Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Nichtsteroidale Antiphlogistika erhöhen Risiko auf plötzlichen Herztod

Mittwoch, 15. März 2017

Tammy Parditka - stock.adobe.com

Kopenhagen – Die Einnahme von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID), die von der Öffentlichkeit als harmlose Schmerzmittel betrachtet werden und teilweise rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind, war in einer Fall­kontroll­studie im European Heart Journal - Cardiovascular Pharmacotherapy (2017: 3: 100-107) mit einem erhöhten Risiko auf einen plötzlichen Herzstillstand assoziiert.

Die Erkenntnis, dass NSAID mit einem kardiovaskulären Risiko behaftet sind, ist nicht neu. Betroffen sind nicht nur COX 2-Inhibitoren, deren Vertreter Rofecoxib 2004 wegen eben dieses Risikos vom Markt genommen wurde, sondern auch konventionelle NASID wie Ibuprofen und Diclofenac, die zu den am häufigsten verordneten Medikamenten gehören. Ibuprofen ist darüber hinaus rezeptfrei in Apotheken erhältlich.

Zu den möglichen Risiken zählt auch ein plötzlicher Herzstillstand, wie ein Team um Gunnar Gislason von der Universitätsklinik in Kopenhagen zeigt. Die Studie umfasst alle 28.947 Personen, die laut Einträgen im Dänischen Herzstillstand-Register in den Jahren 2001 bis 2010 außerhalb einer Klinik einen Herzstillstand erlitten haben. Von ihnen hatten 3.376 in den 30 Tagen vor dem Herzstillstand noch ein Rezept auf ein NSAID erhalten.

In einer sogenannten „Case-time control“-Studie verglichen die Forscher die Verord­nungshäufigkeit mit einer anderen zufällig gewählten früheren 30 Tage-Phase derselben Patienten. Dieses spezielle Design einer Fall­kontroll­studie vermeidet Verzerrungen, die sich aus der bevorzugten Verordnung von Medikamenten an Personen mit bestimmten Vorerkrankungen ergeben können.

Ergebnis: Die Verwendung von NSAID war mit einem um 31 Prozent erhöhten Risiko für einen Herzstillstand verbunden. Die Odds Ratio von 1,31 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,17-1,46 signifikant. Ein signifikant erhöhtes Risiko fanden die Forscher auch für die Einzelsubstanzen Ibuprofen und Diclofenac, die mit Anteilen von 51 Prozent und 22 Prozent am häufigsten eingesetzten NSAID in Dänemark. Die Odds Ratio für Ibuprofen betrug 1,31 (1,14-1,51). Für Diclofenac lag sie mit 1,50 (1,23-1,82) noch etwas höher.

Die Odds Ratios für Naproxen (1,29; 0,77-2,16), Celecoxib (1,13; 0,74-1,70) und Rofecoxib (1,28; 0,74-1,70) waren nicht signifikant, was aber an den aufgrund der geringeren Verordnung weiten 95-Prozent-Konfidenzintervallen gelegen haben könnte.

Für Gislason sind die Ergebnisse eine deutliche Erinnerung daran, dass NSAIDs nicht harmlos sind. NSAIDs sollten mit Vorsicht und nur bei einer bestehenden Indikation eingesetzt werden, fordert der Kardiologe. Er rät, die Dosis von Ibuprofen auf maximal 1.200 mg pro Tag zu begrenzen. Naproxen sei wahrscheinlich das sicherste NSAID, Diclofenac die riskanteste Substanz.

Diclofenac sollte bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und in der Allgemein­bevölkerung vermieden werden, so Gislason. Es gebe sicherere Medikamente, die eine ähnlich stark schmerzlindernde Wirkung wie Diclofenac erzielen würden. Diese Ein­schätzung wird auch von den Arzneimittelagenturen geteilt, die in den letzten Jahren wiederholt vor der unkritischen Anwendung von Diclofenac, aber auch von Ibuprofen gewarnt haben. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

24. Mai 2018
Aalst/Belgien – Eine perkutane koronare Intervention (PCI), die bei Patienten mit stabiler Angina pectoris nicht generell empfohlen wird, kann langfristig die Situation der Patienten verbessern, wenn
Stabile Angina: PCI bei eingeschränkter Flussreserve vermeidet Revaskularisierung
24. Mai 2018
Silver Spring/Maryland – Das in manchen „Zahnungshilfen“ enthaltenes Benzocain kann eine Methämoglobinämie auslösen. Seltene aber teilweise tödlich verlaufende Zwischenfälle veranlassen die
Methämoglobinämie: FDA warnt vor „Zahnungshilfen“ und anderen OTC-Präparaten mit Benzocain
23. Mai 2018
London/Silver Spring – HIV-infizierte Frauen sollen nur dann mit dem Integrase-Inhibitor Dolutegravir behandelt werden, wenn sie eine sichere Kontrazeption betreiben. Dazu haben die
EMA und FDA: Dolutegravir bei Kinderwunsch kontraindiziert
23. Mai 2018
Greifswald – Die Universitätsmedizin Greifswald und das Klinikum Karlsburg haben ein „Herzzentrum Vorpommern“ gegründet. Damit wollen die Einrichtungen die hochspezialisierte herzmedizinische
Unimedizin Greifswald und Klinikum Karlsburg gründen Herzzentrum
16. Mai 2018
Berlin – Schmerz stellt ein häufiges Problem in der älteren Bevölkerung dar. Sein Anteil werde bei in Einrichtungen der stationären Altenhilfe wohnenden Personen international mit bis zu 80 Prozent
Leitlinie soll Schmerzerfassung von Altenheim-Bewohnern verbessern
15. Mai 2018
Düsseldorf – Nach dem Bottroper Apothekerskandal muss die die Herstellung von Zytostatika nach Ansicht der SPD-Fraktion schärfer kontrolliert werden. Die im August von der Landesregierung eingeführten
SPD in Nordhrein-Westfalen für mehr Kontrolle bei Herstellung von Zytostatika
15. Mai 2018
Um Schmerzen zu lindern, erhalten Patienten im Krankenhaus Opioidarzneimittel als intravenöse Injektion, oral oder subkutan. /Opioid Victor Moussa, stock.adobe.com New Haven – Mit einem neuen Standard
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige