30080-9) zurückgegangen. Viele Abhängige haben aber den Alkohol als Ersatz entdeckt.

Gegen die in den 1990er-Jahren eingeführten Methadonprogramme wurden vor allen zwei Einwände erhoben. Zum einen wurde befürchtet, dass der allzu bequeme Ausweg in ein Methadonprogramm junge Menschen zum Heroinkonsum verleiten würde. Zum anderen wurde bezweifelt, dass die Methadonsubstitution die Abhängigen vom Heroin­konsum abhalten würde. Beide Entwicklungen sind nicht eingetroffen, wie Marcus Herdener von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich jetzt im Rückblick auf den Zeitraum von 1998 bis 2014 zeigt.

Die Zahl der Substitutionsbehandlungen sei seit ihrer Einführung in den 1990er-Jahren konstant geblieben, berichtet Herdener. Derzeit würden im Kanton Zürich rund 3.000 Heroinabhängige Opioide wie Methadon, Buprenorphin oder Morphin im Rahmen einer Therapie erhalten. Der illegale Beikonsum sei sogar gesunken. Der Anteil der Patienten, die häufig, mindestens fünf Tage die Woche, Heroin konsumierten, habe sich um mehr als die Hälfte von 14,4 auf sechs Prozent verringert. Der Anteil häufiger Kokainkonsu­menten sei von 8,5 auf 4,9 Prozent gesunken. Für viele Teilnehmer des Methadonpro­gramms habe sich zudem die soziale Situation verbessert.

Immer mehr Patienten haben jedoch eine andere Ersatzdroge entdeckt. Der Alkohol­konsum hat laut Herdener deutlich zugenommen. Fast jeder vierte Patient (22,5 Pro­zent) zeige einen erhöhten Alkoholkonsum und gefährde dadurch die Leber. Das Organ ist bei vielen Teilnehmern vorgeschädigt, da sie sich bei ihrem früheren intravenösen Drogenkonsum mit Hepatitis B und/oder Hepatitis C infiziert haben. 

Andere Studien haben gezeigt, dass immer mehr opioidabhängige Personen an Leber­erkrankungen sterben. Herdener sieht hier derzeit einen grossen therapeutischen Hand­lungsbedarf. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17.07.17
Tausende Kinder von Alkoholspektrum­störung betroffen
Berlin – Die „Fetal Alcohol Spectrum Disorders“ (FASD) oder Alkoholspektrumstörung ist die häufigste angeborene Störung mit Intelligenzminderung in Deutschland. Jedes Jahr kommen hierzulande zwischen......
07.07.17
Brüssel – Nach mehreren Todesfällen will die EU-Kommission die in manchen Nasensprays enthaltene Chemikalie Furanylfentanyl künftig strenger kontrollieren. Dies hat die EU-Behörde vorgeschlagen. Das......
03.07.17
Methamphe­tamin-Entzug: Neue S3-Leitlinie rät von Substitution mit psychoaktiven Substanzen ab
Köln/Regensburg – Die erste S3-Leitlinie zu Metamphetamin-bezogenen Störungen ist kürzlich erschienen. Im Mittelpunkt steht die Evidenz zur medikamentösen und psychotherapeutischen Therapie, die sich......
26.06.17
München – Wegen des Anstiegs der Drogentoten will Bayern die medizinische Versorgung für Abhängige verbessern. Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) kündigte in München an, das Therapieangebot......
23.06.17
„Die Substitutions­richtlinie soll helfen, die Zahl der Drogentodesfälle zu reduzieren“
Saarlois – Der Weltdrogentag, offiziell auch „Internationaler Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr“ genannt, findet in diesem Jahr am 26. Juni statt. Der Aktionstag wurde im......
22.06.17
Wien – Rund um den Globus greifen 250 Millionen Menschen zu illegalen Rauschgiften. Das geht aus dem Weltdrogenbericht hervor, den die Vereinten Nationen (UN) heute in Wien vorgestellt haben. 29,5......
20.06.17
Cleveland – Alkohol hat Einfluss auf den Abbau von Muskelgewebe bei Frauen in der Postmenopause. Dies fanden Wissenschaftler des Yonsei University College of Medicine in Seoul heraus. Sie......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige