Medizin

Neurodermitis: Antibiotika bei infizierten Ekzemen wenig hilfreich

Mittwoch, 15. März 2017

Cardiff – Die topische, aber auch eine systemische Behandlung mit Antibiotika hat in einer randomisierten Studie in den Annals of Family Medicine (2017; 15: 124-130) die Abheilung von infizierten Ekzemen bei Kindern mit Neurodermitis nicht gefördert. 

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Das Aufkratzen der Haut fördert bei Kindern mit atopischer Dermatitis (Neurodermitis) die Infektion der Haut. Die Läsionen werden dann häufig mit Bakterien (in der Regel Staphylococcus aureus) infiziert, was die Abheilung verhindern könnte. Viele Dermatologen verordnen deshalb ein topisches Glukokortikoid mit antibiotischem Zusatz oder parallel zum topischen Glukokortikoid auch ein systemisches Antibiotikum. Der Ansatz ist plausibel, doch die Evidenz für den Einsatz von topischen oder auch systemischen Antibiotika ist laut einem Cochrane-Review (Br J Dermatol. 2010; 163: 12-26) gering.

Die CREAM-Studie (Children with Eczema Antibiotic Management) sollte den häufigen Therapieansatz jetzt auf eine sichere Basis stellen. An 90 Hautarztpraxen und vier Kliniken wurden 113 Neurodermitis-Patienten im Alter zwischen drei Monaten und acht Jahren, bei denen die Ärzte eine Superinfektion der Ekzeme festgestellt hatten, auf drei Gruppen randomisiert.

Alle Kinder erhielten ein Emolliens mit einem Glukokortikoid und Tabletten. In einer Gruppe waren Emolliens und Tabletten wirkstofffrei, in den anderen Gruppen enthielt entweder das Emolliens (2 Prozent Fusidinsäure) oder die Tabletten (Floxacillin, oder bei Penicillinresistenz Erythromycin) ein Antibiotikum. Primärer Endpunkt war der POEM-Score (Patient Oriented Eczema Measure), in dem die Eltern den Zustand der Haut beurteilen.

Wie Nick Francis von der Universität Cardiff und Mitarbeiter berichten, gab es zwischen den drei Gruppen weder nach zwei oder vier Wochen und auch nicht nach drei Monaten Unterschiede. In allen drei Gruppen war es bereits nach zwei Wochen zu einer deutlichen Besserung gekommen, die Francis auf das topische Kortikosteroid zurückführt.

Ohne die Entzündung der Haut (und dem daraus resultierenden Juckreiz und das Kratzen) kommt es in der Regel schnell zum Abheilen der Läsionen. Die zusätzliche Gabe von Antibiotika ist nach Ansicht von Francis in der Regel nicht notwendig. Eine Ausnahme könnte bei schweren Infektionen der Haut gemacht werden. Patienten mit sehr schweren Infektionen hatten nicht an der Studie teilgenommen.

Der kritiklose Einsatz von Antibiotika sollte nach Ansicht von Francis jedoch unter­bleiben, da er die Entwicklung von Resistenzen und Allergien fördere. Schwerpunkt der Behandlung sollte immer eine Behandlung mit kortikoidhaltigen Emollientien sein. © rme/aerzteblatt.de

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