Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Katheterablation: Dabigatran mit geringerem Blutungsrisiko als Vitamin K-Antagonist

Dienstag, 21. März 2017

fotoliaxrender-stockadobecom

Baltimore – Der Thrombinhemmer Dabigatran hat in einer randomisierten Studie das Schlaganfallrisiko einer Katheterablation des Vorhofflimmerns ebenso effektiv gesenkt wie der Vitamin-K-Antagonist Warfarin, dabei aber deutlich weniger Blutungskompli­kationen erzeugt. Die Studienergebnisse wurden auf der Jahrestagung des American College of Cardiology in Washington vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2017; doi: 10.1056/NEJMoa1701005) publiziert.

Eine Katheterablation kann ein Vorhofflimmern dauerhaft beenden. Die Behandlung, bei der ein Katheter über die Leiste bis ins Herz vorgeschoben und dann durch das Vorhof­septum in den linken Vorhof gestochen wird, um dort den Entstehungsort der Arrhythmie zu veröden, ist jedoch nicht ohne Risiko. Am meisten gefürchtet wird ein Schlaganfall, ausgelöst durch das Abdriften von Blutgerinnseln aus dem Vorhof in die Hirnarterien. Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehört eine orale Antikoagulation, die bisher mit Vitamin-K-Antagonisten durchgeführt wurde.

Die Einführung neuer oraler Antikoagulanzien wie Dabigatran, die zunehmend bei Patienten mit Vorhofflimmern eingesetzt werden, hat die Frage aufgeworfen, ob die Patienten bei einer Katheterablation ausreichend vor einem Schlaganfall geschützt sind, oder ob es sicherer ist, die Antikoagulation vorübergehend auf einen Vitamin-K-Antago­nisten umzustellen. Die RE-CIRCUIT-Studie hat diese Frage beantwortet.

An 104 Zentren in elf Ländern (mit deutscher Beteiligung) wurden 704 Patienten, bei denen eine Katheterablation geplant war, auf eine ununterbrochene Antikoagulation mit Dabigatran (150 mg zweimal täglich) oder Warfarin (Ziel-INR 2,0–3,0) randomisiert. Der primäre Endpunkt war die Inzidenz von schweren Blutungen während der Ablation oder in den acht Wochen danach.

Wie Hugh Calkins von Johns Hopkins Medicine in Baltimore und Mitarbeiter berichten, kam es unter der Antikoagulation mit Dabigatran bei fünf Patienten (1,6 Prozent) zu einer schweren Blutung gegenüber 22 Patienten (6,9 Prozent) unter der Antikoagulation mit Warfarin. Dies ergibt eine absolute Risikodifferenz von 5,3 Prozentpunkten, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,2 bis 8,4 Prozentpunkten signifikant war. Unter der Antikoagulation kam es seltener zu einer periprozeduralen Perikardtampo­nade (ein versus sechs Ereignisse) und seltener zu Leisten-Hämatomen (null versus acht Ereignisse). Die Inzidenz kleinerer Blutungen war dagegen in beiden Gruppen gleich. 

Beide Antikoagulanzien schützten die Patienten vor einem Schlaganfall. Das einzige thromboembolische Ereignis trat bei einem Patienten in der Warfarin-Gruppe auf. Insgesamt ergibt dies einen Vorteil für Dabigatran. 

Die Studienergebnisse liefern laut Calkins gute Argumente für eine Fortsetzung der Antikoagulation mit Dabigatran. Auf die komplizierte Umstellung auf einen Vitamin-K-Antagonisten könne verzichtet werden. Auch die Sorge, im Fall einer Blutung über kein Gegenmittel zu verfügen, sei seit der Einführung von Idarucizumab nicht mehr begrün­det. Der Antikörper kam in der Studie übrigens bei keinem Patienten zum Einsatz. Alle Blutungen konnten auf konventionellem Weg beherrscht werden. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18.08.17
TAVI: Filtersystem reduziert Schlaganfälle bei OP um 70 Prozent
Ulm – Tritt während einer OP am Herzen ein Schlaganfall auf, bedeutet das für den Patienten häufig Invalidität oder gar den Tod. Verwenden Mediziner während einer......
08.08.17
Schlaganfall bei Jüngeren: Ursache häufig nicht bekannt
Köln – Schlaganfälle, für die sich keine definitiven Ursachen finden lassen, machen bis zu 50 Prozent der juvenilen Schlaganfälle aus. Grundsätzlich ist beim juvenilen Schlaganfall das......
24.07.17
Schlaganfall: Frühe Komplikationen erhöhen die Überlebenschancen
Toronto – Eine Sekundärprävention sollte auch bei kleinen Schlaganfällen (transient, ischämische Attacke, TIA) erfolgen, wenn in den ersten 90 Tagen nach dem Vorfall keine Komplikationen auftreten.......
21.07.17
Welttag des Gehirns: Neurologen fordern mehr Prävention
Berlin/New York – Der Hirninfarkt ist die zweithäufigste Todesursache bei Menschen über 60 und die zweithäufigste Ursache für Behinderungen weltweit. Darauf hat die Weltföderation für Neurologie......
18.07.17
Lange Arbeitszeiten erhöhen Risiko auf Vorhofflimmern
London – Wochenarbeitszeiten von 55 Stunden oder länger waren in einer Multi-Kohortenstudie im European Heart Journal (2017; doi: 10.1093/eurheartj/ehx385) mit einem um etwa 40 Prozent erhöhten Risiko......
14.07.17
Idarucizumab stoppt Dabigatran-Blutungen – „Rebound“-Blutungen und Spätthrombosen in Studie
Philadelphia – Der Antikörper Idarucizumab, der als Antidot gegen den direkten oralen Thrombinhemmer Dabigatran entwickelt wurde, hat in einer Studie Blutungen innerhalb von zweieinhalb Stunden......
05.07.17
Seoul - Ein Herpes Zoster erhöht möglicherweise das Risiko auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das kam in einer Analyse von Krankenregistern in Südkorea heraus, die jetzt im Journal of the......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige