Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Brustkrebs: Mehr Patientinnen könnten von PARP-Inhibitor profitieren

Mittwoch, 15. März 2017

Computerprogramm analysiert Genom auf Fehler im DNA-Reparaturmechanismus. /Kagenmi stock.adobe.com
Mit dem Computerprogramm HRDetect wurde das genom von Brustkrebspatientinnen auf Mutations-Muster untersucht, die einen defekten DNA-Reparaturmechanismus aufweisen. /Kagenmi stock.adobe.com

Cambridge/Hinxton – Ein bis fünf Prozent der Patienten mit einem Mammakarzinom können von einer Therapie mit poly(ADP-ribose) Polymerase (PARP) Inhibitoren profitieren. Ursache für die personalisierte Therapieauswahl ist eine vererbte Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen. Neuen Studien des Wellcome Trust Sanger Institute zufolge, könnte eine PARP-Therapie jedoch weit mehr Brustkrebspatientinnen helfen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Die Ergebnisse wurden in Nature Medicine publiziert (2017, DOI: 10.1038/nm.4292).

Die Forscher um Erstautorin Helen Davies haben das Genom von 560 Brustkrebs­patientinnen auf alle nur möglichen Mutationen untersucht. Dafür entwickelten sie ein Computerprogramm HRDetect (HR=homologe Rekombination). Denn die beiden Tumorsuppressorgene kodieren für DNA-Reparaturfaktoren, die auch beim Mechanismus der HR beteiligt sind. Die Software erkennt verschiedene Mutations-Muster, sogenannte 'mutational signatures', die BRCA1/2 Mutationen ähneln.

PARP-Inhibitoren destabilisieren das Erbgut und führen so zum Tod der Tumorzellen. Zellen ohne BRCA-Gendefekt hingegen werden durch die PARP-Inhibitoren nicht geschädigt, so dass ihr Einsatz gezielt Krebszellen vernichten kann.

„Anhand der mutational signatures konnten wir weit mehr Tumoren finden, die einen defekte DNA-Reparatur­mechanismus aufweisen“, erklärt Davies. Das war nur möglich, indem die For­scher das gesamte Genom sequenziert hatten. Bei der Computeranalyse stellte sich heraus, dass viele Patientinnen Mutationen hatten, die ein identisches Ergebnis für die Zelle bedeuteten, wie jene mit defekten BRCA1/2 Genen. Diese neu entdeckten Mutationen einbezogen, könnte sogar eine von fünf Patientinnen von einer PARP-Therapie profitieren. Die zusätzlich identifizierten Patientinnen müssten dafür in einer klinischen Studie getestet werden, empfiehlt die Autorin Serena Nik-Zainal vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton.

PARP-Inhibitoren werden zurzeit individuell bei Ovarialkrebspatientinnen eingesetzt, bei denen eine vererbte Mutation im BRCA1 oder BRCA2-Gen zu einem fehlerhaften Reparaturmechanismus führt. Auch bei Brust- und Prostatakrebs-Patienten wird ein möglicher Einsatz derzeit geprüft.

© gie/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19.05.17
Brustkrebs: G-BA sieht bislang keinen Zusatznutzen von Palbociclib
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat auf der Grundlage der bisherigen Studienergebnisse für den Wirkstoff Palbociclib zur Behandlung von Frauen mit hormonsensiblem, metastasiertem......
12.05.17
Brustkrebs: Tai Chi lindert therapiebedingte Schlafstörungen
Los Angeles – Tai Chi, eine chinesische Variante der Gymnastik mit langsamen meditativen Bewegungen, hat in einer randomisierten Studie im Journal of Clinical Oncology (2017; doi:......
21.04.17
Brustkrebs: Bundes­aus­schuss aktualisiert Disease-Manage­ment-Programm
Berlin – Der Gemeinsame Bundessausschuss (G-BA) hat das Disease-Management-Programm (DMP) zum Brustkrebs einstimmig aktualisiert. Dabei werden vor allem neuste medizinische Erkenntnisse für die......
29.03.17
Mastektomie: Immer mehr Frauen entscheiden sich für prophylaktischen Eingriff
Atlanta – Junge Frauen mit lokal invasivem Krebs in einer Brust lassen sich zunehmend häufiger prophylaktisch auch die andere, gesunde Brust abnehmen. Bei etwa jeder dritten Brustkrebspatientin in den......
22.03.17
Brustkrebs: Warum Rauchen die Vorteile einer Radiotherapie infrage stellen könnte
Oxford – Rauchen steigert die Gefahr, nach einer Radiotherapie des Mammakarzinoms an Lungenkrebs oder Herzversagen zu sterben. Das Zusatzrisiko könnte laut einer Studie im Journal of Clinical Oncology......
02.03.17
Köln – Der Zusatznutzen von des Wirkstoffes Palbociclib (Handelsname Ibrance) für Frauen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs ist nicht belegt. Zu diesem Ergebnis kommt das......
03.02.17
Entscheidungshilfe für Frauen mit genetisch bedingtem hohen Brustkrebsrisiko
Düsseldorf – Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) fördert ein Projekt des Uniklinikums Köln zum genetisch bedingten Brustkrebs. Es soll betroffenen Frauen verständlich aufbereitete wissenschaftliche......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige