Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Unfruchtbarkeit: Smart­phone-Applikation ermöglicht Spermatest zu Hause

Donnerstag, 23. März 2017

Fertilex soll eine Analyse der Spermienqualität innerhalb von fünf Sekunden ermöglichen. /M.K. Kanakasabapathy et al. Science Translational Medicine 2017

Boston – Mit einem neuem Messgerät, das sich an ein Smartphone koppeln lässt, können Männer zu Hause die Qualität ihrer Spermien selbst analysieren. Das point-of-care-System soll die Beweglichkeit und Konzentration von Spermien in der Samen­flüssigkeit mit einer Genauigkeit von 98 Prozent auswerten, heißt es in der Publikation, die in Science Translational Medicine erschienen ist (2017; doi: 10.1126/scitranslmed.aai7863). Andrologen aus Gießen geben zu bedenken, dass Spermienparameter wie Konzentration und Motilität allein keine definitive Aussage zur Fertilität eines Mannes ermitteln können.

Das Messgerät erkennt Spermaproben, die Eigenschaften der Unfruchtbarkeit erfüllen, basierend auf den Grenzwerten der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO). Demnach liegt der unterste Referenzwert der Spermienkonzentration bei 15 Millionen Spermien/ml und die Motilität bei mindestens 40 Prozent (progressive Beweglichkeit + lokale Beweglich­keit/Kreisschwimmer). Das point-of-care-System haben die Forscher um Erstautor Manoj Kumar Kanakasabapathy vom Brigham and Women’s Hospital (BWH) an 350 klinischen Spermaproben getestet.

„Wir wollten einen Fruchtbarkeitstest für Männer entwickeln, der sich genauso einfach und kostengünstig einsetzen lässt wie der Schwangerschaftstest für zu Hause“, sagt der Autor Hadi Shafiee aus der Abteilung Engineering in Medicine and Renal Division of Medicine am BWH. Auch deutsche Forscher vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg äußern sich positiv, insbesondere da das System auf Grundlage der WHO-Empfehlungen zur Untersuchung des Ejakulates erfolgte: „Die Entwicklung einfach zu handhabender point-of-care-Systeme für die Beurteilung der Spermaqualität stellt sicher eine Bereicherung auf dem Gebiet der Andrologie dar“, kommentiert Hans-Christian Schuppe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin.

System mit Einschränkungen

Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass die bisher verfügbaren Testsysteme, einschließ­lich dem von Kanakasabapathy et al. vorgestellten, wesentliche Parameter nicht erfassen können. „Es fehlt insbesondere die zytomorphologische Ebene, das heißt Informationen zur Spermienmorphologie, zum Vorhandensein unreifer Keimzellen, Leukozyten und einiges mehr“, erklärt Adrian Pilatz, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie in Gießen. Ein wesentlicher Einflussfaktor sei auch die Ejakulatbeschaffenheit, ergänzt Schuppe. Unvollständig verflüssigte, visköse Proben könnten zu einer erheblichen Verfälschung der Ergebnisse führen.

„Das vorgestellte point-of-care-System kann also nur orientierende Daten liefern und ist keinesfalls ein vollwertiger Ersatz für die herkömmliche andrologische Labordiagnostik“, schlussfolgern die beiden Andrologen. Die Ejakulatqualität unterliege zudem physio­logisch erheblichen Schwankungen. Eine einzelne Analyse sei nicht unbedingt repräsen­tativ, erklärt Schuppe weiter.

Bei Verwendung eines Smartphone-Kits als Heimtest stellt sich daher die Frage, ob sich der betroffene Mann je nach Ergebnis nicht in „falscher Sicherheit“ wähnt. „Da die Spermaqualität sowohl Störungen der Hodenfunktion als auch der allgemeinen Gesund­heit widerspiegelt, müssen Heimtests zur Spermaqualität unbedingt mit einer Empfeh­lung zur ärztlichen Beratung verbunden sein“, sind sich beide Experten aus Gießen einig. Mögliche Ängste der Männer, auch vor einer Stigmatisierung, könnten gerade durch die ärztliche Betreuung vermieden werden.

Die Forscher aus den USA wollen den Prototypen ihres Smartphone-basierten Analyse­geräts in weiteren Tests prüfen mit dem Ziel, eine Zulassung von der Food and Drug Administration zu erhalten. © gie/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19.10.17
Ärzte fordern intelligente Patientenakte und wollen bei Tests mitreden
Dortmund – Die vernetzte elektronische Patientenakte (ePA) ist derzeit als wesentliche Komponente der Digitalisierung des Gesundheitswesens ein viel diskutiertes Thema. Wesentliche Fragen zur......
18.10.17
Internetbasierte Akzeptanz- und Commitment-Therapie reduziert Schmerzen
Freiburg – Chronische Schmerzen akzeptieren – das lernen Patienten bei einer onlinebasierten Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Der Ansatz kann Schmerzen reduzieren und führt gleichzeitig zu......
16.10.17
Wissenschaftliche Nutzung von Gesundheitsdaten: Plädoyer für Bund-Länder-Staats­vertrag
Kiel – Die rasante Zunahme und Verbreitung digitaler Gesundheitsdaten bietet große Chancen, aber auch Risiken für die medizinische Forschung. In Deutschland fehlt unter anderem aufgrund der föderalen......
16.10.17
Ärger um Praxisausweis
Berlin – Damit Praxen ein Teil der neuen Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) werden können, benötigen Ärzte neben Konnektor, Kartenterminal und VPN-Zugangsdienst vor allem den Praxisausweis (SMC-B). Dieser......
13.10.17
Das „Wie“ der Telemedizin ist entscheidend
Berlin – Telemedizin soll den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt ergänzen und nicht ersetzen. Dies war ein Fazit des Symposiums „Selbstbestimmung, Sicherheit, Gerechtigkeit – Perspektiven einer Ethik......
13.10.17
Praxisinfo zum Versichertenstamm­datenmanagement
Berlin – Um Ärzte und Psychotherapeuten den Umgang mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) zu erleichtern, hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine neue Praxisinformation......
10.10.17
AOK geht mit Portal zum Austausch von Gesundheitsdaten an den Start
Berlin – Für den AOK-Bundesverband drängt die Zeit: Der Verband der elf regionalen AOKen will bei der Digitalisierung nicht länger auf Entscheidungen der Politik oder Selbstverwaltung warten und hat......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige