Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Neandertaler in Spanien nutzte bereits eine Art Aspirin und Antibiotika

Donnerstag, 9. März 2017

Höhle in El Sidron mit zwölf Neandertalern, die etwa 49.000 Jahre alt sind
In einer Höhle in El Sidron wurden zwölf Neandertaler entdeckt, die etwa 49.000 Jahre alt sind. /Paleoanthropolog Group MNCN-CSIC, Photo by Antonio Rosas

Adelaide/Liverpool – Unser ausgestorbener Verwandter, der Neandertaler, nutzte vor mehr als 40.000 Jahren bereits Medizin auf Pflanzenbasis. Das zeigt eine Analyse des Zahnbelags von vier Skeletten, die in Spy/Belgien und in El Sidrón/Spanien gefunden wurden. Die Ergebnisse der ältesten bisher durchgeführten genetischen Zahnbelags­analyse wurden in Nature publiziert (2017; doi: 10.1038/nature21674).

„Die DNA von Mikroorganismen, die einst im Mund des Neandertalers lebten, und die von Erregern aus dem Atem­wegs- oder dem Magen-Darm-Trakt können wir noch heute im Zahnbelag finden“, sagt Erstautorin Laura Weyrich vom Austra­lian Center for Ancient DNA.

Selbst Essensreste, die zwischen den Zähnen stecken geblieben sind, können die For­scher im Zahnbelag nachweisen. Die DNA-Analyse ergibt somit ein umfang­­reiches Bild des Lebensstils unseres entfernten Verwandten.

In Belgien aßen die Neandertaler unter anderem Wollnashörner und wilde Schafe (mouflon), als Beilage habe es Pilze gegeben, berichtet Alan Cooper, der Direktor des ACAD, über die Ergebnisse der DNA-Analyse. Die Exemplare aus Spanien scheinen hingegen ein weitestgehend vegetarisches Leben geführt zu haben. Pinienkerne, Moos, Pilze und Baumrinde standen auf ihrem Speiseplan.

Selbstmedikation vor mehr als 40.000 Jahren

Einen überraschenden Fund machten die Forschern aus Adelaide zusammen mit For­schern der University of Liverpool bei einem der spanischen Skelette. Hier konnten sie am Kiefer einen Zahnabszess nachweisen. Zudem hatte sich der spanische Neander­taler laut DNA-Analyse einen Parasiten (Enterocytozoon bieneusi) eingefangen und müsste an akutem Durchfall gelitten haben. Darüber hinaus fanden die Forscher fast das komplette Genom des extremophilen Archaeen Methanobrevibacter oralis, was mit 48.000 Jahren das älteste analysierte mikrobielle Genom darstellt. 

Die DNA-Analyse zeigte aber auch, dass der kranke Vorfahre sich medizinisch zu helfen wusste. Der Zahnbelag brachte DNA einer Pappel und von Schimmelpilzen zum Vor­schein. Die Pflanze enthält schmerzlindernde Salizylsäure, der Schimmelpilz ist mit einem natürlichen Antibiotikum, dem Penicillin, ausgestattet. Beide DNA-Nachweise konnten in den anderen drei Skeletten nicht gefunden werden. „Der Einsatz von Antibio­tika wäre sehr erstaunlich, 40.000 Jahre bevor wir das Penicillin entdeckt haben“, kom­men­tiert Cooper. In jedem Fall werfen die Ergebnisse ein neues Licht auf den Neander­taler, der als eher einfach gestrickt gelte. © gie/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

26.05.17
Fersenschmerz: Extrakorporale Stoßwellentherapie besser als Ultraschall und Iontophorese
Eine Reizung und Entzündung der Sehnenplatte in der Fußsohle kann zu Gewebsveränderungen und damit zu Fersenschmerzen führen. / SENTELLO, stock.adobe.com Köln – Im November 2016 hatte das Institut für......
24.05.17
Umweltstandards müssen Teil der Zulassung von Arzneimitteln werden
Freiburg – Umweltstandards müssen weltweit Teil der Zulassung pharmazeutischer Produkte werden. Dies muss insbesondere für Antibiotika und Chemotherapeutika gelten, wie aus einem Antrag des Deutschen......
21.05.17
Antibi­otika-Resistenzen: EMA will Indikationen für Vancomycin einschränken
London - Die europäische Arzneimittel-Agentur EMA möchte den Einsatz des Reserveantibiotikums Vancomycin einschränken. Um die Gefahr einer Resistenzentwicklung zu vermindern, soll die orale Behandlung......
18.05.17
Greenpeace findet multiresistente Keime und Antibiotika in Gülle
Hamburg – Gülle aus Schweineställen trägt nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace großflächig multiresistente Keime und Antibiotika in die Umwelt. Wie die Organisation heute unter......
15.05.17
Ärzte in Mecklenburg-Vor­pommern verschreiben Kindern weniger Antibiotika
Potsdam/Schwerin – Die Ärzte im Nordosten verschreiben Kindern weniger häufig Antibiotika zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Eine aktuelle Analyse der AOK Nordost ergab einen Rückgang um 31......
11.05.17
NSAID: Herzinfarktrisiko nimmt schon in der ersten Woche der Einnahme zu
Montreal – Patienten, die wegen entzündlicher Erkrankungen mit einem nichtsteroidalen Antiphlogistikum (NSAID) behandelt werden, haben bereits in der ersten Woche ein erhöhtes Risiko, einen......
10.05.17
Guter Schlaf kann Schmerzen lindern (Kaffee hilft auch)
Boston – Ein akuter oder chronischer Schlafentzug erhöht möglicherweise die Schmerzempfindlichkeit. Dies zeigen tierexperimentelle Studien in Nature Medicine (2017; doi: 10.1038/nm.4329), in denen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige