Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Altersbedingter Makuladegeneration: Häufige Injektionstherapien erhöhen Glaukomrisiko

Freitag, 17. März 2017

Vancouver – Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD), die pro Jahr sieben oder mehr intravitreale Injektionen des Medikaments Bevacizumab erhielten, werden einer Fall­kontroll­studie in JAMA Ophthalmology (2017; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2017.0059) zufolge deutlich häufiger wegen eines Glaukoms operiert.

Injektionen von Bevacizumab oder anderen anti-VEGF-Substanzen können die Sehkraft bei vielen Patienten mit AMD stabilisieren oder sogar zeitweise verbessern. Nach den intravitrealen Injektionen kommt es zu einem temporären Anstieg des intraokularen Drucks. Da sich die Werte innerhalb von 30 bis 60 Minuten normalisieren, wurde diesem Befund bisher wenig Bedeutung beigemessen. In den letzten Jahren häuften sich jedoch Berichte über Patienten, bei denen der Druck nach der Injektion nicht wieder zurückging. Ein dauerhaft erhöhter Augeninnendruck ist jedoch ein möglicher Auslöser eines Glaukoms, das über die Schädigung des Augennerven zur Erblindung führen kann. 

Brennan Eadie von der Universität von British Columbia in Vancouver und Mitarbeiter haben in den Abrechnungsdaten der kanadischen Provinz insgesamt 74 Patienten gefunden, die sich nach dem Beginn einer Behandlung mit Bevacizumab einer Glaukom-Operation unterzogen. Sie verglichen diese Patienten mit jeweils zehn Patienten, die wegen einer AMD mit Bevacizumab behandelt wurden, (bisher?) aber nicht operiert wurden.

Sie fanden heraus, dass 33 der 74 Glaukom-Patienten (44,6 Prozent) sieben oder mehr Bevacizumab-Injektionen pro Jahr erhalten hatten. In der Kontrollgruppe ohne Glaukom hatten nur 254 von 740 Patienten (34,4 Prozent) sieben oder mehr Injektionen erhalten. Eadie ermittelt eine Rate Ratio von 2,48, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,25 bis 4,93 signifikant war.

Dies spricht dafür, dass häufig wiederholte intravitreale Injektionen von Bevacizumab das Glaukomrisiko erhöhen. Ob dies auch für andere anti-VEGF-Substanzen gilt, konnte Eadie nicht klären, da in British Columbia nur Bevacizumab verwendet wurde. Der Pathomechanismus ist nicht klar. Möglich erscheint, dass die wiederholten Injektionen zu einer Traumatisierung und zu Entzündungsreaktionen des Bulbus führen. Denkbar ist aber auch, dass die Medikamente eine toxische Wirkung auf das Trabekel-Netzwerk haben, über die das Augenwasser drainiert wird. Zu prüfen wäre, ob die Antikörper durch ihre Größe den Abfluss des Augenwassers behindern. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

26.06.17
Zwei Magnete im Auge unterdrücken Nystagmus
London – Ein 49-jähriger Mann, der infolge eines paraneoplastischen Syndroms an einem medikations-resistenten Nystagmus leidet, kann dank zwei Magneten im Auge wieder einzelne Gegenstände fixieren.......
26.06.17
Voruntersuchungen entscheidend bei Lasik-OP
München – Auf die Bedeutung ausführlicher Voruntersuchungen bei einer Laser-in-situ-Keratomileusis (Lasik) – also einer Korrektur von Fehlsichtigkeit mittels eines Lasers – weist die Deutsche......
30.05.17
München – Das AMD-Netz, der Berufsverband der Augenärzte (BVA), der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und PRO RETINA Deutschland......
19.05.17
Kassen übernehmen mehr Kosten für Sehhilfen
Berlin – Ab sofort können Augenärzte kurz- und weitsichtigen Patienten sowie Erwachsenen mit einer Hornhautverkrümmung ab einem bestimmten Dioptrienwert eine Sehhilfe verschreiben. Eine entsprechende......
17.05.17
Gentherapie der AMD in erster klinischer Studie erfolgreich
Baltimore – Eine Gentherapie, die Retinazellen zu Produzenten eines Biologikums macht, hat in einer offenen Phase-1-Studie bei Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD) vielversprechende......
11.05.17
Sehschwäche: Rasanter Anstieg bei US-Vorschulkindern prognostiziert
Berlin – Um das Augenlicht der US-Vorschulkinder ist es schlecht gestellt. Bis 2060 soll die Prävalenz von Sehschwächein in der Altersklasse zwischen drei und fünf Jahren um 26 Prozent ansteigen. So......
10.05.17
Boston – Intraokulare Steroid-Depotsysteme werden wegen ihrer prinzipiellen Vorteile bei der Behandlung chronischer Entzündungen des Auges vielfach bevorzugt. Ein intravitreales Steroidimplantat, das......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige