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Medizin

Wissen über Gemeinschaftsschutz beeinflusst die Impfentscheidung

Mittwoch, 15. März 2017

Jan Becke /stock.adobe.com

Aachen/Erfurt – Das Wissen über den Gemeinschaftsschutz von Impfungen – auch Herdenimmunität genannt – beeinflusst die individuelle Entscheidung für oder gegen Impfungen. Voraussetzung dafür ist, dass die Betreffenden diesen Zusammenhang kennen. Das berichten ein Forscherteam um Cornelia Betsch von der Universität Erfurt und Robert Böhm von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen in der Zeitschrift Nature Human Behaviour (2017; doi: 10.1038/s41562-017-0056).

Die individuelle Impfentscheidung hat bekanntlich auch einen gesellschaftlichen Nutzen: Jede Impfung trägt dazu bei, dass sich eine Krankheit weniger in der Gesellschaft aus­breiten kann. Vielen Menschen ist dies laut der Arbeitsgruppe allerdings nicht bewusst.

In einem Online-Experiment haben die Wissenschaftler Personen in den Niederlanden, den USA, Korea, Deutschland, Vietnam und Hong Kong befragt. Die Teilnehmer erhiel­ten entweder einen Text oder eine interaktive Simulation, die das Prinzip des Gemein­schaftsschutzes erklärten. Andere erhielten hierzu keine Informationen. Danach sollten sich die Teilnehmer für oder gegen eine fiktive Impfung entscheiden.

Es zeigte sich: Die Impfbereitschaft war höher, wenn das Prinzip des Gemeinschafts­schutzes erklärt wurde. „Aufklärung über den Gemeinschaftsschutz führt dazu, dass wir bei unserer Entscheidung auch mehr an andere denken“, erläutert Betsch. „Über Gemeinschaftsschutz zu informieren, gehört für uns zu einer guten Impfaufklärung dazu“, so Böhm.

Zusammen mit Dirk Brockmann vom Robert-Koch-Institut haben die Wissenschaftler eine interaktive Simulation entwickelt, mit der das Prinzip des Gemeinschaftsschutzes erlebbar wird. © hil/aerzteblatt.de

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Mathilda
am Donnerstag, 16. März 2017, 08:10

Leider steht in Deutschland das Individuum über der Gemeinschaft

Die Impfempfehlungen der STIKO zeigen, dass Gemeinschaftsschutz in Deutschland keine Rolle spielt. Prominentestes Beispiel dafür ist die Grippeimpfung: es ist inzwischen bekannt, dass der Impfschutz bei der am meisten gefährdeten Gruppe (alte Menschen, vor allem mit Grunderkrankungen) nur begrenzt eintritt. Zu Impfen wäre im Sinne des Gemeinschaftsschutzes also vor allem die Hauptüberträgergruppe: also Kinder und Jugendliche. Aber genau für diese gibt es keine Impfempfehlung (auch wenn die Impfung heute meist trotzdem übernommen wird).
Selbst Ärzte halten offenbar nichts von Gemeinschaftsschutz, sonst würden sie sich selbst impfen lassen. Denn auch sie sind eine wichtige Überträgergruppe.

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