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Medizin

Prädiabetes: Pizza und Pasta am Abend erhöhen den Blutzucker stärker

Samstag, 11. März 2017

stock.adobe.com

Potsdam-Rehbrücke – Menschen mit gestörter Glukosetoleranz sollten kohlenhydrat­reiche Mahlzeiten am Abend meiden und statt dessen am Morgen ein oder zwei Brötchen mehr essen. Eine Diät, die die Zufuhr der Kohlenhydrate auf den Vormittag konzentrierte, hatte in einer randomisierten Studie in Scientific Reports (2017; doi: 10.1038/srep44170) einen günstigen Einfluss auf den Blutzucker.

Ernährungswissenschaftler vermuten seit längerem, dass die sogenannte Innere Uhr in die Regulation von Stoffwechselprozessen eingreift. Bei Nagern konnte dies bereits belegt werden. Ein Team um Katharina Keßler von Deutschen Institut für Ernährungs­forschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke hat den Zusammenhang jetzt erstmals in einer randomisierten Studie am Menschen untersucht.

An der Studie nahmen 29 Männer im Alter von Mitte 40 teil, die mit einem durch­schnittlichen Body-Mass-Index von 27 kg/m2 übergewichtig, aber nicht fettleibig waren. Elf Teilnehmer hatten entweder einen leicht erhöhten Blutzucker oder eine gestörte orale Glukosetoleranz, was auch als Prädiabetes bezeichnet wird. Bei den restlichen 18 Studienteilnehmern war die Blutzuckerregulation nicht gestört.

Während der Studie mussten die Studienteilnehmer für jeweils vier Wochen zwei unterschiedliche Diäten einhalten. Beide Diäten lieferten dieselbe Menge an Kalorien, Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß. Sie unterschieden sich jedoch darin, zu welcher Tageszeit die Teilnehmer vorwiegend Kohlenhydrate oder Fette verzehrten. Der Diätplan A sah vor, dass sich die Studienteilnehmer von morgens bis 13:30 Uhr kohlenhydrat­betont ernährten, von 16:30 bis 22:00 Uhr jedoch fettbetont. Nach Diätplan B verzehrten die Teilnehmer vormittags fettreiche und nachmittags und abends kohlenhydratreiche Speisen.

Beide Diäten waren kalorienneutral. Die Teilnehmer hielten ihr Körpergewicht. Bei den gesunden Teilnehmern war auch kein Einfluss auf den Glukosestoffwechsel erkennbar. Anders war dies bei elf Probanden mit Prädiabetes. Bei ihnen kam es nach den kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten am Nachmittag zu einer Verschlechterung der Glukose­toleranz: Diätplan B war mit einem Anstieg des Blutzuckers um durchschnittlich 7,9 Prozent verbunden. Dem Körper fiel es offenbar schwerer, die Glukose nach den Mahlzeiten rasch abzubauen. Diese postprandiale Hyperglykämie ist Zeichen einer zunehmenden Insulinresistenz, die später zum Diabetes führt.

Ursache der tageszeitabhängigen Unterschiede ist vermutlich die verminderte Ausschüttung der Darmhormone Glucagon-like peptide-1 (GLP-1)und Peptid YY (PYY). GLP-1 steigert die Freisetzung von Insulin aus den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse. PYY hemmt die Magenentleerung und die Bildung von Verdauungssekreten.

Die Forscher konnten allerdings keine Unterschiede in der Insulinkonzentration feststellen, so dass der Pathomechanismus nicht restlos geklärt ist. Die Unterschiede im Blutzuckerprofil sind jedoch beträchtlich, so dass Patienten mit Prädiabetes zu einer verminderten Zufuhr von Kohlenhydraten am Nachmittag und Abend geraten werden kann. © rme/aerzteblatt.de

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