NewsMedizinReizdarm: FDA verbietet Eluxadolin bei Patienten ohne Gallenblase
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Reizdarm: FDA verbietet Eluxadolin bei Patienten ohne Gallenblase

Freitag, 17. März 2017

Silver Spring – Der Opioid-Rezeptor-Modulator Eluxadolin kann eine schwere Pankrea­titis auslösen. Die US-Arzneibehörde FDA zieht nach mehr als 120 Meldungen inklusive zwei Todesfällen in den ersten zehn Monaten seit der Zulassung eine erste Konse­quenz. An Patienten ohne Gallenblase darf das Medikament künftig nicht mehr verordnet werden.

Eluxadolin wurde von der FDA im Mai 2016 (in Europa September 2016) zur Behand­lung von Erwachsenen mit Reizdarmsyndrom mit Durchfall (IDS-D) zugelassen. Bis einschließlich Februar trafen beim FDA Adverse Event Reporting System (FAERS) mehr als 120 Meldungen über schwere Pankreatitis-Fälle ein. Sechsundsiebzig Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden, zwei Patienten starben. Bei sechs Patienten wurde ein Krampf im Musculus sphincter Oddi dokumentiert, 16 Patienten klagten über schwere Bauchschmerzen.

Die Komplikationen traten häufig zu Beginn der Behandlung auf: Bei 48 von 84 Fällen, bei denen der Beginn der Behandlung dokumentiert wurde, trat die Komplikation nach der ersten oder zweiten Dosis auf. Die anderen 36 Patienten hatten das Mittel bereits längere Zeit eingenommen, als es zur Komplikation kam.

Anzeige

Besonders häufig betroffen sind Patienten ohne Gallenblase. In diese Gruppe fielen 56 Patienten, von denen 44 Patienten die empfohlene Dosierung von 75 mg erhalten hatten. Keiner der Patienten, deren Alkoholkonsum bekannt war, hatte übermäßig Alkohol getrunken. Das Fehlen der Gallenblase könnte demnach der einzige Risikofaktor gewesen sein.

Auch die beiden Patienten, die eine tödliche Komplikation erlitten, waren ohne Gallenblase. Der erste Patient hatte innerhalb von 60 Minuten nach Einnahme der ersten und einzigen Dosis Eluxadolin über akute schwere Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen geklagt. Er starb innerhalb von drei Tagen an den Folgen einer Pankreatitis. Bei dem anderen Patienten wurde ein Krampf des Sphinkter Oddi als Todesursache angegeben. Auch dieser Patient hatte nur eine einzige Dosis eingenommen und auch er hatte kurz danach über schwere Bauchschmerzen und Erbrechen geklagt. 

Die FDA macht keine Aussagen über die Pathogenese. Es ist aber bekannt, dass Opiate den Muskeltonus im Sphinkter Oddi erhöhen. Der Verschluss des gemeinsamen Ausgangs von Galle und Bauchspeichel kann durch den Aufstau eine Pankreatitis auslösen.

Da nicht jede unerwartete Arzneimittelwirkung den Arzneibehörden gemeldet wird, muss unklar bleiben, wie häufig die Komplikation ist. Die Zahl der Patienten, die mit dem Medikament behandelt wurden, ist jedoch überschaubar. Laut IMS Health wurde das Medikament zwischen Mai 2015 und Juli 2016 an 34.000 Patienten verordnet, die ingesamt 64.000 Rezepte einlösten. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. März 2019
Singapur – Bestandteile von zerfallenden Darmbakterien werden offenbar vom Darm resorbiert und sind dann im Blut mit einem Antikörper nachweisbar, der in tierexperimentellen Studien in Nature
Antikörper gegen Darmbakterien könnte Autoimmunerkrankungen abschwächen
4. März 2019
Kiel – Einen molekularen Mechanismus, der das Gleichgewicht zwischen Immunreaktionen im Darm und der natürlichen Darmmikrobiota im Gleichgewicht hält, hat eine internationale Wissenschaftlergruppe um
Wie das Immunsystem das Mikrobiom im Gleichgewicht hält
28. Februar 2019
Berlin – Die Krankenkasse Barmer sieht Menschen mit Reizdarmsyndrom (RDS) in Deutschland oftmals falsch behandelt. Die Krankenkasse geht davon aus, dass hierzulande rund elf Millionen Menschen vom
Zu viel Diagnostik und falsche Medikamente bei Reizdarmsyndrom
18. Februar 2019
Bern/Genf – Bei neuroendokrinen Tumoren des Pankreas, Magens und des Darms könnten Medikamente in Kombination besser wirken als einzeln – insbesondere wenn Somatostatin-Analoga beteiligt sind. Zu
Neuroendokrine Tumoren: Medikamente wirken kombiniert meist besser als einzeln
11. Februar 2019
Potsdam – Ein Potsdamer Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat gezeigt, dass ein Bakterium namens Clostridium ramosum die Darmzellen von Mäusen dazu bringt, vermehrt
Wie Darmbakterien das Übergewicht fördern könnten
4. Februar 2019
Cambridge/Massachusetts – US-Ingenieure haben eine Pille entwickelt, die im Magen innerhalb von wenigen Minuten zu Ballongröße anschwillt und über einen Monat lang der Säure und der Peristaltik
Kugelfischpille misst Magentemperatur und könnte bei der Diät helfen
8. Januar 2019
Bozeman/Montana – Der menschliche Körper ist Arsen, das in vielen Regionen der Erde im Grundwasser enthalten ist, nicht schutzlos ausgeliefert. Neben einem Enzym, das das Halbmetall in der Leber
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER