Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Lebensstil-Ände­rung erste Maßnahme bei Schwangerschafts­diabetes

Donnerstag, 2. März 2017

/dpa

Berlin – Die Änderung des Lebensstils sollte die erste Maßnahme bei Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes sein. Das haben die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Bundesverband Niedergelassener Diabetologen (BVND) zusammen mit dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) betont. 

Beim Schwangerschaftsdiabetes ist der Blutzucker der Mutter entweder ständig oder auch nur ungewöhnlich lange nach den Mahlzeiten erhöht. Die hohe Zuckermenge geht direkt auf das Baby über, das dadurch überernährt wird. Es wächst häufig zu schnell, und sein Stoffwechsel stellt sich schon vor der Geburt auf das ständige Kohlenhydrat-Überangebot ein. Tritt die Erkrankung schon früh in der Schwangerschaft auf und wird nicht entdeckt, können sich auch Fehlbildungen des Herzens entwickeln. Die Hor­mon­situation beim Kind verzögert außerdem die Reifung der Lungenbläschen, sodass vor allem frühgeborene Babys häufiger mit Atemnot zu kämpfen haben und beatmet werden müssen. Außerdem enthält die Fruchtblase oft zu viel Fruchtwasser.

„Die Gebärmutterwand wird durch das zu große Kind und die hohe Fruchtwassermenge überdehnt, sodass die Geburt oft um Wochen zu früh beginnt“, erläutert Birgit Seelbach-Göbel, Präsidentin der DGGG.

Auf die Bedeutung des Screenings in der Schwangerschaft weist Christian Albring hin, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „40 Prozent aller Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes sind schlank und haben auch sonst keinerlei Risiken. Wür­den wir unser Augenmerk nur auf die älteren, übergewichtigen Schwangeren legen, würden wir einen sehr großen Teil der gefährdeten Frauen übersehen“, betont er.

„Nach der Diagnose sind betroffene Frauen häufig verunsichert, wieviel Therapie beim Schwangerschaftsdiabetes tatsächlich erforderlich ist“, erläutert Baptist Gallwitz, Präsi­dent der DDG. Lebensstilfaktoren seien dabei besonders wichtig: „An erster Stelle ste­hen eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung und der weitgehende Verzicht auf Süßigkeiten und Limonaden, um den Blutzuckerspiegel niedrig zu halten. Außerdem gehören reichliche, möglichst tägliche Bewegung dazu und eine regelmäßige Blut­zucker­kontrolle“, so Seelbach-Göbel.

„Erst wenn diese Maßnahmen nicht greifen, ist eine Insulintherapie in Betracht zu ziehen, mit der dann auch nicht zu lange gewartet werden darf, weil es ja gilt, das ständige Überangebot an Zucker von dem Baby so gut es geht fernzuhalten und die Entwicklung von Folgeschäden bei der Mutter zu verhin­dern“, erläutert Nikolaus Scheper, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

22.07.17
Studie: Antibiotika in der Schwangerschaft könnten Fehlbildungen auslösen
Montreal – Die Verordnung einiger Antibiotika, die bislang nicht als teratogen eingestuft werden, war in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im British Journal of Clinical Pharmacology (2017;......
21.07.17
Neue Diskussion um B-Streptokokken-Test in der Schwangerschaft
Berlin/München – Um die Anwendung des B-Streptokokken-Tests in der Schwangerschaft ist eine Debatte entbrannt. Der von den Krankenkassen getragene IGeL-Monitor hatte den Nutzen eines generellen Tests......
21.07.17
Diät und Sport in der Schwangerschaft können Kaiserschnitt vermeiden
London – Eine gesunde Ernährung und sportliche Aktivität können die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft begrenzen und die Rate der Kaiserschnitt-Entbindungen senken. Das kam in einer Meta-Analyse......
14.07.17
Antidepressiva in der Schwangerschaft: Kein Risiko für geistige Beeinträchtigung des Nachwuchs
New York – Antidepressiva während der Schwangerschaft stehen unter Verdacht, das Wohl des Kindes zu gefährden. Sie begünstigen aber nicht das Risiko, dass das Kind eine geistige Behinderung entwickle,......
12.07.17
Boston/ London – Die sogenannten subsaharischen Länder laufen Gefahr, die gesundheitlichen Errungenschaften der letzten Jahre zu verlieren, weil die Zahl der Diabeteskranken ständig steigt.......
10.07.17
Adipositas: Genetische Studie bestätigt ursächliche Bedeutung für Herzerkrankungen und Diabetes
Oxford – Fettleibige Menschen erkranken häufiger an Bluthochdruck, Herzinfarkt und Typ-2-Diabetes. Dieser seit Langem bekannte Zusammenhang zwischen Adipositas und kardiometabolischen Erkrankungen......
07.07.17
Zuckerkonsum der Schwangeren könnte Asthma und Allergien beim Kind fördern
London – Britische Forscher haben eine mögliche neue Erklärung für die Zunahme von allergischen Erkrankungen im Kindesalter. Ein hoher Zuckerkonsum in der Schwangerschaft war in einer......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige