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Politik

Legalisierung der Eizellspende in Deutschland

Mittwoch, 15. März 2017

Künstliche Befruchtung (in-vitro-fertilization) mittels Eizellspende.
/sola_sola, stock.adobe.com

Berlin – Am 22. März will der Deutsche Ethikrat in der Berlin-Brandenburgischen Aka­de­mie der Wissenschaften mit Ethnologen, Pädagogen, Philosophen und Rechtswis­sen­schaftlern über die Konsequenzen aus dem zunehmenden Reproduktionstourismus diskutieren. Die Paare suchen im Ausland hauptsächlich Hilfe mittels Eizellspende, die derzeit in Deutschland nicht erlaubt ist. Es ist eine Konstellation, die man offenbar nicht länger auf sich beruhen lassen will.

Im Mittelpunkt soll die Frage stehen, welche Schwierigkeiten daraus resultieren. Es geht nicht nur um die betroffenen Paare, auch um die Spenderinnen, die beteiligten Ärzte und Gesundheitsfachkräfte sowie nicht zuletzt um die mittels Eizellspende geborenen Kinder.

Währenddessen werden die Forderungen nach einer Legalisierung der Eizellspende in Deutschland immer lauter. Das Deutsche Ärzteblatt hat dazu führende Experten um eine Stellungnahme zu dieser Frage gebeten:

Halten Sie es für notwendig, die Eizellspende in Deutschland zu legalisieren?

Prof. Dr. med. Wolfgang Würfel, Kinderwunsch Centrum München:

„Eindeutig ja, denn wir sehen, dass der Bedarf für viele Paare mit Kinderwunsch da ist, die derzeit allein im Ausland Hilfe erhalten. Sicherlich sind die medizi­nischen Standards in einigen Ländern wie Spanien oder Tschechien, wohin die meisten für eine solche Behand­lung gehen, in der Regel sehr gut. Allerdings ist dies nicht überall gewährleistet.

Wenngleich keine Schwangere irgendwelche Sank­tionen fürchten müsste, bewirkt doch die derzeiti­ge Verbotsregelung, dass oftmals geheim gehalten wird, wie das Kind oder die Mehrlin­ge gezeugt worden sind. Daraus resultiert, dass die hierzulande für die Schwangeren Sorge tragenden Geburtshelfer nicht auf die erhöhten Risiken einer mittels Eizellspende zustande gekommenen Schwangerschaft vorbereitet sind. Das kann Mutter und Kind gefährden. Es wäre daher wünschenswert, dass die Eizellspende nach hiesigen Standards legalisiert würde.“

Prof. Dr. jur. Jochen Taupitz, Universität Mannheim, Vorsitzender der Zentralen Ethikkommission bei der Bundes­ärzte­kammer (ZEKO):

„Das Verbot der Eizellspende ist im deutschen Embryonenschutzgesetz eindeutig formu­liert und als solches unbestritten. Allerdings wird natürlich heftig darüber diskutiert, ob es rechtspolitisch sinnvoll ist und ob es mit der Verfassung in Einklang steht. Denn das Verbot stellt einen erheblichen Eingriff in die Fortpflanzungsfreiheit und in das Recht auf Familiengründung dar. Erfahrungen im Ausland zeigen, dass bei dem Kind in der Regel keine seelischen Konflikte oder Identitätsfindungsprobleme entstehen, wenn es erfährt, dass es zwei Mütter hat, nämlich die Eizellspenderin und die Mutter, die es ausgetragen und geboren hat. Entsprechende Befürchtungen des deutschen Gesetzgebers haben sich also als unbegründet herausgestellt.

Zur Vermeidung der immer wieder befürchteten Kommerzialisierung der Eizellspende und zur Wahrung der Freiwilligkeit der Spende kann an ähnliche Einschränkungen wie bezüglich der Lebendorganspende im geltenden Transplantationsrecht gedacht werden. Es wäre deshalb zu begrüßen, wenn das strikte Verbot der Eizellspende aufgehoben würde.“

Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel, UniKiD Kinderwunsch Universitätsklinik Düsseldorf:

„Eindeutig ja, denn das derzeitige Verbot ist eine Ungleichbehandlung: Die Samenspen­de ist erlaubt, die Eizellspende hingegen nicht. Die Betroffenen entschei­den sich gewiss nicht leichtfertig dafür, ein Kind auszutragen, dass nicht genetisch mit der Mutter ver­wandt ist. Mein Hauptargument wendet sich vor allem gegen den geradezu pharisäer­haften Widerspruch zu dem Zugeständnis, dass jedes Spenderkind das Recht haben soll, seinen biologischen Vater kennenzulernen.

