Ausland

Gelbfieber in Brasilien beunruhigt US-Behörde

Freitag, 10. März 2017

Bethesda/Maryland – Eine schwelende Gelbfieber-Epidemie in Brasilien weckt in den USA unangenehme Erinnerungen. Der Leiter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) rief im New England Journal of Medicine (2017; doi: 10.1056/NEJMp1702172) die Ärzte auf, bei Reiserückkehrern auf die unspezifischen Symptome der Erkrankung zu achten.

Das Gelbfieber, das vermutlich im 17. Jahrhundert mit dem Sklavenhandel nach Ameri­ka eingeschleppt wurde, hat seither auf dem Doppelkontinent unzählige Todesopfer gefordert. Unvergessen ist die schwere Epidemie von 1793, als ein Zehntel der Bevöl­kerung Philadelphias am Gelbfieber starb. Die Bundesregierung verließ fluchtartig die damalige Hauptstadt.

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Das Gelbfiebervirus wird wie das Denguevirus, das West-Nil-Fieber-Virus, das Chikun­gunyavirus und das Zikavirus durch Mücken übertragen. Alle vier Arboviren sind in den letzten Jahren in den USA neu aufgetreten, und das Gelbfieber könnte schon bald als fünftes neue Arbovirus folgen, befürchtet NIAID-Direktor Anthony Fauci. Eine landes­weite Epidemie sei zwar nicht zu befürchten, da die Gelbfiebermücke Aedes aegypti in den USA nicht weit verbreitet ist. In Florida war es allerdings im letzten Jahr zu autoch­thonen Infektionen mit dem Zikavirus gekommen, für das Aedes aegypti ebenfalls der wichtigste Vektor ist.

Die Sorge von Fauci gründet sich auf einen Ausbruch des Gelbfiebers, der in den letzten Wochen in ländlichen Regionen im Süden Brasiliens (in den Staaten Minas Gerais, Espírito Santo und São Paulo) zu 234 bestätigten Erkrankungen und 80 Todesfällen geführt hat. Es handelt sich um eine sogenannte sylvatische Ausbreitung: Die Patienten wurden von Mücken gestochen, die sich bei Waldtieren infiziert haben. Das Gelbfieber­virus infiziert neben dem Menschen noch andere Primaten. Eine Übertragung Mensch-Mücke-Mensch soll noch nicht aufgetreten sein.

Da nur wenige Touristen die betreffenden Regionen besuchen, ist die Gefahr von reise-assoziierten Gelbfieber-Erkrankungen derzeit gering. Dies könnte sich jedoch schlag­artig ändern, falls die Viren die Großstädte der Region, etwa São Paulo, erreichen, schreibt Fauci. In diesem Fall könnte es schnell zu einem Anstieg der Erkrankungs­zahlen kommen.

Die Erkrankungen werden im Anfangsstadium leicht übersehen. Im ersten Stadium kommt es häufig nur zu einem schweren grippalen Infekt. Neben einem ungewöhnlich hohen Fieber können laut Fauci Bradykardie, Leukopenie und ein Anstieg der Leber­enzyme auf ein beginnendes Gelbfieber hinweisen. Die meisten Patienten erholen sich nach einigen Tagen. Typisch für das Gelbfieber ist ein Rückfall nach einem relativ beschwerdefreien Intervall von 24 bis 48 Stunden. Dann kommt es zu einem hämorrha­gischen Fieber sowie zum Leberversagen. Die Letalität der Erkrankung beträgt dann zwischen 60 bis 70 Prozent.

Im letzten Jahr war es in Angola und im benachbarten Kongo zu einer Epidemie gekom­men. In den beiden Ländern erkrankten mindestens 961 Menschen, von denen 137 starben. Die WHO konnte die Epidemie erst nach der Impfung von mehr als 30 Millionen Menschen stoppen. In der Zwischenzeit war der Impfstoff so knapp, dass fünf Men­schen mit der für einen Menschen vorgesehenen Dosis geimpft werden mussten. In China gab es einige Erkrankungen unter Reiserückkehrern, die jedoch offenbar nicht von einheimischen Mücken gestochen wurden. Wegen der fehlenden Immunität der chinesischen Bevölkerung hätte es sonst zu einer schweren Epidemie kommen können. © rme/aerzteblatt.de

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