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Medizin

FDA untersucht Probleme mit erstem bioresorbierbarem Koronarstent

Mittwoch, 22. März 2017

stent-adobe.stock.com

Silver Spring - Die Implantation von Absorb GT1, dem ersten bioresorbierbarenn Koronarstent, hat in der maßgeblichen Studie zu einem Anstieg von schweren kardialen Ereignissen geführt. Die auf einer Tagung des American College of Cardiology vorgestellten Ergebnisse haben die US-Arzneibehörde FDA zu einer Sicherheitsprüfung veranlasst.

Der Bio-Stent Absorb GT1, der in Europa bereits seit 2011 eingesetzt wird, wurde in den USA im letzten Jahr aufgrund der Ergebnisse der ABSORB III-Studie zugelassen. An der Studie hatten an 193 Zentren insgesamt 2.008 Patienten mit stabiler oder instabiler Angina pectoris teilgenommen. Sie wurden im Verhältnis 2 zu 1 auf die Implantation von Absorb GT1 oder Xience randomisiert.

Beide Stents setzen das Immunsuppressivum Everolimus frei. Sie bestehen aber aus unterschiedlichen Materialien. Xience ist eine Legierung aus Kobalt und Chrom, die vermutlich lebenslang in den Koronarien erhalten bleibt. Absorb GT1 besteht aus einem Polymer aus chemisch aneinander gebundenen Milchsäuremolekülen. Dieser BVS („Bioresorbable Vascular Scaffold“) wird langsam vom Körper resorbiert. Dies soll verhindern, dass es nach Jahren, wenn die Everolimus-Beschichtung verloren gegangen ist, zu Stentthrombosen kommt, einer gefürchteten Komplikation von medikamentenfreisetzenden Stents (DES).

Im ersten Jahr der Studie haben sich beide Stents als gleichwertig erwiesen, auch wenn ein Trend zu einer erhöhten Versagerrate in der behandelten Koronarie („Target Lesions Failures“, TLF) bereits erkennbar war. Dennoch wurde der Stent von der FDA zugelassen. Die FDA verlangte allerdings vom Hersteller, dass die Studie über vier weitere Jahre fortgesetzt wird.

Die jetzt von Stephen Ellis von der Cleveland Clinic vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass sich im zweiten Jahr der Studie aus dem ungünstigen Trend ein signifikanter Nachteil entwickelt hat. Der Anteil der Patienten mit einem TLF beträgt in der Gruppe mit Absorb GT1-Stents 10,9 Prozent gegenüber 7,8 Prozent nach Implantation von Xience-Stents. Die Hazard Ratio (HR) beträgt 1,42 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,04 bis 1,94 signifikant. Die Zahl der Stentthrombosen war mit 1,9 Prozent gegenüber 0,8 Prozent ebenfalls signifikant erhöht.

Damit hat sich für die FDA ein Handlungsbedarf ergeben. Die Behörde will jetzt prüfen, ob der Anstieg auf den Stent oder auf eine falsche Anwendung zurückzuführen ist. Der Absorb GT1 hat einen etwas größeren Durchmesser als der Xience-Stent. Das Studiendesign sah deshalb vor, dass die Stents nur in Koronarien mit einem Kaliber von mehr als 2,5 Millimeter eingesetzt werden. Dies war allerdings eine Kann-Vorgabe. Den Kardiologen wurde freigestellt, die Implantation auch in kleineren Koronarien zu versuchen, was dann in 19 Prozent der Implantationen auch geschah. Dies könnte ein Grund für die schlechteren Ergebnisse gewesen sein, zumal eine weitere Studie, ABSORB IV, wohl zu dem Ergebnis gekommen ist, dass genauere Regeln zur Implantation das Risiko vermindern. 

Eine weitere mögliche Erklärung könnte eine zu kurze Dauer der dualen Antithrom­bozytentherapie (DAPT) sein. Die DAPT besteht aus der Kombination von Acetylsalicylsäure (ASS) mit einem P2Y12-Antagonisten wie Clopidogrel. Die ABSORB III-Studie sah eine Mindestdauer von 12 Monaten vor (danach wird nur die ASS-Gabe fortgesetzt). Die FDA muss jetzt zu klären versuchen, ob das Absetzen des P2Y12-Antagonisten möglicherweise für die erhöhte Zahl von Stent-Thrombosen verantwortlich war. 

Zunächst hat die FDA keine Einschränkungen erlassen. Die Kardiologen werden jedoch aufgefordert, sich an die empfohlenen Gefäßkaliber zu halten und auf die Implantation von Absorb GT1 in kleineren Gefäßen zu verzichten. © rme/aerzteblatt.de

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