Deutschland zwingt mit seinem Verbot die Frauen, in Länder zu gehen, wo die Eizell­spende vollkommen anonym ist, etwa in Spanien oder Tschechien. Dorthin begeben sich schätzungsweise die Hälfte der Betroffenen, um mittels Eizellspende schwanger zu werden. Somit ist diesen Kindern verwehrt, ihre biologische Mutter kennenzulernen. Das hohe Rechtsgut, dass wir in Sachen Samenspende verteidigen, wird folglich in Sachen Eizellspende ignoriert.“

PD Dr. sc. hum. Tewes Wischmann, Institut für Medizinische Psychologie am Universitäts­klinikum Heidelberg:

„Dieser Frage stehe ich ambivalent gegenüber. Einerseits empfinde ich es als unsinnig, wenn Frauen aufgrund eines Verbotes in Deutschland die Leistung dann eben im Aus­land in Anspruch nehmen – und das zu meist schlechten psychosozialen Konditionen. Denn in den vielen Ländern erfolgt die Eizellspende anonym. Damit hat das Kind später keine Möglichkeit, etwas über seine Herkunft und leibliche Mutter zu erfahren. In Finn­land sind dagegen alle Eizellspenderinnen identifizierbar. Dies ist aus psychosozialer Sicht eindeutig besser, da das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung gewahrt bleibt.

Andererseits empfinde ich es als problematisch, die Eizellspende mit der Samenzell­spende gleichzusetzen und zu legalisieren. Denn die Eizellspende ist im Gegensatz zur Samenzellspende ein nicht risikofreier Eingriff. Ihrer Kommerzialisierung muss klar Einhalt geboten werden. Ein Blick nach Spanien beispielsweise zeigt uns doch, dass es keineswegs nur altruistische Gründe sind, die Studentinnen veranlassen, ihre Eizellen zu spenden. Möglicherweise lassen sich tragfähige Lösungen für die Eizellspende ebenso wie für die Organspende finden. Fest steht jedoch, dass das mittlerweile über 25 Jahre alte ESG reformiert werden muss.“ © mls/ER/aerzteblatt.de

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doc.nemo
am Donnerstag, 16. März 2017, 16:39

Gemach, Herr WiseDoc,

werden Sie Ihrem Aliasnamen gerecht und respektieren Sie andere Meinungen, die der Ihren widersprechen. Was Mathilda gesagt hat, ist weder unfassbar noch widerwärtig, sondern rational und vernünftig. Es gibt grundsätzlich keine naturgegebenen Rechte, sondern sie sind das Ergebnis eines gesellschaftlichen Konsenses (so sollte es zumindest sein), an den man sich dann halten muss. Auch wenn sie der eigenen Ansicht widersprechen.
WiseDoc/ii
am Donnerstag, 16. März 2017, 14:50

Re: Deutschland lebt nach wie vor einen Mutter-Kult

@Mathilda:

Das, was sie da schreiben, ist hart an der Grenze zu etwas, was zwischen unfassbar und widerwärtig changiert.

Was führt sie dazu, das Recht eines Menschen auf Kenntnis seiner Abstammung UNTER das Recht seiner ggf. nur sozialen Eltern auf "informationelle" Selbstbestimmung zu stellen?

Zumal ich nicht glaube, dass da auch nur einer das "Ei im Sack" kauft, sondern man und frau sich schön die biologische Perfektion mit Haftungsanspruch zusichern lassen wird, also eh alles im Vorfeld juristisch durvchdekliniert wird - wer holt sich schon ein Kind von Eierzeugern, die er nicht kennt?

Ihre "informelle Selbstbestimmung" passt leider in das Bild des Mainstream - eine schönes Leben, alles schön entschieden so wie man & frau das gerade will (und wie es gerade zur Einrichtung der Wohnung passt - "nein, Kindern jetzt noch nicht bei dem schönen Leder der Designersofas, und da kommt ja noch die Selbstverwirklichungs-Weltreise...")

