Medizin

Obamacare: Mehr Versicherungsschutz, aber längere Wartezeiten

Samstag, 11. März 2017

Ann Arbor – Der „Affordable Care Act“ (ACA), auch Obamacare genannt, hat in den ersten beiden Jahren die Zahl der Amerikaner ohne Krankenversicherungsschutz gesenkt. Vorsorge-Untersuchungen wurden häufiger in Anspruch genommen, chronische Erkrankungen häufiger diagnostiziert. Zu den negativen Auswirkungen gehörte laut einer Studie im New England Journal of Medicine (2017; 376: 947-956) ein Anstieg der Wartezeiten. 

Der ACA, den die neue Regierung wieder einschränken will, hat allen US-Amerikanern, deren Einkommen weniger als 138 Prozent der Armutsgrenze beträgt, den Zugang zur staatlichen Krankenversorgung Medicaid eröffnet. Dies galt allerdings am Anfang nur für 20 Bundesstaaten. Später kamen noch fünf Staaten hinzu. Die anderen Staaten votierten nach einem Urteil des U.S. Supreme Court gegen die Einführung des ACA.  

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Sarah Miller von der Ross School of Business in Ann Arbor und Laura Wherry von der David Geffen School of Medicine in Los Angeles haben die Auswirkungen der Reform in den ersten beiden Jahren untersucht. Die Zahl der Personen ohne Versicherungsschutz ist laut der Studie um 8,2 Prozentpunkte gesunken, die Zahl der Personen, die neu über Medicaid krankenversorgt wurden, ist im Vergleich zu den Staaten, die gegen eine Ausweitung votiert hatten, um 15,6 Prozentpunkte gestiegen.

Die Reform hat bereits im ersten Jahr zu einer Ausweitung der Leistungen geführt. So stieg die Zahl der Personen, die einen Arzt aufsuchten, um 4,5 Prozentpunkte, die Zahl der stationären Aufenthalte nahm um 2,0 Prozentpunkte und die Zahl der Besuche in Notfall-Ambulanzen um 4,0 Prozentpunkte zu.

Der Anteil der Personen, die den Cholesterinwert prüfen ließ, stieg um 6,0 Prozent­punkte, die Zahl der Mammographien nahm um 9,8 Prozentpunkte zu, die Darmkrebsvorsorge wurde um 5,3 Prozentpunkte mehr in Anspruch genommen. Die Diagnosen von Diabetes (plus 4 Prozentpunkte), arterieller Hypertonie (plus 3,7 Prozentpunkte) und Hypercholesterinämie (plus 3,7 Prozentpunkte) nahmen zu. Der Anstieg trat in der Regel im ersten Jahr auf. Danach blieben die Zahlen konstant.

Die Ausweitung der Leistungen hat Miller zufolge die bestehenden Versorgungs­strukturen auf eine Belastungsprobe gestellt: Der Anteil der Patienten, die länger auf einen Arzttermin warten mussten, ist um 3,8 Prozentpunkte gestiegen und 2,7 Prozentpunkte mehr meinten, dass sie in der Praxis länger im Wartezimmer sitzen würden. © rme/aerzteblatt.de

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