Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

KVWL zur Telematik­infrastruktur: „Zeitplan des Gesetzgebers unrealistisch“

Dienstag, 14. März 2017

Dortmund – „Der vom Gesetzgeber angedachte Zeitplan, in einem Jahr vom 1. Juli 2017 bis zum 30. Juni 2018 alle 140.000 Vertragsarztpraxen in Deutschland mit neuer Hard- und Software auszustatten, erscheint mir unrealistisch“, sagte Vorstand Thomas Müller in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zur Einführung der geplanten Tele­ma­tik­infra­struk­tur. Das belegten erste Erfahrungen beim Anschluss und bei der Installation der neuen Technik, die im Schnitt sechs Stunden pro Praxis dauere. Mit An- und Abfahrt komme ein Techniker somit schnell auf einen Arbeitstag von acht Stunden und mehr.

„Ein Techniker wäre dann knapp 400 Jahre beschäftigt, Samstagsarbeit eingeschlos­sen“, rechnete Müller vor, der bei der KVWL für die Informationstechnologie (IT) und Digitalisierung zuständig ist. Und selbst bei vielen Technikern, die sich mit der Einrich­tung von Hard- und Software beschäftigen werden, sei mehr Zeit nötig. Außerdem komme am Tag der Umstellung auf die neue IT der Praxisbetrieb zum Erliegen. Dadurch würden den Praxen insgesamt 140.000 Ausfalltage entstehen, rechnete Müller weiter.

Die KVWL wendet sich daher mit einem Appell an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe und fordert ihn auf, die Fristen für die Einführung der neuen Telematikinfra­struk­tur und zur Ausstattung der Praxen zu verlängern. Nur so sei es möglich, sinnvolle E-Health-Anwendungen erfolgreich umzusetzen.

Damit richtete Thomas Müller den Blick auch auf den geplanten Versichertenstamm­datenabgleich, der seiner Ansicht nach nicht zu den Anwendungen gehört, die die Versorgung der Patienten in den Vertragsarzt­praxen verbessern. Die bisherigen Erfahrungen in den westfälisch-lippischen Praxen, die seit dem Herbst vergangenen Jahres das Versichertenstammdatenmanagement testen, seien sehr heterogen. „Das läuft von störungsfrei bis zu häufigen Störungen“, berichtete Müller. Dabei sollten die Daten, die auf der elektronischen Gesundheitskarte des Patienten gespeichert sind, in Sekundenschnelle mit den Daten auf den Servern der Krankenkassen abgeglichen und gegebenenfalls aktualisiert werden. So war es zumin­dest vom Gesetzgeber vorgesehen.

„Allein schon die Installation ist was ganz Herrliches“, sagte Carl Heinz Biedendieck. „Bei langsamem Internet funktioniert es nicht“, berichtete der Hausarzt aus dem ostwestfäli­schen Herford aus dem Anwendungsalltag. Er hat seine Praxis inzwischen mit zwei Datenleitungen ausgestattet, damit die Anwendungen einigermaßen schnell und störungs­frei laufen. „Außerdem musste ich für über 58 Euro mein mobiles Chipkarten-Lesegerät aktualisieren“, klagte Biedendieck über die Kosten für die Umstellung auf die neue Tele­ma­tik­infra­struk­tur und richtete sich auch gegen den Versichertenstamm­datenabgleich: „Das ist Müll und gehört weg.“

In Westfalen-Lippe werden die neue Tele­ma­tik­infra­struk­tur und das Versichertenstamm­datenmanagement seit November 2016 sechs Monate lang getestet. An der Erprobung beteiligen sich 83 Praxen, darunter 53 Einzel- und 27 Gemeinschaftspraxen. Außerdem nehmen zwei Medizinische Versorgungszentren und eine psychologische Psychothera­peutenpraxis daran teil. Mit 45 sind die meisten Teilnehmer Hausarztpraxen.

Ab dem Jahr 2018 sollen dann flächendeckend alle Praxen mit neuen sogenannten TI-Konnek­toren ausgestattet werden. Sie erlauben über einen gesicherten VPN-Tunnel Zugriff auf die neue zentrale Tele­ma­tik­infra­struk­tur-Plattform (TI-Plattform) mit einem Netz aus zentralen Applikationen, Programmen und Informationen des Gesund­heitssystems. Die bisherigen sicheren Netze der KVen wie etwa KV-SafeNet sollen ebenfalls Bestandteil der neuen zentralen TI-Plattform sein. © ts/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

26. April 2018
Berlin – „Die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) muss schnell ans Laufen kommen, damit die Möglichkeiten der elektronischen Gesundheitskarte genutzt werden können“, erklärte Uwe Klemens, Vorsitzender des
Digitalisierung und Big Data: Wo liegt der Nutzen für Patienten?
25. April 2018
Berlin – Mit einer Befragung will die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ermitteln, welche elektronischen Angebote die rund 165.000 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten bereits nutzen und
KBV startet Anfang Mai bundesweite Befragung zur Digitalisierung in Praxen
24. April 2018
Berlin – Die Techniker Krankenkasse (TK) hat heute mit TK-Safe ihre bundesweite elektronische Gesundheitsakte (eGA) in Berlin vorgestellt. TK-Versicherte erhalten dadurch die Möglichkeit, ihre
Elektronische Gesundheitsakte der TK soll Mehrwert für Versicherte schaffen
24. April 2018
Erfurt – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen hat vor einem Flickenteppich bei berufsrechtlichen Regelungen zu Online- und Videosprechstunden für Mediziner gewarnt. Nötig sei eine weitgehend bundesweit
Landesärztekammer fürchtet Flickenteppich bei Fernbehandlung
23. April 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, das Verbot von ärztlichen Fernbehandlungen bei einem Erstkontakt zum Patienten – etwa per Video – aufzuheben. „Ich bin
Spahn spricht sich für Ausweitung der Fernbehandlung aus
19. April 2018
Berlin – Für das zweite und dritte Quartal zeichnet sich mehr Wettbewerb und Komponentenvielfalt im Markt rund um die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) ab. Anlässlich der diesjährigen Medizin-IT-Messe
Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Markt für Komponenten kommt in Bewegung
19. April 2018
Bad Segeberg – Ärzte in Schleswig-Holstein sollen Patienten auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt telefonisch oder per Internet beraten dürfen. Voraussetzung: Es muss medizinisch vertretbar sein.

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige