Medizin

USA: Desmopressin-Spray zur Behandlung der Nykturie bei Erwachsenen zugelassen

Dienstag, 7. März 2017

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde (FDA) hat ein Nasenspray mit dem Wirkstoff Desmopressin zur Behandlung der nächtlichen Polyurie bei Erwachsenen zu­ge­lassen. Die Fachinformation enthält einen umrahmten Warnhinweis zur Hypo­natriä­mie. 

Desmopressin ist ein Ende der 1970er-Jahre entwickeltes Analogon des körpereigenen antidiuretischen Hormons (ADH), das auch als Vasopressin bezeichnet wird. Anders als Vasopressin hat Desmopressin keine gefäßverengende Wirkung. Desmopressin fördert allein die Rückresorption von Wasser aus den Nierentubuli. Es ist dadurch ein starkes Antidiuretikum.

Anzeige

Hauptindikation ist der Diabetes insipidus centralis infolge eines Ausfalls der ADH-Produktion in der Hypophyse. Darüber hinaus wird Desmopressin zur Behand­lung der Enuresis nocturna bei Kindern eingesetzt. In Deutschland darf Desmopressin in dieser Indikation allerdings nur als Tablette eingesetzt werden, um eine Überdosierung zu vermeiden. Die Tablette darf auch zur Behandlung der Nykturie aufgrund nächtlicher Polyurie bei Erwachsenen eingesetzt werden. Das Spray ist hier untersagt.

In den USA dürfen jetzt ältere Patienten auch mit einem Spray behandelt werden, das der Hersteller in zwei randomisierten klinischen Studien an über 1.000 Patienten gegen Placebo getestet hat. Es gibt allerdings eine Reihe von Kontraindikationen wie die Herz­insuffizienz, ein schlecht kontrollierter Diabetes mellitus, Krankheiten der Blase und der Prostata sowie eine Polyurie als Nebenwirkung verschiedener Medikamente, die die Ärzte vor der Verordnung ausschließen müssen. Außerdem muss in einem 24-Stunden-Urin eine vermehrte Harnproduktion nachgewiesen werden. Die Patienten müssen über die Risiken aufgeklärt werden.

Das wichtigste Risiko ist ein Abfall des Natriumspiegels im Blut, die Hyponatriämie. Eine schwere Hyponatriämie kann zu Krampfanfällen, Koma, Atemstillstand oder Tod führen, warnt die FDA. Die Ärzte müssen deshalb den Natriumwert vor der Behandlung und im Verlauf der Therapie regelmäßig kontrollieren. Bei Risikofaktoren für eine schwere Hyponatriämie ist die Verordnung kontraindiziert. Dies kann eine übermäßige Flüssig­keits­aufnahme sein oder Krankheiten, die zu Flüssigkeits- oder Elektrolytstörungen führen. Auch die gleichzeitige Behandlung mit Schleifendiuretika und Glukokortikoiden ist nicht erlaubt.

In den beiden klinischen Studien hatte das Desmopressin-Spray in der höheren Dosie­rung die Zahl der Nykturie-Episoden bei 52 Prozent und 47 Prozent der Patienten um mehr als die Hälfte gesenkt. Dieses Ziel hatten jedoch auch 33 Prozent und 29 Prozent der Patienten unter der Behandlung mit einem Placebo erreicht. Der Unterschied zu Placebo war gering, aber signifikant. Gegenüber dem Zustand vor der Behandlung wurde die Zahl der nächtlichen Toilettengänge um 1,2 bis 1,7 pro Nacht gesenkt, was nach Ansicht der FDA für einige Patienten ein relevanter Vorteil ist. Ein Vorteil zeigte sich auch in einem „Impact of Nighttime Urination (INTU), der mit zehn Fragen die Auswir­kungen der Nykturie auf die Lebensqualität erhebt.

 Auch bezüglich der Sicherheit hat die FDA keine Einwände, obwohl es in den klinischen Studien unter der Behandlung mit Desmopressin zu fünf Todesfällen gekommen ist gegenüber keinem einzigen in den Placebo-Gruppen. In drei Fällen ist nach Einschät­zung der FDA ein Zusammenhang mit der Medikamenteneinnahme unwahrscheinlich, bei zwei Patienten konnte dieser jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Abgesehen von dem Risiko einer Hyponatriämie scheint die Therapie gut vertragen zu werden. Die häufigsten Nebenwirkungen in den klinischen Studien waren nasale Be­schwer­den, Erkältungen (Nasopharyngitis), eine verstopfte Nase, Niesen, ein hoher oder erhöhter Blutdruck, Rückenschmerzen, Nasenbluten, Bronchitis und Schwindel­gefühle.

Die FDA hatte im Oktober unabhängige Gutachter nach ihrer Ansicht befragt. Die Ex­per­ten hatten sich mit 14 Stimmen bei vier Gegenstimmen für eine Zulassung ausge­sprochen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

10.03.17
Unerwünschte Arzneimittel­wirkungen werden häufiger gemeldet
Berlin – Die Zahl von Spontanmeldungen über unerwünschte Arzneimittelwirkungen an die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) steigt. Waren es 2004 noch 2.200 UAW-Meldungen, sind 2016......
01.02.17
Medikamenten­einnahme: Jeder Dritte wünscht mehr Beratung
Berlin – Ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland wünscht sich mehr fachliche Beratung für eine korrekte Einnahme von Medikamenten. Diese Unterstützung soll in erster Linie vom Arzt oder Apotheker......
07.11.16
Auch Patienten sollen unerwünschte Arzneimittel­wirkungen melden
Bonn/Berlin – Auch Patienten sollen Verdachtsfälle von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) beziehungsweise Impfkomplikationen melden. Dazu haben das Bundesinstitut für Arzneimittel und......
03.11.16
„Bei der Definition von Unabhängigkeit folgen wir strikten Regelun­gen“
Berlin – Ärztinnen und Ärzte unabhängig über eine rationale Pharmakotherapie zu informieren, ist der Anspruch der Zeitschrift „Der Arzneimittelbrief“, die erstmals im Januar 1967 erschien. Man wollte......
22.09.16
Einheitliche Kennzeichnung von Medikamenten für mehr Arzneimittel­sicherheit
Wiesbaden – Der Medikamentenmarkt ist für viele Patienten nur schwer überschaubar. Generika, Rabattverträge und unterschiedliche Markennamen für gleiche Wirkstoffe verunsichern vor allem ältere......
21.06.16
Berlin – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat der Fixkombination von Sacubitril und Valsartan (Handelsname Entresto) für Patienten mit Herzinsuffizienz einen beträchtlichen Zusatznutzen......
01.06.16
EMA: Neues Medikament erreicht alle Hepatitis C-Genotypen
London – Wenn die Europäische Kommission ihre Zustimmung erteilt, was zu erwarten ist, dann dürfte demnächst das erste Medikament eingeführt werden, dass gegen alle sechs Genotypen des Hepatitis......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige