Vermischtes

Neandertaler in Spanien nutzte bereits eine Art Aspirin und Antibiotika

Donnerstag, 9. März 2017

Adelaide/Liverpool – Unser ausgestorbener Verwandter, der Neandertaler, nutzte vor mehr als 40.000 Jahren bereits Medizin auf Pflanzenbasis. Das zeigt eine Analyse des Zahnbelags von vier Skeletten, die in Spy/Belgien und in El Sidrón/Spanien gefunden wurden. Die Ergebnisse der ältesten bisher durchgeführten genetischen Zahnbelags­analyse wurden in Nature publiziert (2017; doi: 10.1038/nature21674).

„Die DNA von Mikroorganismen, die einst im Mund des Neandertalers lebten, und die von Erregern aus dem Atem­wegs- oder dem Magen-Darm-Trakt können wir noch heute im Zahnbelag finden“, sagt Erstautorin Laura Weyrich vom Austra­lian Center for Ancient DNA.

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Selbst Essensreste, die zwischen den Zähnen stecken geblieben sind, können die For­scher im Zahnbelag nachweisen. Die DNA-Analyse ergibt somit ein umfang­­reiches Bild des Lebensstils unseres entfernten Verwandten.

In Belgien aßen die Neandertaler unter anderem Wollnashörner und wilde Schafe (mouflon), als Beilage habe es Pilze gegeben, berichtet Alan Cooper, der Direktor des ACAD, über die Ergebnisse der DNA-Analyse. Die Exemplare aus Spanien scheinen hingegen ein weitestgehend vegetarisches Leben geführt zu haben. Pinienkerne, Moos, Pilze und Baumrinde standen auf ihrem Speiseplan.

Selbstmedikation vor mehr als 40.000 Jahren

Einen überraschenden Fund machten die Forschern aus Adelaide zusammen mit For­schern der University of Liverpool bei einem der spanischen Skelette. Hier konnten sie am Kiefer einen Zahnabszess nachweisen. Zudem hatte sich der spanische Neander­taler laut DNA-Analyse einen Parasiten (Enterocytozoon bieneusi) eingefangen und müsste an akutem Durchfall gelitten haben. Darüber hinaus fanden die Forscher fast das komplette Genom des extremophilen Archaeen Methanobrevibacter oralis, was mit 48.000 Jahren das älteste analysierte mikrobielle Genom darstellt. 

Die DNA-Analyse zeigte aber auch, dass der kranke Vorfahre sich medizinisch zu helfen wusste. Der Zahnbelag brachte DNA einer Pappel und von Schimmelpilzen zum Vor­schein. Die Pflanze enthält schmerzlindernde Salizylsäure, der Schimmelpilz ist mit einem natürlichen Antibiotikum, dem Penicillin, ausgestattet. Beide DNA-Nachweise konnten in den anderen drei Skeletten nicht gefunden werden. „Der Einsatz von Antibio­tika wäre sehr erstaunlich, 40.000 Jahre bevor wir das Penicillin entdeckt haben“, kom­men­tiert Cooper. In jedem Fall werfen die Ergebnisse ein neues Licht auf den Neander­taler, der als eher einfach gestrickt gelte. © gie/aerzteblatt.de

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