Medizin

USA: Ernährungsfehler erklären 45 Prozent aller kardiometabolischen Todesfälle

Donnerstag, 9. März 2017

Boston – Fast die Hälfte aller Todesfälle durch kardiometabolische Krankheiten, also Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zusammengenommen, waren in den USA im Jahr 2012 auf zehn ungesunde Ernährungsweisen zurückzuführen. Dies ergaben Berech­nungen von Epidemiologen und Ernährungswissenschaftlern im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 317: 912-924).

Beobachtungsstudien haben in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Ernährungs­weisen mit einem erhöhten Sterberisiko an Herzerkrankungen, Schlaganfall und Dia­betes in Verbindung gebracht. Ein Team um Renata Micha von der Friedman School of Nutrition Science and Policy in Boston hat die Verbreitung der zehn wichtigsten Ernäh­rungsfehler in der US-Bevölkerung analysiert und dann in einem Modell den Anteil der einzelnen Faktoren an den kardiometabolischen Todesfällen berechnet. Die Zahlen gelten deshalb streng genommen nur für die USA, in der Tendenz dürften sie allerdings exemplarisch für alle westlichen Länder sein, deren Ernährungsweise sich der US-amerikanisch Fastfoodküche angenähert hat.

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Im Jahr 2012 sind in den USA 702.308 Menschen an den Folgen von Herzerkrankungen gestorben, davon 506.100 an Herzerkrankungen, 128.294 am Schlaganfall und 67.914 an den Folgen eines Typ-2-Diabetes. Nach den Berechnungen von Micha sind 318.656 Todesfälle (95-Prozent-Konfidenzintervall 306.064 bis 329.755) oder 45,4 Prozent die Folge von langjährigen Ernährungsfehlern. 

Den größten Anteil hatte dabei ein zu hoher Kochsalzverzehr mit 9,5 Prozent, gefolgt von einem zu geringen Verzehr von Nüssen und Samen (8,5 Prozent), einem zu hohen Verzehr von verarbeitetem Fleisch (8,2 Prozent), dem Verzehr von zu wenig Omega-3-Fettsäure-haltigen Meeresfrüchten (7,8 Prozent), dem Verzehr von zu wenig Gemüse (7,6 Prozent), dem Verzehr von zu wenig Obst (7,5 Prozent) und ein zu hoher Konsum von Süßgetränken (7,4 Prozent).

Dabei hat sich die Ernährung der US-Amerikaner seit 2002 verbessert. Damals waren noch 21 Prozent mehr Menschen durch den zu niedrige Konsum von mehrfach unge­sättigten Fetten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes gestorben. Die diät­bezogene Mortalität durch einen geringen Verzehr von Nüssen war um 18 Prozent höher, und Süßgetränke forderten 14,5 Prozent mehr Opfer. Der Anteil der durch Kochsalz verursachten kardiometabolischen Todesfälle war dagegen 2002 um 5,8 Prozent niedriger als 2012, und der Verzehr von unverarbeitetem rotem Fleisch hatte 14 Prozent weniger Todesfälle gefordert als zehn Jahre später.

Das alles sind natürlich nur die Ergebnisse statistischer Berechnungen, die auf unsiche­ren Annahmen beruhen. Sie gehen davon aus, dass die Assoziationen in Beobach­tungs­studien eine Kausalität widerspiegeln, was nicht notwendigerweise der Fall ist. Der hohe Verzehr von rotem Fleisch beispielsweise könnte auch ein Indikator für eine westliche Lebensweise sein, die aus anderen Gründen zum Tode führt, etwa weil sich dicke Menschen zu wenig bewegen oder anderen Risiken (etwa Stress) ausgesetzt sind, die weniger gut messbar sind.

Zum zweiten hängt das Ergebnis von der Auswahl der Risikofaktoren ab. Nicht berück­sichtigt wurden beispielsweise Transfette, der Zuckerkonsum insgesamt und die Zufuhr von Kalium (letzteres mit potenziell protektiven Auswirkungen). Zum dritten ist es extrem schwierig, die Interaktion der einzelnen Ernährungsweisen zu berücksichtigen. Für Noel Mueller vom Welch Center for Prevention, Epidemiology, and Clinical Research in Baltimore, der im Editorial auf diese möglichen Einwände hinweist, sind die Ergebnisse deshalb nur eine erste Annäherung, die nichtsdestotrotz für die individuelle Lebens­planung und für gesundheitspolitische Entscheidungen relevant sein könnten. © rme/aerzteblatt.de

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