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Medizin

Mehr als drei Stunden Bildschirmzeit täglich erhöhen Diabetesrisiko bei Kindern

Mittwoch, 22. März 2017

/Sven Bähren, stock.adobe.com

London – Täglich mehr als drei Stunden vor dem Bildschirm zu verbringen – sei es TV, Com­puter, Smartphone, Tablet oder Spielkonsole – steht auch bei Kindern mit Risiko­fak­to­ren für einen Typ-2-Diabetes in Zusammenhang. Eine Beschränkung des täglichen Fern­seh- oder Computerkonsums kann helfen, Gesundheitsproblemen vorzubeugen. Dies fanden Forscher des Population Health Research Institute und der St. George’s Uni­versity of London heraus. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in Archives of Disease in Childhood (2017; doi: 10.1136/archdischild-2016-312016).

Zu den oben genannten Risikofaktoren gehören Adipositas und eine Insulinresistenz. Die­se tritt auf, wenn die Zielzellen nicht in der Lage sind, adäquat auf das Hormon Insulin zu reagieren. Vorherige Studien hatten darauf hingedeutet, dass Erwachsene, die viel Zeit vor einem Bildschirm verbringen, ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und die Ent­wick­lung eines Typ-2-Diabetes haben. Bisher war laut den Autoren nicht klar, ob dies auch für Kinder gilt.

Die Autoren analysierten für ihre Studie eine Stichprobe von 4.500 Schülern, 2.337 Mäd­chen und 2.158 Jungen, im Alter von neun bis zehn aus London, Birmingham und Lei­ces­­ter im Hinblick auf kardiovaskuläre und metabolische Risikofaktoren. Hierzu gehören Blutfette, Insulinresistenz, Nüchternglukosespiegel, Entzündungswerte, Blut­druck und Ge­samtkörperfettanteil. Zudem wurden die Kinder zu ihrem täglichen Bild­schirmkonsum (TV, Computer und Konsolen) befragt. Von 2.031 der Probanden konnten die Forscher zusätzlich Daten über die körperliche Betätigung einholen.

Etwa vier Prozent der Kinder gaben an, keine Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen, 37 Prozent der befragten Kinder gaben an, bis zu einer Stunde täglich an einem Bildschirm zu sein. 28 Prozent der übrigen Kinder legten sich auf ein bis zwei Stunden fest, 13 Pro­zent auf zwei bis drei Stunden und etwa eines von fünf Kindern (18 Prozent) gab an, mehr als drei Stunden täglich vor einem Bildschirm zu verbringen. Unter letzteren waren mehr Jungen (22 Prozent) als Mädchen (14 Prozent).

Korrelationen bestanden zwischen der Zeit vor einem Bildschirm und dem Ponderal In­dex, einer Maßzahl zur Beurteilung der Relation zwischen Körpergewicht und Körper­grö­ße, und der Dicke der Hautfalten. Dies sind Indikatoren für den Gesamt­körper­fettanteil. All diese Parameter waren höher bei den Kindern, die mehr als drei Stunden täglich vor einem Bildschirm verbringen, als bei jenen, die bei den Befragungen eine Stunde oder weniger angegeben hatten.

Ebenfalls stellten die Forscher bei einer Quote von mehr als drei Stunden Bildschirmzeit pro Tag eine Verbindung zu den Spie­geln des appetitzügelnden Hormons Leptin, der Nüch­ternglucose und der Insulin­resis­tenz fest. Die Assoziation von Bildschirmzeit und den oben genannten Parametern blieb auch bestehen, nachdem die Experten weitere potenzielle Einflussfaktoren wie familiä­ren Hintergrund, Einkommen der Eltern, Pubertät und körperliche Aktivität berücksichtigt hatten.

Die Forscher merken an, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt und somit keine definitiven Schlussfolgerungen bezüglich der Kausalität gezogen werden könnten. © hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 23. März 2017, 15:07

"Ich glotz TV!"

Von Nina Hagen & Band - 1978:
"Allein! Die Welt hat mich vergessen. Ich hänge rum! Hab's bei allen verschissen. Ich sitz' zu Hause. Keine Lust zu gar nichts!...Ich bin so tot! War das nun schon mein Leben? Meine schöne Phantasie!! Meine Schaltstellen sind hinüber. Ich schalt' die Glotze an. Happiness, Flutsch-Flutsch! Fun fun!...Ich krieg'ne Meise weil Na, ich fass' kein Buch mehr an. Literatur?? Kotz kotz uuuuaah! Da wird mir übel. Und die Arztromane hab' ich mit zwölf hinter mich gebracht..."

Macht viel Fernsehen nicht nur Typ-2-Diabetes mellitus, sondern auch dumm? Und ist es nicht eher so, dass "dumme, juvenile Diabetiker" mehr Fernsehen, weil kluge Leute eh 'was Besseres zu tun haben? Diese Schlussfolgerungen formulierten Tina D. Hoang et al. mit "Effect of Early Adult Patterns of Physical Activity and Television Viewing on Midlife Cognitive Function" http://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2471270

"Conclusions and Relevance - High television viewing and low physical activity in early adulthood were associated with worse midlife executive function and processing speed. This is one of the first studies to demonstrate that these risk behaviors may be critical targets for prevention of cognitive aging even before middle age."

Bei hohem TV-Konsum, geringer körperlicher Aktivität, kaum Sport und anstrengungslosem Leben in der Jugend beginnt wohl die pankreatische und kognitive Alterung schon vor Erreichen des mittleren Lebensalters, schlussfolgern die AutorInnen. Dabei ist die Vermeidung von "Risikoverhalten" und diabetologischen "Präventionszielen" schwierig, denn wie könnte man die kollektive Fernseh-Verblödung, die allgemeine motorische Verlangsamung, den Bewegungsmangel am PC bzw. die Bewegungsstarre beim Fernseh-"Glotzen" durch unverbindlich theoretische Präventions-Appelle überwinden?

Eine weitere Metaanalyse "Television Viewing and Risk of Type 2 Diabetes, Cardiovascular Disease, and All-Cause Mortality - A Meta-analysis" von Anders Grøntved et al. beleuchtet die langfristigeren Auswirkungen von Fernseh-Konsum. http://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/900893

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Mauterndorf/A)

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