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Medizin

Neurodermitis: Antikörper Nemolizumab lindert Juckreiz

Freitag, 3. März 2017

/dpa

München – Der Antikörper Nemolizumab, der den Rezeptor für Interleukin 31 blockiert, hat in einer Phase-2-Studie den Juckreiz von Patienten mit atopischer Dermatitis, auch Neurodermitis genannt, deutlich gelindert, wie aus den jetzt im New England Journal of Medicine (2017; 376: 826-835) publizierten Ergebnissen hervorgeht.

Ein beständiger Juckreiz ist für viele Patienten mit atopischer Dermatitis (AD) das am meisten quälende Symptom. Er verführt die Patienten zum Kratzen, was den Zustand der Haut verschlechtert, und viele Patienten kommen auch nachts nicht zur Ruhe. Die Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt, da der Juckreiz häufig auch dann anhält, wenn die Haut unter der Wirkung von Kortison abgeheilt ist. Antihistaminika kommen wegen ihrer sedierenden Nebenwirkung für viele Patienten nicht infrage.

Die therapeutischen Optionen könnten in Zukunft durch monoklonale Antikörper gebes­sert werden, die gezielt in die Entzündungsreaktion bei der AD eingreifen. Kürzlich wurden in einer Phase-3-Studie vielbeachtete Ergebnisse mit dem Antikörper Dupilumab erzielt, der die Rezeptoren für die Interleukine 4 und 13 blockiert, was zu einer raschen Abheilung der Hautläsionen führt. 

Der Antikörper Nemolizumab unterbricht die Signalwege von Interleukin 31. Dies hat in einer vorausgegangenen Phase-1-Studie eine starke Juckreiz-lindernde Wirkung erzielt, die auch dann eintritt, wenn die Läsionen nicht vollkommen abheilen.

Ein Team um Thomas Ruzicka von der LMU München stellt jetzt die Ergebnisse einer Phase-2-Studie vor, die diesen Eindruck bestätigen. Am der multizentrischen Dosis­findungsstudie nahmen 264 Erwachsene mit mäßiger bis schwerer AD teil, die unter einer topischen Therapie nicht ausreichend kontrolliert werden konnte. Bei den Patienten stand der Juckreiz im Vordergrund, dessen Stärke sie auf einer visuellen Analogskala (VAS) mit 75 von 100 Millimetern angegeben hatten. 

Nach den subkutanen Injektionen, die alle vier Wochen wiederholt wurden, kam es zu einer deutlichen Reduktion des Juckreizes, die dosisabhängig war: Unter der niedrigsten Dosierung von 0,1 mg/kg ging der Juckreiz auf der VAS um 43,7 Prozent zurück. Unter der zweithöchsten Dosierung von 0,5 mg/kg besserte sich der VAS-Wert um 59,8 Pro­zent und unter der höchsten Dosierung von 2,0 mg/kg kam es zu einer Verbesserung um 63,1 Prozent. In der Placebo-Gruppe kam es zu einer leichten Besserung um 20,1 Prozent. Alle drei Dosierungen waren signifikant besser wirksam als Placebo. (Eine weitere Gruppe war alle acht Wochen behandelt worden, offenbar mit weniger Erfolg, denn die Ergebnisse werden nicht mitgeteilt).

Nemolizumab förderte auch die Abheilung der Hautläsionen: Es kam zu einem Rück­gang im EASI (Eczema Area and Severity Index) und in der Ausdehnung der Läsionen. Das Ausmaß war allerdings geringer als unter Dupilumab und möglicherweise eine Folge des verminderten Juckreizes. Der Hersteller spricht vom ersten Wirkstoff, der gezielt den Juckreiz angreift.

Wie die Juckreiz-lindernde Wirkung zustande kommt, ist nicht genau bekannt. Die Autoren vermuten, dass die Blockade von Rezeptoren im Hinterhorn des Rückenmarks eine Rolle spielen könnte. Dies würde erklären, warum die Abheilung der Hautläsionen verhältnismäßig schwach ausfiel.

Den Patienten dürfte egal sein, wie die Wirkung zustande kommt, solange das Mittel effektiv und sicher ist. Die Verträglichkeit von Nemolizumab scheint gut zu sein. Die Abbrecherrate (13 bis 17 Prozent) war nicht höher als in der Placebo-Gruppe (17 Pro­zent). Ernsthafte Komplikationen wurden nicht beobachtet. 

Die Patienten müssen allerdings noch einige Zeit auf das Medikament warten. Bei clinicaltrials.gov ist derzeit noch keine Zulassungsstudie gelistet. Auf der Jahrestagung der American Academy of Dermatology, die an diesem Wochenende in Orlando, Florida beginnt, sollen zunächst die Langzeitergebnisse aus der aktuellen Studie vorgestellt werden.

Die klinische Entwicklung von Dupilumab ist dagegen abgeschlossen. Der Hersteller hofft noch in diesem Frühjahr auf ein abschließendes Votum der Zulassungs­behörden. © rme/aerzteblatt.de

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