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Medizin

Morbus Crohn: Gesteigerte Harnsäure-Produktion nach Vermehrung von Hefen im Darm könnte Symptome fördern

Freitag, 10. März 2017

Salt Lake City – Die vermehrte Besiedlung des Darms mit der Bäckerhefe S. cerevisiae hat in einem Tiermodell des Morbus Crohn eine Colitis gefördert, was laut einer Publikation in Science Translational Medicine (2017; 9: eaaf9044) durch die Behandlung mit dem Harnsäureblocker Allopurinol verhindert wurde.

Eine gestörte Darmflora gilt – neben genetischen Faktoren, einer Fehlregulation des Immunsystems und Umweltfaktoren von Ernährung bis Stress – als mögliche Auslöser entzündlicher Darm­er­krank­ungen. Die Rolle von Pilzen, die nur etwa 0,1 Prozent der Darmflora ausmachen, wurde bisher kaum untersucht. Dabei gibt es Hinweise, dass die Pilze im Darm, insbesondere beim Morbus Crohn, an der Pathogenese beteiligt sein könnten.

So haben 69 bis 70 Prozent der Patienten mit Morbus Crohn Anti-Saccharomyces-cerevisiae-Antikörper (ASCA) im Blut, was gelegentlich zur Differenzialdiagnose zur Colitis ulcerosa verwendet wird, wo ASCA selten sind. Für eine Rolle von Darmpilzen spricht auch, dass sich die Colitis nach einer Antibiotika-Behandlung manchmal verschlechtert. Eine mögliche Erklärung ist eine Überbesiedlung des Darms mit Pilzen, die den Platz der Bakterien einnehmen können.

Ein Team um June Round von der University of Utah School of Medicine in Salt Lake City hat die Bedeutung von Pilzen jetzt an einem Tiermodell der Erkrankung untersucht. Bei Mäusen kann eine Colitis durch orale Exposition mit Trinitrobenzolsulfonsäure oder Natriumdextransulfat ausgelöst werden. Die gleichzeitige Fütterung mit S. cerevisiae führte zu einer deutlichen Verschlimmerung der Darmentzündung, während R. auran­tiaca, eine andere Pilzgattung, keinen Effekt zeigte, weil sie sich im Darm schlecht vermehrt, wie weitere Untersuchungen ergaben.

Die Ausbreitung von S. cerevisiae löste bei den Mäusen eine Störung der Schleim­hautbarriere aus. Der Farbstoff Fluoresceinisothiocyanat war nach oraler Gabe in höherer Konzentration im Blut nachweisbar als bei Tieren ohne eine Fehlbesiedlung des Darms mit S. cerevisiae.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Barriere-Störung durch Harnsäure ausgelöst wurde. Die Harnsäure wurde nicht von S. cerevisiae gebildet (die dazu mangels Enzymen zum Purinabbau nicht in der Lage ist), sondern von den Epithelzellen der Darmschleimhaut. Round deutet dies als mögliche Abwehrreaktion des Körpers gegen die Fehlbesiedlung. Dafür spricht, dass gesunde Menschen, bei denen ASCA im Blut nachgewiesen wurde, erhöhte Harnsäure-Konzentrationen im Blut haben, selbst wenn sie nicht an Morbus Crohn litten.

Als nächstes versetzen die Forscher das Futter der Tiere mit Harnsäure. Dies führte zu der gleichen Entzündung und Barrierestörung im Darm wie die Fehlbesiedlung mit S. cerevisiae. Round vermutet, dass Harnsäure die Entzündung durch Bindung an das Inflammosom NLRP3, einem Bestandteil des natürlichen Immunsystems, fördert. Tatsächlich erkrankten Mäuse, denen die Gene für NLRP3 fehlen, nach der Exposition von Harnsäure im Futter nicht. 

Als nächstes behandelten die Forscher die Mäuse mit Allopurinol. Das Gichtmedikament hemmt das Schlüsselenzym der Harnsäure-Bildung Xanthinoxidase. Die Behandlung war erfolgreich: Allopurinol verhinderte, dass die Mäuse nach einer Fehlbesiedlung des Darms mit S. cerevisiae an einer Colitis erkrankten.

Da Allopurinol als Arzneimittel zugelassen ist, könnte der mögliche Nutzen beim Morbus Crohn sofort in klinischen Studien geprüft werden. Es bleibt abzuwarten, ob diese Anregung von der Forschung aufgenommen wird. Bei Heilversuchen ist zu bedenken, dass Allopurinol nicht unbedingt zu den gut verträglichen Wirkstoffen gehört. Zu den in den Fachinformationen genannten Nebenwirkungen gehören auch Magen-Darm-Unverträglichkeiten. Menschen mit Morbus Crohn könnten hier besonders empfindlich reagieren. © rme/aerzteblatt.de

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