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Fachberufe im Gesundheitswesen: „Die Digitalisierung wird unsere Berufsbilder verändern“

Donnerstag, 9. März 2017

Berlin – Wie wirkt sich die Digitalisierung im Gesundheitswesen auf die Arbeitsbedin­gungen der Gesundheitsberufe aus, und welche Kompetenzen benötigen sie künftig für die Patientenversorgung? Mit diesen und weiteren Fragen befasste sich die 29. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen bei ihrer Jahrestagung gestern im Haus der Bundes­ärzte­kammer (BÄK).

„Lassen Sie sich nicht einreden, wir Ärzte seien gegen eine Digitalisierung oder telematische Methoden oder Telematikplattformen oder Ähnliches – ganz im Gegenteil. Wir haben eine einzige Bedingung: das sogenannte Fernbehandlungsverbot“, stellte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery eingangs fest. Dies heiße längst nicht mehr, dass Ärzte überhaupt keinen Patienten mit elektronischen Methoden behandeln dürfen. „Es heißt lediglich, dass wir einmal während eines Behandlungszyklus auch einen persönlichen Kontakt zwischen Patient und Arzt verlangen“, betonte er. Dies werde auch beim diesjährigen Deutschen Ärztetag in Freiburg diskutiert. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist ein Schwerpunktthema der Veranstaltung.

Leichter und effizienter Informationen austauschen 

„Die Digitalisierung wird zu einer stärkeren Vernetzung der Patientenversorgung beitragen. Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und Gesundheitsfachberufe werden leichter und effizienter Informationen austauschen können“, hob Max Kaplan, Vize-Präsident der BÄK und Vorsitzender der Fachberufekonferenz, hervor. Dadurch ergäben sich neue Formen der Zusammenarbeit zum Wohle des Patienten. Voraussetzung für den Nutzen der Digitalisierung sei aber, dass sich die neuen technischen Möglichkeiten ohne Reibungsverluste in die Arbeitsabläufe einfügen. Klar sei aber auch: „Unsere Berufsbilder werden sich ändern, und wir müssen uns darauf einstellen und dem auch gerecht werden“, so Kaplan. „Wir müssen uns einbringen und technische Lösungen mit dem notwendigen Fachwissen unterfüttern.“

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Welche Möglichkeiten digitale Technologien im  Versorgungsalltag für Patienten und Behandler bieten, verdeutlichte Sascha Sommer von der Hochschule für Gesundheit, Bochum, anhand der logopädischen Behandlung von Sprech- und Sprachstörungen. Die Anwendungen reichen ihm zufolge von einfachen Youtube-Videos etwa zur Visua­lisierung sprechmotorischer Abläufe bei Störungen der Aussprache bei Kindern bis zu ausgefeilten, evidenzbasierten Technologien wie der Kasseler Stottertherapie, die logopädische und verhaltenstherapeutische Aspekte verbindet und inzwischen auch als Internettherapie absolviert werden kann. Zu klären sei dabei stets, welche Technologie wann für wen und in welchem Setting geeignet sei, sagte Sommer.

Weitere Einsatzbeispiele sind unter anderem das Schluck-Assessment per Tele­schaltung, das an der Universität Blackpool erprobt wird, sowie die Teletherapie bei Aphasiepatienten nach Schlaganfall über eine speziell entwickelte und evaluierte App, die ergänzend zur Präsenztherapie genutzt wird.

Höhere Anforderungen an die Interdisziplinarität und Teamorientierung

Der Einsatz dieser Technologien verändert dabei nicht nur die Beziehungen und Interaktionen zwischen Patienten und Behandelnden. Sie wirkt sich auch auf die Kooperation zwischen Ärzten und Angehörigen der Gesundheitsfachberufe aus, etwa durch höhere Anforderungen an die Interdisziplinarität und Teamorientierung.

Darüber hinaus diskutierten die Konferenzteilnehmer auch darüber, welche Kompetenzen die Fachpersonen vor diesem Hintergrund  benötigen und wie diese in der Aus- und Fortbildung vermittelt werden können. Derzeit seien die Gesundheitsfachberufe nicht ausreichend auf die Herausforderungen der digitalen Technologien im Gesundheitswesen vorbereitet, meinte Manfred Hülsken-Giesler, Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar. Im Hinblick auf die Technikentwicklung seien die Verbände oft zu defensiv anstatt zu fragen: „Was wollen wir an Technologie?“, kritisierte der Pflegewissenschaftler.  Technikentwicklung müsse die Partizipation der Gesundheitsfachberufe mit beinhalten, daher müssen sie beispielsweise mit Ingenieuren und Technikern reden können. Das erfordere beispielsweise auch die Beherrschung von Technologien und Recherchetechniken.

Hochstand­ardisierte Abläufe in der Strahlentherapie

Wie stark digitale Technologien bereits den Alltag insbesondere der technischen Gesundheitsberufe dominieren, demonstrierte Andreas Pfeiffer vom Klinikum Stuttgart mit Beispielen aus der Strahlentherapie und der Labormedizin. Dort folgen viele Abläufe inzwischen den Prinzipien einer computerintegrierten Produktion, wie sie unter dem Schlagwort Industrie 4.0 in anderen Branchen schon länger üblich sind.

Die Prozesse etwa beim Planungs-CT oder in der Laborautomation sind hochstand­ardisiert. Der Ersatz mechanischer Arbeit durch Informationstechnologie erfordert jedoch ein deutlich höheres Abstraktionsvermögen als bisher, und  Risiko-, Prozess- und Ausfallmanagement erhalten einen immer höheren Stellenwert. Diese Kompetenzen müssen daher auch in den entsprechenden Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen sowie in der Fortbildung berücksichtigt werden, forderten die Teilnehmer der Konferenz.

© KBr/EB/aerzteblatt.de

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