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Ärzteschaft

KV fordert Kostenbeteiligung der Patienten an Not- und Bereitschaftsdienst

Donnerstag, 16. März 2017

Stuttgart – Eine Kostenbeteiligung von Patienten, die den ärztlichen Bereitschaftsdienst aufsuchen oder in die Notaufnahmen der Krankenhäuser gehen, fordert die Kassen­ärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). „Es wird dringend Zeit, dass die Politik hier ein Zeichen setzt. Wir haben seit Jahren einen deutlichen Anstieg der Patientenzahlen, die den ärztlichen Bereitschaftsdienst aufsuchen oder in die Not­aufnahmen der Krankenhäuser gehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KV, Norbert Metke.

Die Zahlen seien nicht mit einer erhöhten Dringlichkeit für eine Behandlung an den Wochenenden, an Feiertagen oder der Nacht zu erklären. „Vielmehr müssen wir feststellen, dass viele Patienten den Notfalldienst nur als eine Art erweiterter Sprech­stunde nutzen. Dafür ist er aber nicht gedacht“, sagte Metke. 

Auf die hohen Kosten des Not- und des Bereitschaftsdienstes wies Johannes Fechner aus dem KV-Vorstand hin. „Die niedergelassenen Ärzte, aber auch die Krankenhäuser müssen einen hohen Aufwand betreiben, um die Strukturen für den ärztlichen Bereit­schaftsdienst und die Notaufnahmen zur Verfügung zu stellen – alles Mittel und Perso­nal, das nicht für die eigentlichen Aufgaben verwendet werden kann“, betonte er.

Die KV Baden-Württemberg hat bei ihrem Vorstoß bewusst keine konkrete Summe in die Diskussion eingebracht, die ein Besuch beim Not- oder beim Bereitschaftsdienst kosten könnte. „Es geht vielmehr um das Grundprinzip“, erklärte ein Sprecher der KV gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Die Frage nach der Höhe des Eigenanteils, der Form, wie dieser entrichtet werde, Befreiungsregelungen und anderes seien noch offen. 

In den vergangenen Monaten haben verschiedene Organisationen eine stringentere Patientensteuerung gefordert und dazu Eigenbeteiligungen von Patienten in die Dis­kussion gebracht, so die KV Rheinland-Pfalz für die Notdienstversorgung im Kranken­haus. Auch der Hartmannbund forderte dafür schon 2016 eine „angemessene und sozial verträgliche Eigenbeteiligung“. © hil/aerzteblatt.de

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kairoprax
am Freitag, 17. März 2017, 08:12

Die Notfalldienstreform nach dem Baden-Württemberg-Modell steht auf dem Index


Kritiker der überhastet durchgeführten Notfalldienstregelung in Baden-Württemberg mit viel zu wenigen kliniknahen Praxen statt der ehedem praktizierten wohnortnahen Wochenend- und feierabenddienstregelungen einerseits und einer geradezu fürstlichen Honorierung der Dienste in den Praxen der KV, damit sich überhaupt Kolleg(inn)en bereiterklären dort Dienst zu tun, sehen sich jetzt bestätigt.
Von Beginn an war klar, daß die großen Krankenkassen dem Modell, im Kern vom Baden-Württembergischen KV-Vize Johannes Fechner mit Macht vorangetrieben sich nur marginal an den Kosten beteiliogen werden. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Fakt ist, wir Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg zahlen die Notfallpraxen und die üppigen Honorare aus unserem eigenen Honorartopf über eine Zwangsabgabe. Konkret heißt das, die ersten Dienste in den Notfallpraxen, so üppig sie auch scheinen mögen, dienen zuerst einmal dazu, die Zwangsabgabe auszugleichen.
Kein wirklich lohnendes Verfahren!
Dieses Modell hat dazu geführt, daß ein Großteil (mehr als die Hälfte) der Niedergelassenen garnicht mehr am Notfalldienst teilnehmen wollen. Dem verbleidenden rest geht (so wie hier im Ortenaukreis) allmählich auch die Freude an den Diensten abhanden. Es hätte statt der Notfalldienstreform einer angemessenen Honorierung der Wochenend- und Feierabend-Dienstbereitschaft in den Praxen vor Ort bedurft. Dann wären auch die Patienten nicht scharenweise, wenn sie ohnehin lange Wege auf sich nehmen müssen, in den Krankenhausambulanzen gelandet, sondern in den Praxen geblieben.
Das Problem ist hausgemacht. Es ist verschuldet durch die Beratungsresistez und die Hartnäckigkeit der KV-Verantwortlichen und deren Ungeschick, wenn schon, dann wenigsten die Krankenkassen zum Zahlen ztu bewegen. Wir Kollegen wurden zu einer Notfalldienstregelung gezwungen, über die wir nicht einmal selbst bestimmen durften, die Krankenkassen haben sich feixend bedeckt gehalten und waren glücklich darüber, daß die Ärzte ihre Dienste jetzt quasi für Gotteslohn verrichten.
Und jetzt, wo es auch den BVerantwortlichen in der KV bewußt wird, daß Millionenbeträge von der eigentlichen Aufgabe der Arbeit in der Praxis versanden in einer fixen Idee, will man die Patienten zur Eigenbeteiligung heranziehen?
Nein, um es drastisch auszudrücken, sollte Johannes Fechner als Hauptarchitekt dieser Misere herangezogen werden und nicht die Patienten, die ebensolche Leidttragenden sind wie wir Ärztinnen und Ärzte.

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