Politik

G-BA: Zwischenfazit zur ASV ist „sehr ernüchternd“

Freitag, 3. März 2017

Berlin – Das unparteiische Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Regina Klakow-Franck, hat ein Zwischenfazit zur Ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) gezogen. Es falle „sehr ernüchternd“ aus, sagte sie gestern auf der Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onko­logie (DGHO) in Berlin. Im Rahmen der ASV können sich Krankenhaus- und Vertrags­ärzte zu Behandlungsteams zusammenschließen, um Patienten mit schweren oder seltenen Erkrankungen zu versorgen, zum Beispiel zur Behandlung von Patienten mit gastrointestinalen Tumoren.

Klakow-Franck zufolge gab es Stand November 2016 bundesweit 47 ASV-Teams in diesem Bereich. „Das ist nun tatsächlich nicht sehr viel. Das kann ich nicht beschöni­gen“, kommentierte sie. Mit 14 ASV-Teams führt Nordrhein-Westfalen die Liste der Bundesländer an, gefolgt von Schleswig-Holstein mit sechs Teams. In Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern oder dem Saarland gibt es bislang kein einziges. Der Gesetzgeber und der G-BA seien mit großen Erwartungen und dem Ziel gestartet, die Grenzen zwischen den Sektoren zu überwinden. Diese Erwartungen seien nicht erfüllt worden.

Anmeldung zur ASV: „Es ist zu bürokratisch geworden“

Anzeige

Als Gründe nannte Klakow-Franck vor allem die Vorgaben, die die Teams bei der Anmeldung erfüllen müssten. „Ich denke schon, dass wir doch zu komplexe und detaillierte Einzelvorgaben für die Teilnahme an der ASV gemacht haben“, räumte sie ein. „Es ist zu bürokratisch geworden.“ Der G-BA sei aber im Gespräch mit den erwei­terten Landesausschüssen, bei denen sich die Teams in den Bundesländern anmelden müssen, um die Anforderungen auf „ein vernünftiges Mittelmaß“ zu reduzieren.

Darüber hinaus gebe es weitere krankenhaus- und vertragsarztspezifische Gründe, die dazu geführt hätten, dass es bislang so wenige ASV-Teams gibt. „Im Krankenhaus­strukturgesetz hat sich der Gesetzgeber selbst eine Konkurrenz zur ASV geschaffen“, meinte Klakow-Franck. So habe er den Versorgungsauftrag der Hochschulambulanzen erweitert. „Dabei geht es um dasselbe Patientenklientel wie bei der ASV“, so das G-BA-Mitglied. Zudem hätten viele Krankenhäuser Tumorzentren zertifizieren lassen. Da gebe es allerdings nicht eins zu eins dieselben Vorgaben wie bei der ASV. Und mancher Kran­kenhausgeschäftsführer frage sich vielleicht, ob er die Tumorzentren nun umbauen solle, nur damit er an der ASV teilnehmen kann.

Im ambulanten Bereich bestehe eher Skepsis bezüglich der ASV wegen der Budget­berei­ni­gung. Zwar würden die ASV-Teams extrabudgetär von den Krankenkassen bezahlt, so Klakow-Franck. Die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung werde aber dennoch um diese Beträge bereinigt. 

Klakow-Franck zweifelt am Erfolg der ASV

Klakow-Franck betonte, dass es „so etwas wie die ASV“ brauche, um die Grenzen zwischen den Sektoren zu überwinden. Denn dass diese Grenzen überwunden werden müssten, daran bestehe kein Zweifel. „Aber ob es die ASV sein wird, da habe ich selber Zweifel“, meinte sie. Vielleicht müsse man doch größer denken: in Richtung von sekto­renübergreifenden Netzwerken. „Wir müssen versuchen, die ASV ins Laufen zu brin­gen“, betonte sie abschließend. „Wenn das nicht gelingt, müssen wir nach Alternativen suchen, zum Beispiel danach, in Netzwerkstrukturen zu investieren.“ © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16.12.16
Berlin – Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen und Patienten mit Mukoviszidose können künftig von einem interdisziplinären ambulanten Versorgungsangebot im Rahmen der ambulanten......
24.11.16
München – Der Bundesverband ambulante spezialfachärztliche Versorgung (BV ASV) hat Forderungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert, wonach Kliniken, die nach Paragraf 116b des......
08.09.16
Psychische Erkrankungen: Studie weist auf Defizite in der Bedarfsplanung hin
Berlin – Ein Blick auf die aktuelle Versorgungslage zeigt: Je nach Region sind Arzt- und Psychotherapeutensitze in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt. Doch die unterschiedliche Dichte bei den......
26.08.16
Berlin – Auch bei gesetzlich versicherten Patientinnen mit Brustkrebs sind künftig molekular-pathologische Genexpressionstests möglich, um die Therapie zu individualisieren. Die entsprechenden......
11.08.16
ASV: Weg für Behandlung gynäkologischer Tumoren ist frei
Berlin – Seit gestern können interessierte Ärzte und Krankenhäuser bei den sogenannten erweiterten Landesausschüssen beantragen, Frauen mit gynäkologischen Tumoren im Rahmen der ambulanten......
04.08.16
Weimar – Die Einwohner Thüringens müssen maximal zehn Kilometer bis zum nächsten niedergelassenen Arzt fahren. Das ergab eine Erhebung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen, die heute in......
01.08.16
Berlin – Ab Anfang August gelten Änderungen und Konkretisierungen der sogenannten ASV-Richtlinie, also der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur ambulanten spezialfachärztlichen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige