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Medizin

Blinatumomab: „BiTE“-Antikörper verlängert Leben bei ALL-Variante

Montag, 6. März 2017

Houston – Der „BiTE“-Antikörper Blinatumomab verlängert die Überlebenszeit von Patienten mit Philadelphia Chromosom negativer B-Zell-Vorläufer-ALL gegenüber einer konventionellen Chemotherapie um mehr als drei Monate. Dies geht aus den abschlie­ßenden Ergebnissen einer Phase 3-Studie im New England Journal of Medicine (2017; 376: 836-847) hervor, die dem Hersteller nach der vorzeitigen Zulassung auferlegt worden war.

Die Prognose von Erwachsenen mit einer akuten lymphatischen Leukämie (ALL) hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Etwa 80 bis 85 Prozent erreichen unter der ersten Chemotherapie eine Vollremission. Die langfristigen Überlebensraten liegen bei 30 bis 50 Prozent. Bei der Ph-negativen B-Zell-Vorläufer-ALL kommt es dagegen bei allen Patienten früher oder später zu einem Rezidiv, das dann innerhalb weniger Monate zum Tod führt.

Vor diesem Hintergrund wurden die Ergebnisse einer offenen Phase 2-Studie positiv aufgenommen. 43 Prozent der Teilnehmer erreichten eine Teil- oder Vollremission und das mittlere Gesamtüberleben betrug 6,1 Monate (Lancet Oncology 2015; 16: 57-66). Die Arzneibehörden in den USA und Europa stimmten einer vorzeitigen Zulassung zu. Dies geschah allerdings unter der Bedingung, dass der Hersteller eine Phase 3-Studie anschließt, in der Blinatumomab mit einer konventionellen Chemotherapie verglichen wurde.

An dieser Studie nahmen an 101 Zentren in 21 Ländern mit deutscher Beteiligung insgesamt 405 erwachsene Patienten teil, bei denen die Ersttherapie keine Wirkung erzielt hat oder bei denen es nach einer Remission zu einem Rückfall gekommen war. Die Patienten wurden auf eine Behandlung mit Blinatumomab oder auf eine Chemo­therapie nach Auswahl der behandelnden Ärzte randomisiert. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben.

Wie Hagop Kantarjian vom MD Anderson Cancer Center in Houston und Mitarbeiter berichten, leben die Patienten in der Blinatumomab-Gruppe im Durchschnitt noch 7,7 Monate gegenüber 4,0 Monaten nach einer konventionellen Chemotherapie. Dies ergab eine Hazard Ratio von 0,71, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,55 bis 0,93 signifikant ausfiel und damit aus Sicht der Arzneimittelbehörden die vorzeitige Zulassung rechtfertigt.

In beiden Gruppen wurde bei etwa einem Viertel der Patienten eine allogene Stamm­zellbehandlung angeschlossen, die allerdings die Prognose nicht mehr ändern konnte. Die mediane Überlebenszeit betrug in der Blinatumomab-Gruppe 6,9 Monate gegenüber 3,9 Monaten nach der konventionellen Chemotherapie.

Hinsichtlich der Verträglichkeit bestätigten sich die Ergebnisse der Phase 2-Studie. Die häufigsten Komplikationen in beiden Gruppen waren eine Neutropenie und Infektionen, gefolgt von einem Anstieg der Leberenzyme und neurologischen Ereignissen. Husten oder Fieber traten unter Blinatumomab häufiger auf. Eine gefürchtete Komplikation von Blinatumomab ist das Zytokin-Release-Syndrom.

Es trat in der Studie bei 4,9 Prozent der Patienten auf, erzwang allerdings in keinem Fall den Abbruch der Behandlung. Insgesamt kam es in der Blinatumomab-Gruppe bei 61,8 Prozent der Patienten zu schweren Nebenwirkungen gegenüber 45,0 Prozent unter einer Chemotherapie. Insgesamt 19,1 versus 17,4 Prozent starben an den Folgen der Behandlung.

Blinatumomab ist der erste sogenannte BiTE-Antikörper („bi-specific T-cell engager“): Einer der beiden Arme des Antikörpers bindet an CD19 auf der Oberfläche der Leukämie-Zelle. Der andere bindet an CD3 auf der Oberfläche von T-Zellen. Dies soll ein Rendezvous zwischen Abwehrzelle und seinem Angriffsziel herbeiführen. © rme/aerzteblatt.de

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