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Ausland

Ärzte ohne Grenzen kritisiert EU-Türkei-Deal

Dienstag, 14. März 2017

Athen/Berlin – Das EU-Türkei-Abkommen hat verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit von Schutzsuchenden. Das ist das Ergebnis eines heute von der internatio­nalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen vorgestellten Berichts. Demnach ist in den EU-Hotspots auf den griechischen Inseln die Zahl der Asylsuchenden mit psychischen Beschwerden stark gestiegen.

„Der EU-Türkei-Deal beeinträchtigt die Gesundheit unserer Patienten direkt, viele von ihnen sind immer stärker gefährdet“, sagte Jayne Grimes, Psychologin von Ärzte ohne Grenzen auf Samos. Sie seien vor extremer Gewalt, Folter und Krieg geflohen und hätte eine äußerst gefährliche Flucht überlebt. „Jetzt werden ihre Ängste und Depressionen verschärft durch die schlechten Lebensbedingungen und dadurch, dass sie keine Infor­mationen über ihren rechtlichen Status erhalten“, so Grimes. Ihr zufolge verlieren viele Flüchtlinge jegliche Hoffnung auf eine sichere, bessere Zukunft. „Ich treffe oft Men­schen, die Selbstmordgedanken haben oder sich selbst verletzen wollen“, verwies die Psychologin.

Laut dem Bericht ist die Zahl der Patienten mit Angstsymptomen und Depressionen im psychologischen Programm von Ärzte ohne Grenzen auf der Insel Lesbos im vergange­nen Jahr um das Zweieinhalbfache gestiegen. Der Anteil der Patienten mit posttrauma­tischem Stresssyndrom verdreifachte sich. Symptome von Psychosen traten ebenfalls häufiger auf. „Bundeskanzlerin Angela Merkel hat immer wieder behauptet, das Türkei-Abkommen würde irreguläre zu legaler Migration machen“, sagte Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland.

Die Zahl der regulär in der EU aufgenommenen Flüchtlinge sei aber vernachlässigbar. Menschen auf der Flucht vor Gewalt und Krieg würden heute genauso im Stich gelassen wie vor einem Jahr. „Die EU-Verantwortlichen behaupten immer, Menschen zu schützen, indem sie Grenzen sichern. Das ist zynisch“, kritisierte Westphal. Mitarbeiter der Hilfsorganisation erlebten täglich, wie Menschen unter dieser restriktiven Politik leiden.

Als Reaktion auf den EU-Türkei-Deal hat Ärzte ohne Grenzen im Juni 2016 entschieden, keine Gelder von der EU und ihren Mitgliedsstaaten mehr anzunehmen. Die Organi­sation betont, dass das Recht auf Asyl respektiert werden muss und fordert die Staats- und Regierungschefs auf, sichere und legale Fluchtwege durch Umsiedlung, humanitäre Visa und Familienzusammenführung zu schaffen. © hil/sb/aerzteblatt.de

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