Angenommen, die biologischen Eltern eines Eizellen-Spendekindes haben genetische Defekte, die die sozialen Eltern nicht haben. Was sie fordern, heißt "Pech gehabt, Kindchen!" Es geht hier bene nicht um intimste Detaisl der Eltern, sondern um intimste Deteils DES KINDES.

Die Rechte eines Menschen auf Kenntnis seiner Abstammung liegen bei dem Menschen, der das wissen möchte. Wenn "soziale" Eltern nicht damit umgehen können, wie sie "ihrem" Kind das erklären können mit den Eltern, dann sollten solche Menschen besser gar keine Kinder kriegen - denen mengelt es an der Fähigkeit, ihren Kindern verantwortungsvoll zu begegnen. Man kann das Leben eines Menschen nicht auf einer "gändigen Lüge" aufbauen.

Ich habe selten eine so schwaches Geschreibsel gelesen, wie das, was sie hier von sich geben.

Ich hoffe, der Ethikrat trifft eine weise Entscheidung für die Kinder und macht diese nicht zu Spielbällen des Selbstverwirklichungswahns sogenannter "Eltern", die eigentlich ggf. nur "Erzieher" sind.
Max Schneider
am Donnerstag, 16. März 2017, 14:44

ESG Reformierung kaum möglich

Viele aber werden lieber die ausländische europäische Eizellspende in Anspruch nehmen, als noch jahrelang warten, bis ESG endgültig reformiert wird. z.B: Annegret Raunigk hatte keine Zeit mehr, lange nachzudenken :-)
thunder
am Donnerstag, 16. März 2017, 11:20

illegale Hilfe vom Ausland

Abgesehen davon dass in Deutschland strenge Gesetze gelten, schaffen Kinderlose es jedoch, mithilfe der Eizellenspende zu Eltern zu werden. Jährlich pilgern tausende von unfruchtbaren Paaren nach den Spanien, Großbritannien, Tschechien oder in die Ukraine, um diese anrüchigen Verfahren der Fortpflanzungsmedizin in Anspruch zu nehmen.
Mathilda
am Donnerstag, 16. März 2017, 08:23

Deutschland lebt nach wie vor einen Mutter-Kult

Der Mutter-Kult in Deutschland verbietet es, auch nur zu denken, ein Kind könnte eine andere biologische Mutter als seine soziale Mutter haben. So wie heute Scheidungskinder von vielen Gerichten nach wie vor der Mutter zugesprochen werden. Oder Mütter bei Kindestötungen immer schuldig sind, die Schuld des Vaters aber oft ignoriert wird. Mutter, Mutter, Mutter... So eine Art Gottgegebenheit. Wird dabei mal überlegt, woher dieser Mutter-Kult historisch überhaupt stammt? Sicher nicht nur aus der Nazi-Zeit, aber schon zu großen Teilen...

Sicher sollte die Eizellspende geregelt werden. Schließlich können Eizellen nur durch eine Hormonbehandlung gewonnen werden.
Andererseits sollte Deutschland das "Recht des Kindes auf Kenntnis der Abstammung" doch noch mal hinterfragen. Es widerspricht sich eklatant mit den Rechten der sozialen und biologischen Eltern auf informelle Selbstbestimmung.
Und solange kein konkreter Grund für eine Informationsweitergabe an das Kind vorliegt (eine schwere erblich bedingte Krankheit zum Beispiel) sollten die Daten gerne vorgehalten werden, aber ohne das Recht des Kindes, sie einsehen zu dürfen.
Schon alleine, dass es den (sozialen) Eltern freigestellt sein muss, das Kind überhaupt zu informieren, dass es eine(n) biologische(n) Mutter/Vater hat, die/der nicht die soziale ist, sollte selbstverständlich sein. Schließlich geht es hier um intimste Details der Eltern, die das Kind (sorry!) überhaupt nichts angehen!
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 16. März 2017, 01:19

Nein, gibt es (noch) nicht!

Liegt es aus bio-psycho-sozialen Gründen evtl. daran, dass "Kinder machen Männer- und Kinder bekommen Frauensache sind"???
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)
heidezett
am Donnerstag, 16. März 2017, 00:38

Und der Herr sprach... .

Gibt es nicht auch weibliche Expertinnen zu dieser Fragestellung, die der Ausgewogenheit zuliebe hätten zu wenigstens ein Viertel zu Wort kommen können?

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