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Medizin

ADHS fördert unternehmerische Eigenschaften

Donnerstag, 9. März 2017

München – Einen neuen Blick auf die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ermöglicht eine Studie des Lehrstuhls für Entrepreneurship der Technischen Universität München (TUM). Danach sind die ADHS-Symptome durchaus geeignet, unternehmerischen Erfolg zu verstärken. Die Arbeit ist in der Zeitschrift Journal of Business Venturing Insights erschienen (2016; doi: 10.1016/j.jbvi.2016.07.001).

Konzentrationsschwäche, Hyperaktivität, fehlende Selbstregulation – die ADHS äußert sich mit Symptomen, die auf den ersten Blick die Leistungsfähigkeit mindern. „Aber irgendwann fiel uns auf: Einige Symptome der Störung ähneln den Verhaltensweisen, die man gemeinhin als unternehmerisch bezeichnet – und zwar im positiven Sinn“, erläutert Holger Patzelt vom Lehrstuhl für Entrepreneurship der TUM. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus den USA und aus Großbritannien befragte er Selbstständige mit ADHS zu ihrer Diagnose, ihrer Arbeit und ihrem persönlichen Hintergrund.

Langeweile in ihrem früheren Job nannten mehrere Befragte als Grund, sich selbststän­dig zu machen. In schwierigen Situationen, wie Gesprächen mit wichtigen Kunden, blü­hen viele Befragte auf. „Ihre durch ADHS ausgelöste Impulsivität verschafft ihnen den Vorteil, auch in unvorhergesehenen Umständen zu agieren, ohne in Angst und Paralyse zu verfallen“, sagt Patzelt. Einen Nachteil ihrer Impulsivität nannten aber alle Befragten: Probleme mit Routinearbeiten wie der Buchführung.

Sind Menschen mit ADHS an einer Aufgabe besonders interessiert, können sie bekannt­lich eine außergewöhnlich intensive Konzentration auf diese Tätigkeit entwickeln, den sogenannten Hyperfokus. „Unternehmer können sich mit Leidenschaft, Beharrlichkeit und dem Fachwissen, das sie aufgrund dessen aufbauen, einen großen Wettbewerbs­vorteil verschaffen“, bewertet Patzelt. Allerdings arbeiteten viele Befragte Tag und Nacht, ohne sich Freizeit zu nehmen. Da ihr Energielevel nicht gleichbleibend hoch sei, kommt ihnen die Selbstständigkeit entgegen, in der sie sich ihre Arbeit selbst einteilen könnten. 

„ADHS war ein wesentlicher Faktor bei der Entscheidung, sich selbstständig zu machen, und hat die Ausprägung wichtiger unternehmerischer Eigenschaften beeinflusst: Risiko­freude, Leidenschaft, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, viel Zeit zu investieren“, fasst Patzelt zusammen. © hil/aerzteblatt.de

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