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Medizin

Demenzprävention: Selen und Vitamin E ohne Wirkung

Montag, 20. März 2017

Selen und Vitamin E wirken antioxidativ. Bild mit verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln /pat_hastings stock.adobe.com
Selen und Vitamin E wirken antioxidativ. Ob sie in Form von Nahrungsergänzungsmitteln Alzheimer vorbeugen können, ist jedoch nicht erwiesen. /pat_hastings, stock.adobe.com

Lexington – Wer antioxidativ wirksame Nahrungsergänzungsmittel mit Selen oder Vitamin E zu sich nimmt, wird sein Demenzrisiko nicht mindern. Zu diesem Ergebnis kommt eine doppelblinde Studie mit mehr als 3.700 Männern, die in JAMA Neurology erschienen ist (2017; doi: 10.1001/jamaneurol.2016.5778).

Weder allein noch in Kombination vermochten das Spurenelement Selen und Vitamin E, eine Demenz bei noch asymptomatischen Männern im fortgeschrittenen Alter von min­destens 60 Jahren zu vermeiden. Oxidativer Stress begünstigt die Enstehung einer Demenz. Die Entgiftung der Körperzellen von freien Radikalen ist daher ein Ansatz­punkt, mit dem Forscher hoffen, der Alterskrankheit vorbeugen zu können.

Im Rahmen der klinischen Studie „Prevention of Alzheimer's Disease by Vitamin E and Selenium“ (PREADViSE) untersuchten Forscher um Richard J. Kryscio von der Uni­ver­sity of Kentucky 7.540 Männer fünf Jahre lang und davon 3.786 Männer über einen längeren Zeitraum von bis zu sechs weiteren Jahren. Sie wurden in vier Gruppen eingeteilt, die fünf Jahre lang entweder Vitamin E (400 Internationale Einheiten [IE]/Tag), Selen (200 μg/Tag), beides oder einen Plazebo erhielten.

Die Demenzinzidenz unterschied sich nicht in den vier Studienarmen. Insgesamt er­krank­ten 325 Teilnehmer (4,4 Prozent). 71 Männer (4,0 Prozent) in der Vitamin-E-Gruppe erhielten die Diagnose Demenz, 78 (4,2 Prozent) in der Selengruppe, 85 (4,6 Prozent) in der Plazebogruppe und 91 (5,0 Prozent) Männer, die beide Nahrungs­ergänzungs­mittel einnahmen.

Eine mögliche Ursache für das Versagen der Prävention könnte auch die kleine Sub­population von betroffenen Demenzpatienten im Follow-up sein, geben die Autoren zu bedenken. „Die Aussagekraft der Statistik wurde durch die Halbierung der ursprüng­lichen Studiengruppe nach fünf Jahren reduziert“, schreiben auch Steven T. DeKosky von der University of Florida und Lon S. Schneider vom Alzheimer’s Disease Research Center in Los Angeles im Editorial.

Zudem hatten die verbliebenen Teilnehmer ein höheres Bildungsniveau als die Durchschnittsbevölkerung und bereits bei Beginn der Studie ein geringeres Alter. Andere Alzheimerstudien starteten meist bei einem Alter von mindestens 70 Jahren. Es sei daher eher unwahrscheinlich, dass die Forscher im Rahmen von PREADViSE einen schützenden Effekt von Selen oder Vitamin E finden konnten, vermuten DeKosky und Schneider.  © gie/aerzteblatt.de

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