NewsMedizinYoga und kontrollierte Atmung lindern Depression in Studie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Yoga und kontrollierte Atmung lindern Depression in Studie

Donnerstag, 16. März 2017

Robert Kneschke /stock.adobe.com

Boston – Die Kombination aus Yoga-Stellungen mit anschließenden „kohärenten“ Atemübungen hat in einer kleinen randomisierten Studie im Journal of Alternative and Complementary Medicine (2017; doi: 10.1089/acm.2016.014) die Beschwerden von Patienten mit Major-Depressionen deutlich vermindert.

Medikamente und Psychotherapie können eine Major-Depression bei vielen Patienten nicht immer lindern. Komplementäre Therapieansätze wären deshalb sinnvoll. In einer früheren Studie konnten Chris Streeter von der Boston University School of Medicine und Mitarbeiter bereits zeigen, dass die Übungen des Iyengar-Yoga bei gesunden Menschen die Gemütslage verbessern und Ängste abbauen. Die Wirkung führte Streeter auf eine Stärkung des parasympatischen Nervensystems zurück. Sie soll im Gehirn die Konzentration des Neurotransmitters im Thalamus steigern, was sich mittels Magnetresonanzspektroskopie bei den Probanden auch nachweisen ließ. 

Anzeige

In der aktuellen Studie hat das Team die Wirkung der Yoga-Therapie an Patienten mit Depressionen untersucht. Die Yoga-Übungen wurden dabei mit Atemübungen kombi­niert, die die Aktivität des parasympathischen Nervensystems steigern sollen. Die 34 Teilnehmer der Studie nahmen an 90minütigen Therapiesitzungen teil. In den ersten 60 Minuten führten sie verschiedene Übungen des Iyengar-Yoga durch. Es folgten zehn Minuten Entspannung sowie 20 Minuten „kohärente“ Atemübungen. Dabei atmen die Teilnehmer langsam mit fünf Atemzügen pro Minute gegen einen leichten Widerstand in den Atemwegen, den sie durch den teilweisen Verschluss der Glottis erzeugen. 

Die Patienten wurden auf zwei Gruppen randomisiert. In der ersten Gruppe gab es drei 90-minütige Yogakurse pro Woche sowie vier 30-minütige Hausaufgaben. In der anderen Gruppe absolvierten die Patienten pro Woche zwei 90-minütige Yogakurse und drei 30-minütige Hausaufgaben. Ziel der Studie war ein Vergleich der beiden unterschiedlichen Intensitäten. Eine therapiefreie Vergleichsgruppe gab es nicht, was die Aussagekraft der Ergebnisse sicherlich einschränkt, zumal die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nicht groß waren. 

In beiden Gruppen kam es aber während der 12-wöchigen Therapie-Phase zu einer deutlichen Linderung der Depressionen. Die Teilnehmer der „Hochdosis“-Gruppe hatten vor Beginn der Studie einen Score von 24,6 Punkten im BDI-II (Beck-Depressions-Inventar), was eine mittelschwere Depression anzeigt. Nach dem Ende der Behandlung war der BDI-II auf 6,0 Punkte abgefallen. Sie lagen damit unter dem Schwellenwert von 8 Punkten, ab dem depressive Symptome vorliegen. In der Gruppe mit der niedrigen Dosis kam es zu einem Rückgang von 27,7 auf 10,1 Punkte. Auch hier hatten sich viele Patienten von ihren depressiven Symptomen erholt. In beiden Gruppen durften die Patienten während der Studie ihre Medikamente weiter einnehmen.

Die Wirkung in beiden Studien war beachtlich. Streeter plant jetzt eine Anschlussstudie. Sie soll eine Vergleichsgruppe haben, in der die Teilnehmer nur spazieren gehen.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #728022
DagmarC.
am Montag, 22. Mai 2017, 10:44

bewundernswerte weltweite Akzeptanz

Hallo,
ich begrüsse es sehr, dass die weltweite Akzeptanz von Yoga und anderer fernöstlichen Entspannungsverfahren Einzug in die medizinische Praxis in Deutschland gefunden hat.
Da die hiesigen Krankenkassen bislang eher Studien aus dem deutschsprachigen Raum und ebensolche allgemeine Literaturverweise akzeptierten (Zentrale Prüfstelle Prävention), kommt nun ein grösserer/reellerer Blickwinkel hinzu.
Esoterisch verklärt wird eher jemand, (meine ich), der nicht lesen und sich kein eigenes Urteil bilden kann oder sich es nicht zutraut.
Was beim Yoga immens zählt ist: "Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiss gesetzt!". Also, learning by doing und nicht zu früh aufgeben. Danke für den Beitrag!
LNS

Nachrichten zum Thema

3. Dezember 2018
Leipzig – Rund ums Thema Depression können sich Betroffene und Angehörige jetzt auf einer interaktiven Webseite austauschen. Ziel sei es, einen offenen Umgang mit Depression zu fördern und so
Plattform für Erfahrungsaustausch über Depressionen
27. November 2018
Berlin – Wenn Menschen an Depressionen erkranken, sind davon häufig auch die Familien und Freunde stark betroffen. 84 Prozent der Erkrankten reagierten mit sozialem Rückzug, heißt es im gestern
Depressionen: Hohe Belastung, auch für Angehörige
5. November 2018
Frankfurt am Main – Der Anteil von Senioren mit Depressionen liegt der Einschätzung von Wissenschaftlern zufolge in Altersheimen höher als bei Gleichaltrigen, die noch im eigenem Zuhause leben. Es
Wissenschaftler: Depression bei Heimbewohnern seltener behandelt
24. Oktober 2018
Hannover – Sie haben Kopf- oder Bauchschmerzen, sind leicht reizbar oder fühlen sich ständig erschöpft: Wegen stressbedingter Beschwerden und psychischer Krankheiten sind immer mehr Schülerinnen und
Immer mehr junge Menschen sind psychisch krank
1. Oktober 2018
Berlin - Gegen eine Stigmatisierung depressiver Erkrankungen setzt die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) sachliche und fundierte Informationen zu dem Krankheitsbild. „Wir müssen diesen Menschen die Angst vor
Bundesärztekammer engagiert sich gegen Stigmatisierung bei Depressionen
28. September 2018
Berlin – Experten beklagen die hohe Zahl an verordneten Medikamenten gegen Depression in Deutschland. Zuletzt seien sieben Mal so viele Antidepressiva verordnet worden wie noch vor 25 Jahren, erklärte
Experten beklagen hohe Zahl verordneter Antidepressiva
24. September 2018
Die psychologische Psychotherapeutin und stellvertretende Vorsitzende von EMDRIA Deutschland Susanne Leutner führt eine EMDR durch. Die Patientin folgt mit den Augen ihren Fingern, die sich schnell
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER