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Cannabis: Widersprüchliche Ergebnisse bezüglich des Risikos für Herz-Kreislauf-­Erkrankungen

Freitag, 10. März 2017

Cannabisprodukte sollten nicht geraucht, sondern mit einem Inhalator oder oral eingenommen werden, um gesundheitsschädigende Wirkungen etwa auf das Herz durch toxische Verbrennungsprodukte zu vermeiden / neurolle Rolf, pixelio.de
Cannabisprodukte sollten nicht geraucht, sondern mit einem Inhalator oder oral eingenommen werden, um gesundheitsschädigende Wirkungen etwa auf das Herz durch toxische Verbrennungsprodukte zu vermeiden. /neurolle Rolf, pixelio.de

Philadelphia – Der Konsum von Marihuana fördert nicht nur Lungenerkrankungen. Auch ein Schlaganfall oder Herzversagen tritt häufiger auf, und das unabhängig von bekann­ten Lifestyle-Faktoren wie etwa Rauchen, Übergewicht oder Alkoholkonsum. Die Ergebnisse der Studie stellten Forscher des Einstein Medical Center in Philadelphia heute bei der American College of Cardiology’s 66th Annual Scientific Session vor. Es gibt jedoch auch Studien, die das Gegenteil beweisen, wie eine im Februar 2017 im American Journal of Public Health veröffentlichte Untersuchung zeigt (2017; doi: 10.2105/AJPH.2017.303654).

Bereinigte Risikofaktoren

  • Alter
  • Geschlecht
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Hyperlipidämie
  • Tabak rauchen
  • Alkoholkonsum
  • koronare Herzkrankheiten
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Das Risiko, einen Schlaganfall zu erlei­den, lag bei Cannabiskonsumenten 26 Prozent höher als bei Nicht-Konsumen­ten. Für Herzversagen stieg die Wahr­scheinlichkeit um zehn Prozent. Keinen signifakten Unterschied fanden die For­scher um Aditi Kalla hingegen beim Vor­hofflimmern, koronarer Herzkrankheit und plötzlichem Herztod. Bekannte Risikofaktoren hatten sie zuvor bereinigt. Sie können als Ursache für den Unterschied aus­geschlossen werden (siehe Kasten). Ein mögicher Mechanismus, über den Can­na­bis das Gefäßsystem beeinflussen könnten, seien Muskelzellen, erklären die For­scher eine mögliche Ursache. Denn diese besäßen Rezeptoren für Cannabis.

Die Erhebung schloss etwa 316.000 Teilnehmende zwischen 18 und 55 Jahren ein, die  Cannabis konsumierten. Das entspricht 1,5 Prozent der Studienstichprobe von 20 Millionen Menschen aus mehr als 1.000 Krankenhäusern der USA. Die Erhe­bung bezieht sich auf einen Zeitraum zwischen 2009 und 2010, als Cannabis in den meisten Staaten noch illegal war.

Franjo Grotenhermen, Geschäftsführer der International Association for Cannabinoid Medicines (IACM), überzeugen die Ergebnisse nicht. Erst im Februar 2017 publizierte das National Heart, Lung, and Blood Instituts in Bethesda seine Ergebnisse der Studie Coronary Artery Risk Development in Young Adults (CARDIA), die das Gegenteil zeigen.

Daran teilgenommen hatten 5.113 Erwachsene, die zu Beginn der Studie (1985 bis 1986) zwischen 18 und 30 Jahren alt waren. „Danach war der kumulative Lebens­zeit­konsum von Cannabis und der kürzliche Cannabiskonsum nicht mit kardiovaskulären Erkrankungen, Schlaganfall, koronarer Herzkrankheit oder Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert“, fasst Grotenhermen die Ergebnisse zusammen.

Tierexperimentelle Untersuchungen der vergangenen Jahre hätten zudem ergeben, dass die Aktivierung des Cannabinoid-2-Rezeptors durch THC und selektive CB2-Rezeptoragonisten aufgrund ihrer antiinflammatorischen Eigenschaften einen hemmen­den Einfluss auf die Entwicklung einer Arteriosklerose habe. „Cannabisprodukte sollten daher nicht geraucht, sondern mit einem Inhalator oder oral eingenommen werden, um gesundheitsschädigende Wirkungen durch toxische Verbrennungsprodukte zu vermei­den.“

Heute trat auch das das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ in Kraft treten. Spätestens dann können Ärzte Medizinalcannabis als Therapieoption verordnen, wobei Nutzen und Risiken abzuwägen sind. Eine Begleiterhebung, die das Bundesinstitut für Arznei­mittel und Medizinprodukte (BfArM) durchführt, soll Chancen und Risiken aufdecken. Wie Ärzte mit dieser Erhebung umgehen müssen, wird das BfArM nach Inkraft­treten des Gesetztes in einem Informationsblatt mitteilen. „Bis dahin müssen Ärzte keine Daten übermitteln“, sagte der Leiter der Bundesopiumstelle, Peter Cremer-Schaeffer, bei einer Pressekonferenz in Berlin letzte Woche.

Cannabisagentur soll Ernte und Qualität kontrollieren

Berlin – Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geht davon aus, dass Cannabis zu medizinischen Zwecken erst ab 2019 aus dem Anbau in Deutschland zur Verfügung stehen wird. Kontrolliert werden sollen Ernte und Qualität der Pflanze durch die Cannabisagentur. Diese richtet das BfArM unter seinem Dach ein, sobald das Gesetz „Cannabis als Medizin“ in Kraft tritt [...]

© gie/aerzteblatt.de

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