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Ärzteschaft

NRW sucht Lösungen für den ambulanten Notdienst

Donnerstag, 16. März 2017

Dortmund/Düsseldorf – Seit sechs Jahren beschäftigt sich die Kassenärztliche Vereini­gung Nordrhein (KVNO) mit der Reform des ambulanten ärztlichen Notfalldienstes – bislang ohne nennenswerten Erfolg. Ebenso lange arbeiten die niedergelassenen Ärzte in Westfalen-Lippe nach einem Notdienstkonzept mit 63 zentralen Notdienstpraxen im Landesteil, die vorwiegend an Krankenhäusern sind und zu den sprechstundenfreien Zeiten der Mediziner geöffnet haben.

Hinzu kommt der sogenannte Fahrdienst, der die diensthabenden Ärzte zu den Kranken bringt, die nicht in die Notdienstpraxen kommen können. Er wird in Duisburg von der gemeinsamen Arztrufzentrale der beiden Kassenärztlichen Vereinigungen in Nordrhein-Westfalen koordiniert. Obwohl der Notdienst in Westfalen-Lippe gut und weitgehend beschwerdefrei läuft, klagen die Mediziner dort über das gleiche Problem wie ihre Kollegen im Rheinland: Die Patienten gehen meist in die Ambulanzen der Kranken­häuser statt zum Notdienst der niedergelassenen Ärzte.

Immer noch gehen zu viele Patienten während der Praxisöffnungszeiten in die Notfallambulanz

„Immer noch kommen rund 60 Prozent der Notfalldienst-Abrechnungen aus den Klinik-Ambulanzen“, sagte Gerhard Nordmann jüngst in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Darunter seien auch Abrech­nungen für Leistungen, die während der Öffnungszeiten der Arztpraxen erbracht worden seien, bemängelte der 2. Vorstandsvorsitzende der KVWL.

Andrerseits machten die Kliniken medial mobil. „Sie klagen öffentlichkeitswirksam von ihrer Überlastung – behaupten, die Niedergelassenen kämen ihrem Sicherstellungs­auftrag nicht mehr nach – und stellen die Klinik als letzten sicheren Hort der Versorgung dar“, kritisierte Nordmann. Dabei gehe es ihnen vor allem um eines: mehr Geld. Die Politik habe auf die Klagen regiert und im Versorgungsstärkungsgesetz den KVen vor­geschrieben, enger mit den Kliniken zu kooperieren und eine gemeinsame Notfall­versorgung über Portalpraxen zu organisieren.

Ziel ist eine sektorenübergreifender Notdienst 

„Auch wir in Nordrhein-Westfalen müssen uns vor diesem Hintergrund Gedanken machen, ob wir an unseren Strukturen etwas ändern oder optimieren können“, so Nordmann weiter. Dabei gehe es zum Beispiel um die Fragen, wie der Notfalldienst künftig sektorenübergreifend organisiert werden kann, ob eine Triage nötig ist und damit verbunden eine Zuweisung der Patien­ten an die richtige Struktur und ob Umbauten an den jetzigen Standorten der Notdienst­praxen nötig sind, um Patienten eine gemeinsame Aufnahme mit der Klinikambulanz zu ermöglichen.

„Erschwert wird die Situation im Land sicherlich durch die Lage in Nordrhein, wo alle Bemühun­gen um eine Vereinheitlichung des vertragsärztlichen Notfalldienstes bislang gescheitert sind“, sagte Gerhard Nordmann mit Blick auf das Rheinland. Der neue Vor­stand der KVNO hat jedoch bereits angekündigt, das geplante und umstrittene Not­dienst­konzept für das Rheinland noch einmal komplett zu überdenken und eine Lösung zu entwickeln, in die auch die Krankenhäuser, die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) und die Krankenkassen eingebunden werden.

Darüber hinaus will die KVNO ebenfalls über die Einführung einer Triage nachdenken und auch den Rettungsdienst in das Konzept einbeziehen, damit künftig das richtige Rettungsmittel genau dort zum Einsatz kommt, wo es auch gebraucht wird. Außerdem spricht sie sich für die Schaffung einer einheitlichen Struktur bei den Leitstellen im Land aus.

„Wenig hilfreich“ ist es aber in dieser Situation, wenn die Ärztekammer Westfalen-Lippe „selbst kleinste Ansätze zur Steuerung von Patienten verteufelt“, kritisierte Gerhard Nordmann den Präsidenten der Kammer, Theodor Windhorst. Windhorst hatte sich gegen die Abklärungspauschale von 4,74 Euro (nachts 8,42 Euro) ausgesprochen, die die Kliniken ab dem 1. April erhalten, wenn nach Abklärung eines Notfalls entschieden wird, dass ein Patient auch von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden könnte und dorthin verwiesen wird. „Er will offensichtlich Patienten in den Klinik-Ambulanzen halten und fordert dafür auch mehr Geld für die Krankenhäuser. Unser Geld!“, betonte Nordmann. Das ist seiner Ansicht nach keine Lösung und auch von allen Parteien, die an der Lösung des Problems arbeiten, nicht gewollt.

Um Lösungen zu entwickeln, hat sich in Nordrhein-Westfalen inzwischen der Arbeits­kreis Notdienst gebildet. Ihm gehören die beiden KVen, die KGNW, aber auch die Krankenkassen, die Ärztekammern und Vertreter der Patienten an. Den Vorsitz hat das Ge­sund­heits­mi­nis­terium. Der Arbeitskreis soll zunächst die Situation vor Ort erfassen und analysieren. In einem nächsten Schritt sollen dann lokale und regionale Pilotprojekt für die Notfallversorgung folgen.

Nordmann fordert extrabudgetäre Finanzierung für alle Leistungen im Notfalldienst

Bei allen möglichen Änderungen und Anpassungen im ambulanten Notfalldienst gibt es für den 2. Vorstandsvorsitzenden der KVWL aber eine ganz zentrale Forderung: „Künftig muss es eine extrabudgetäre Finanzierung für alle Leistungen im Notfalldienst geben. Das ist ein Baustein auf den wir nicht verzichten können.“ Die niedergelassenen Ärzte könnten weder ausufernde Leistungen noch neue Strukturen aus der vertragsärztlichen Gesamtvergütung finanzieren.

„Ich lasse es nicht zu, dass unsere Gesamtvergütung von wem auch immer geplündert wird“, brachte es Nordmann auf den Punkt. Für sinnvoll hält er auch eine Selbst­beteiligung der Patienten, ähnlich wie die Praxisgebühr von zehn Euro, die bis Ende 2012 erhoben wurde. „Die war nicht segensreich und auch löchrig, aber sie hatte eine gewisse Steuerungsfunktion im Notdienst.“ Politisch sei sie jedoch nicht durchsetzbar, erst recht nicht so kurz vor den Wahlen zum Landtag in NRW im Mai und zum Bundestag im September. „Wir werden das Thema aber nicht fallen lassen und es in den Diskussionen immer wieder vortragen“, kündigte Nordmann an. © ts/aerzteblatt.de

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