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Medizin

Große Unterschiede bei der postoperativen Schmerztherapie

Freitag, 10. März 2017

Patienten auf dem Weg in die Klinik
Die Qualität der postoperativen Schmerztherapie variiert aus Patientensicht erheblich zwischen deutschen Krankenhäusern. /beeboys stock.adobe.com

Jena – Wie stark ein Patient Schmerzen nach einer Operation empfindet, hängt auch vom Krankenhaus ab. Im Vergleich mit Kliniken der Grund- und Regelversorgung berichteten Patienten in Universitätskliniken häufiger über eine höhere Schmerz­intensität, Bewegungseinschränkungen und sind zudem unzufriedener. Auch Schwerpunktkrankenhäuser schneiden vergleichsweise schlecht ab. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Universitätsklinikums Jena und der Universität Bern in einer prospektiven Studie mit mehr als 21.000 operierten Patienten, die im Deutschen Ärzteblatt (DÄ) veröffentlicht wurde (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 161-67).

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient in einem Universitätsklinikum nach einer Operation über starke Schmerzen klagt, war 2,44 Mal so hoch wie in einer Klinik der Grund- und Regelversorgung (KfGR). Patienten in Schwerpunktkrankenhäusern sind im Vergleich zu jenen in KfGR etwa 1,6 Mal so unzufrieden. Diese Beobachtungen ließen sich nicht durch Unterschiede in den Patientengruppen erklären, da stets für die Patientenmerkmale adjustiert wurde, heißt es in der Studie (siehe Tabelle 2). Am zufriedensten waren Patienten in Kliniken, in denen eine Schmerzdokumentation in der Krankenakte erfolgte und Patienten ausreichend über Therapieoptionen informiert wurden. Die Patienten dort berichteten nach der Operation auch über geringere schmerzbedingte Beeinträchtigungen.

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Klinikspezifische Faktoren, die nicht in den Leitlinien enthalten sind spielen eine Rolle.

  • Zuwendung
  • personelle Kontinuität
  • Empathie des Personals
  • Patienteninformationen
  • räumliche Umgebung

Winfried Meißner und Ko-Autoren gehen davon aus, dass Probleme bei der postoperativen Schmerztherapie auf eine unzureichende Umsetzung der entsprechenden S3-Leitlinien zurück­zuführen ist. Akutschmerzdienste müssen demnach verfügbar sein und der Arzt soll die Schmerzen regelmäßig messen und dokumentieren. Aber nicht immer führe eine leitliniengerechte Behandlung auch zu weniger Schmerzen, merken die Autoren an. Klinikspezifische Faktoren sind ebenso von großer Bedeutung (siehe Kasten). Keinen Einfluss auf das Ausmaß postoperativer Schmerzen habe die Bettenzahl oder die Trägerschaft der Klinik.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Qualität der postoperativen Schmerzversorgung an Krankenhäusern erheblich variiert. Hier bestehe noch ein erheblicher Optimierungs­bedarf schreiben die Autoren um Winfried Meißner im DÄ. Positiv bewerten sie deshalb die von der Gesundheitsministerkonferenz der Länder vorgeschlagene Einführung von Qualitätsindikatoren für den Bereich der (Akut)-Schmerzmedizin.

Für die Studie haben die Forscher Registerdaten von 138 deutschen Kliniken zu vier häufigen Operationen ausgewertet. Dazu zählten die laparoskopische Cholezystek­tomie, die laparoskopische beziehungsweise endoskopische Herniotomie, Hüft- und Kniegelenkersatz. Die Daten stammen aus dem weltweit größten Akutschmerzregister der Initiative QUIPS („Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie“). © gie/aerzteblatt.de

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