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Medizin

HIV: Kombinierte Antikörper könnten Virusreplikation langfristig kontrollieren

Dienstag, 14. März 2017

/dpa

New York – Eine frühzeitige Behandlung mit mehreren breitneutralisierenden Anti­körpern könnte das Immunsystem befähigen, eine HIV-Infektion aus eigener Kraft zu kontrollieren. Dies zeigen neue tierexperimentelle Studien in Nature (2017; doi: 10.1038/nature21435).

HIV-Infektionen können heute mit mehr als 25 verschiedenen Wirkstoffen gut behandelt werden. Eine Heilung ist jedoch nicht möglich, da das Retrovirus seine Gene in den Abwehrzellen ablegt. Es schafft damit ein unerschöpfliches Reservoir, aus dem heraus sich die Infektion erneuert, sollten die Medikamente über kurze Zeit abgesetzt werden.

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Die Bestrebungen gehen heute dahin, das Reservoir durch einen frühzeitigen Therapie­beginn so klein wie möglich zu halten. Dies gelingt mit Medikamenten nur bedingt. „Funktionelle“ Heilungen wurden bisher nur in wenigen Fällen erzielt und alle waren zeitlich begrenzt. Ein neuer Ansatz ist die Behandlung mit sogenannten breitneutralisie­renden Antikörpern. Diese wurden im Blut von Patienten gefunden, denen es zu Beginn der Infektion gelingt, die Virus-Replikation auch ohne Medikamente zu hemmen. 

Ein Team um Michel Nussenzweig von der Rockefeller Universität in New York und Malcolm Martin von den National Institutes of Health in Bethesda/Maryland hat 13 Makaken mit einem hybriden Virus, dem simian-human immunodeficiency virus (SHIV), infiziert und drei Tage später mit zwei breitneutralisierenden Antikörpern behandelt, die vor einiger Zeit im Blut von sogenannten „Langzeit-Kontrollern" der HIV-Infektion ent­deckt wurden. 

Die beiden Antikörper, 3BNC117 und 10-1074, wurden ausgewählt, weil sie an unter­schiedliche Abschnitte des Virus binden. Dies soll die Entwicklung einer Resistenz verhindern. Die Behandlung war zunächst erfolgreich. Nach drei Infusionen sank die Viruskonzentration im Blut unter die Nachweisgrenze. Die Wirkung hielt bis zu sechs Monate lang an, doch sobald die Antikörper vollständig aus dem Blut eliminiert waren, kam es – mit Ausnahme eines Tieres – erneut zur Virusreplikation. Soweit waren die Ergebnisse von den Forschern erwartet worden.

Doch bei sechs Tieren fiel die Viruskonzentration nach fünf bis 22 Monaten erneut unter die Nachweisgrenze, ohne dass die Tiere eine weitere Behandlung erhalten hatten. Erst fünf bis 13 Monate später kam es wieder zu einer stärkeren Virusreplikation. 

Weitere Untersuchungen zeigten, warum sich die Patienten zwischenzeitlich von der Infektion erholt hatten. Die Behandlung mit den breitbasierten Antikörpern hatte die Fähigkeiten der CD8-Zellen gestärkt, die Virusreplikation zu begrenzen. Als die Forscher die CD8-Zellen (mit anderen Antikörpern) beseitigten, kam es bei den Makaken sofort zum erneuten Aufflammen der HIV-Replikation.

Die Forscher wollen jetzt untersuchen, ob ein späterer Beginn der Behandlung mit den breitbasierten Antikörpern ebenfalls eine Wirkung erzielt. Dadurch könnte die Immun­therapie für einen größeren Personenkreis interessant werden. Dass eine HIV-Infektion bereits in den ersten Tagen entdeckt wird, ist heute die Ausnahme. Die meisten Erkran­kungen werden erst Wochen, Monate oder auch Jahre nach der Infektion entdeckt, wenn aus irgendeinem Grund ein HIV-Test durchgeführt wird oder sich erste Anzeichen einer Immunschwäche bemerkbar machen. © rme/aerzteblatt.de

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