Medizin

Yoga und kontrollierte Atmung lindern Depression in Studie

Donnerstag, 16. März 2017

Boston – Die Kombination aus Yoga-Stellungen mit anschließenden „kohärenten“ Atemübungen hat in einer kleinen randomisierten Studie im Journal of Alternative and Complementary Medicine (2017; doi: 10.1089/acm.2016.014) die Beschwerden von Patienten mit Major-Depressionen deutlich vermindert.

Medikamente und Psychotherapie können eine Major-Depression bei vielen Patienten nicht immer lindern. Komplementäre Therapieansätze wären deshalb sinnvoll. In einer früheren Studie konnten Chris Streeter von der Boston University School of Medicine und Mitarbeiter bereits zeigen, dass die Übungen des Iyengar-Yoga bei gesunden Menschen die Gemütslage verbessern und Ängste abbauen. Die Wirkung führte Streeter auf eine Stärkung des parasympatischen Nervensystems zurück. Sie soll im Gehirn die Konzentration des Neurotransmitters im Thalamus steigern, was sich mittels Magnetresonanzspektroskopie bei den Probanden auch nachweisen ließ. 

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In der aktuellen Studie hat das Team die Wirkung der Yoga-Therapie an Patienten mit Depressionen untersucht. Die Yoga-Übungen wurden dabei mit Atemübungen kombi­niert, die die Aktivität des parasympathischen Nervensystems steigern sollen. Die 34 Teilnehmer der Studie nahmen an 90minütigen Therapiesitzungen teil. In den ersten 60 Minuten führten sie verschiedene Übungen des Iyengar-Yoga durch. Es folgten zehn Minuten Entspannung sowie 20 Minuten „kohärente“ Atemübungen. Dabei atmen die Teilnehmer langsam mit fünf Atemzügen pro Minute gegen einen leichten Widerstand in den Atemwegen, den sie durch den teilweisen Verschluss der Glottis erzeugen. 

Die Patienten wurden auf zwei Gruppen randomisiert. In der ersten Gruppe gab es drei 90-minütige Yogakurse pro Woche sowie vier 30-minütige Hausaufgaben. In der anderen Gruppe absolvierten die Patienten pro Woche zwei 90-minütige Yogakurse und drei 30-minütige Hausaufgaben. Ziel der Studie war ein Vergleich der beiden unterschiedlichen Intensitäten. Eine therapiefreie Vergleichsgruppe gab es nicht, was die Aussagekraft der Ergebnisse sicherlich einschränkt, zumal die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nicht groß waren. 

In beiden Gruppen kam es aber während der 12-wöchigen Therapie-Phase zu einer deutlichen Linderung der Depressionen. Die Teilnehmer der „Hochdosis“-Gruppe hatten vor Beginn der Studie einen Score von 24,6 Punkten im BDI-II (Beck-Depressions-Inventar), was eine mittelschwere Depression anzeigt. Nach dem Ende der Behandlung war der BDI-II auf 6,0 Punkte abgefallen. Sie lagen damit unter dem Schwellenwert von 8 Punkten, ab dem depressive Symptome vorliegen. In der Gruppe mit der niedrigen Dosis kam es zu einem Rückgang von 27,7 auf 10,1 Punkte. Auch hier hatten sich viele Patienten von ihren depressiven Symptomen erholt. In beiden Gruppen durften die Patienten während der Studie ihre Medikamente weiter einnehmen.

Die Wirkung in beiden Studien war beachtlich. Streeter plant jetzt eine Anschlussstudie. Sie soll eine Vergleichsgruppe haben, in der die Teilnehmer nur spazieren gehen.

© rme/aerzteblatt.de

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